Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hat zwei ihrer historisch bedeutsamen Sammlungen der Universitätsbibliothek Basel geschenkt. Diese Übergabe sichert die langfristige Erhaltung und Zugänglichkeit von Dokumenten, die zusammen über 200 Laufmeter Geschichte umfassen. Die Schenkung umfasst die Falkeisen-Sammlung und das Kirchenarchiv, die bereits seit über einem Jahrhundert als Depositum in der Bibliothek lagerten.
Wichtige Punkte
- Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt schenkte der Universitätsbibliothek Basel zwei historische Sammlungen.
- Es handelt sich um die Falkeisen-Sammlung und das Kirchenarchiv, die über 200 Laufmeter umfassen.
- Die Schenkung sichert die fachgerechte Aufbewahrung und Erschliessung der wertvollen Dokumente.
- Zu den Beständen gehören Manuskripte, Drucke, Grafiken und bedeutende Humanistenkorrespondenzen.
- Einige Teile der Sammlungen sind bereits digitalisiert und online zugänglich.
Ein Jahrhundert im Besitz, nun dauerhaft gesichert
Die Entscheidung zur Schenkung traf die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt in der vergangenen Woche. Bereits seit über 100 Jahren befanden sich die Sammlung Falkeisen und das Kirchenarchiv als Leihgabe in der Universitätsbibliothek Basel. Mit der nun vollzogenen Schenkung wird der dauerhafte Verbleib der Dokumente an einem Ort gewährleistet, der über die notwendige Expertise und Infrastruktur für deren Erhalt verfügt.
Die Aufbewahrung und Pflege historischer Manuskripte ist mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Diese Schenkung entlastet die Kirche und stellt sicher, dass die einzigartigen Zeugnisse der Geschichte Basels und der Reformation für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Die Universitätsbibliothek Basel ist auf die Konservierung und Digitalisierung solcher Bestände spezialisiert.
Faktencheck
- 200 Laufmeter: So viel Platz nehmen die beiden Sammlungen zusammen ein.
- Über 100 Jahre: So lange waren die Dokumente bereits als Depositum in der Universitätsbibliothek.
- Kostenintensiv: Der Erhalt und die Lagerung historischer Manuskripte sind aufwendig und teuer.
Die Falkeisen-Sammlung: Einblick in Basler Geschichte
Die Falkeisen-Sammlung ist das Ergebnis der Sammelleidenschaft von Pfarrer Theodor Falkeisen-Bernoulli und seinem Sohn, Antistes Hieronymus Falkeisen. Beide waren stark an Geschichte interessiert und trugen eine umfangreiche Sammlung zusammen. Ihr Fokus lag dabei auf der Basler und Schweizer Geschichte sowie auf Literatur.
Die Sammlung umfasst eine Vielzahl von Materialien: Handschriften, seltene Drucke, historische Grafiken, Porträts und detaillierte Karten. Diese Vielfalt macht sie zu einer wichtigen Quelle für Forschende und Interessierte. Sie bietet einen tiefen Einblick in das Leben und die Kultur der Region über mehrere Jahrhunderte hinweg.
„Die Schenkung ist ein Meilenstein für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes. Sie sichert den Zugang zu unschätzbaren Dokumenten für Forschung und Öffentlichkeit.“
Von Dürer bis Bullinger: Glanzstücke der Sammlung
Innerhalb der Falkeisen-Sammlung finden sich einige besonders wertvolle Stücke. Dazu gehört ein berühmter Kupferstich von Albrecht Dürer, der den Humanisten Erasmus von Rotterdam porträtiert. Dieses Werk ist nicht nur kunsthistorisch bedeutsam, sondern auch ein Zeugnis der engen Verbindungen Basels zu den intellektuellen Strömungen Europas in der Renaissance.
Ein weiteres Highlight ist eine Ausgabe eines Theaterstücks von Heinrich Bullinger. Bullinger, ein führender Reformator und Nachfolger Zwinglis in Zürich, war nicht nur Theologe, sondern auch ein produktiver Autor. Seine Werke spiegeln die religiösen und gesellschaftlichen Debatten seiner Zeit wider und sind von grosser Bedeutung für die Reformationsgeschichte.
Hintergrund: Humanismus in Basel
Basel war im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum des Humanismus und der Buchdruckerkunst. Gelehrte wie Erasmus von Rotterdam lebten und wirkten hier. Die Stadt zog Intellektuelle aus ganz Europa an und spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung neuer Ideen, insbesondere während der Reformation. Die nun geschenkten Sammlungen sind direkte Zeugen dieser reichen Geschichte.
Das Kirchenarchiv: Zeugnisse des kirchlichen Lebens
Das Kirchenarchiv bündelt die gesamte Überlieferung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Es dokumentiert die Entwicklung der Kirche, ihre Verwaltung und ihre Rolle in der Gesellschaft. Bereits im 19. Jahrhundert wurden Teile dieser wissenschaftlichen Bestände an die Universitätsbibliothek übergeben, was die lange Zusammenarbeit unterstreicht.
Ein besonders wertvoller Teil des Archivs sind die Korrespondenzen bedeutender Humanisten. Briefe von Persönlichkeiten wie Matthias Erb, Wolfgang Fabricius Capito und Bonifacius Amerbach bieten einzigartige Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Netzwerke und die intellektuellen Diskurse ihrer Zeit. Diese Originaldokumente sind für die Forschung von unschätzbarem Wert.
Kurioses und Karikaturen
Neben den ernsten historischen Dokumenten beherbergen die Sammlungen auch Kurioses. Dazu gehören die boshaften Karikaturen des Basler Kunstmalers Franz Feyerabend. Mit spitzem Strich hielt Feyerabend die kleinen Schwächen der Basler Prominenz des 18. Jahrhunderts fest und veröffentlichte seine Zeichnungen auf Flugblättern.
Zu seinen Zielen zählten der bekannte Mediziner Jakob Christoph Ramspeck und der Pfarrer Carl Ulisses Wolleb, den Feyerabend mit einem auffälligen Bauch und ausgeprägtem Doppelkinn darstellte. Diese Karikaturen bieten einen humorvollen, aber auch kritischen Blick auf die Gesellschaft jener Zeit und zeigen, dass Spott und Satire schon damals ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Kommunikation waren.
Zugänglichkeit und Digitalisierung
Ein grosser Teil der nun geschenkten Sammlungen ist bereits digitalisiert. Dies ermöglicht einen einfachen Zugang für Forschende und die breite Öffentlichkeit weltweit. Interessierte können viele der Dokumente bequem von zu Hause aus über die Webseite swisscollections einsehen. Die Digitalisierung ist ein wichtiger Schritt, um dieses wertvolle Kulturgut einer breiten Nutzung zugänglich zu machen und es gleichzeitig vor physischem Verschleiss zu schützen.
Die Universitätsbibliothek Basel setzt sich weiterhin für die Digitalisierung weiterer Bestände ein. Dies stellt sicher, dass auch zukünftige Generationen von der reichen Geschichte profitieren können, die in diesen Sammlungen bewahrt wird. Die Schenkung ist somit nicht nur ein Akt der Bewahrung, sondern auch eine Investition in die Zukunft der Forschung und Bildung.





