Die Kulturstiftung Basel H. Geiger präsentiert eine Ausstellung, die den Schweizer Künstler Luciano Castelli in einem neuen Licht zeigt. Unter dem Titel «Whispers of Japan – Luciano Castelli» verbindet die Schau Castellis frühere provokante Werke mit seinen neuesten Arbeiten, die von einer tiefen Faszination für Japan zeugen. Besucher erleben eine Brücke zwischen den «Neuen Wilden» und traditioneller japanischer Kunst.
Wichtige Punkte
- Luciano Castelli war in den 1970er-Jahren Protagonist der «Neuen Wilden».
- Die Ausstellung zeigt seine Entwicklung und Faszination für Japan seit den 1980er-Jahren.
- Im Zentrum stehen acht neue, bemalte Byōbu-Paravents, die nach seiner Japanreise 2024 entstanden sind.
- Castelli verbindet in seinen neuen Werken westliche Wildheit mit japanischer Ästhetik.
- Die Ausstellung läuft bis zum 15. Februar 2026 in der Kulturstiftung Basel H. Geiger.
Vom Provokateur zum sensiblen Verehrer
Luciano Castelli, geboren 1951 in Luzern, prägte in den 1970er-Jahren die Kunstszene Berlins als Teil der «Neuen Wilden». Seine Arbeiten waren bekannt für ihre provokante und expressive Natur. Ein Beispiel dafür ist die Performance «The Bitch And Her Dog» aus dem Jahr 1981, bei der er sich von der als Geisha verkleideten Kunstfigur Salomé durch die Strassen Lyons ziehen liess. Diese frühen Werke setzten bewusst auf Schock und brachen mit Konventionen.
Die aktuelle Ausstellung in Basel beleuchtet, wie sich Castellis künstlerischer Blick über die Jahrzehnte gewandelt hat. Obwohl die frühe Faszination für Japan bereits in den 1980er-Jahren begann, manifestierte sie sich damals noch im Kontext seiner wilden, ungestümen Kunst. Grossformatige Fotografien und farbenprächtige Gemälde aus dieser Zeit empfangen die Besucher am Eingang der Ausstellung. Sie dokumentieren diese frühe, oft kontroverse Schaffensperiode.
Faktencheck
- Luciano Castelli wurde 1951 in Luzern geboren.
- Er war in den 1970ern eine Schlüsselfigur der «Neuen Wilden» in Berlin.
- Seine Japan-Faszination begann bereits in den frühen 1980ern.
Die Japanreise 2024 und ihre Auswirkungen
Der eigentliche Wendepunkt in Castellis Auseinandersetzung mit Japan markiert seine erste Reise dorthin im Jahr 2024. Diese persönliche Erfahrung hat seine jüngsten Arbeiten massgeblich beeinflusst. Die Reise ermöglichte ihm einen direkten Zugang zur japanischen Kultur und Kunst, der sich nun in seinen Werken widerspiegelt. Es ist ein Übergang von einer distanzierten Faszination zu einem tiefen, respektvollen Verständnis.
Im Zentrum der Basler Ausstellung stehen acht monumentale, bemalte Byōbu-Paravents. Diese wurden speziell für diese Schau konzipiert und in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Handwerker in Tokio gefertigt. Die Paravents sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeugnisse einer kulturellen Zusammenarbeit, die Castellis künstlerische Vision mit traditioneller japanischer Handwerkskunst verbindet. Sie sind ein Höhepunkt der Präsentation.
«Castelli hat Kompositionen geschaffen, die an die Kalligraphie und die figurativen Genre-Zeichnungen aus dem Land der aufgehenden Sonne erinnern. Sie sind allesamt von einem grossen Respekt zur Kunst Japans geprägt.»
Brücke zwischen Tradition und Moderne
Castellis neue Byōbu-Paravents zeigen eine bemerkenswerte Synthese. Er verwendet grobe, wilde und doch durchdachte Pinselstriche, die zu seinen Markenzeichen gehören. Gleichzeitig erinnern die Kompositionen an traditionelle japanische Kalligraphie und figurative Genremalereien. Diese Verbindung schafft eine einzigartige Ästhetik, die westliche Expressivität mit östlicher Sensibilität vereint.
Die Paravents sind nicht nur visuell beeindruckend, sondern auch ein Ausdruck eines tiefen Respekts vor der japanischen Kunst. Der einst provokante Künstler Castelli zeigt sich in diesen Werken als sensibler Verehrer. Er nimmt die Essenz der japanischen Ästhetik auf und interpretiert sie durch seine eigene künstlerische Sprache. Dies ist ein Zeichen seiner Reife und Entwicklung als Künstler über Jahrzehnte hinweg.
Hintergrund: Die «Neuen Wilden»
Die «Neuen Wilden» waren eine Künstlergruppe, die in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren in Deutschland und Österreich aufkam. Sie rebellierten gegen die minimalistische und konzeptuelle Kunst ihrer Zeit. Ihr Stil war figurativ, expressiv und farbintensiv, oft mit provokanten Themen. Luciano Castelli war eine zentrale Figur dieser Bewegung, die eine Rückkehr zur Malerei und zum subjektiven Ausdruck forderte.
Die Bedeutung der Byōbu-Paravents
Byōbu-Paravents sind in der japanischen Kultur seit Jahrhunderten ein wichtiges Element. Sie dienen nicht nur als Raumteiler, sondern auch als Leinwände für künstlerische Ausdrucksformen. Oft sind sie mit Landschaften, Szenen aus dem Alltag oder kalligraphischen Texten verziert. Castellis Entscheidung, dieses traditionelle Format für seine neuen Werke zu wählen, unterstreicht seinen tiefen Respekt vor der japanischen Kunstgeschichte.
Die Zusammenarbeit mit einem japanischen Handwerker in Tokio für die Herstellung der Paravents ist ein weiteres Zeichen dieser Wertschätzung. Sie zeigt, dass Castelli nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Handwerkskunst und die kulturellen Hintergründe Japans würdigt. Diese authentische Herangehensweise verleiht den Werken eine besondere Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Einladung zur Ausstellung
Die Ausstellung «Whispers of Japan – Luciano Castelli» in der Kulturstiftung Basel H. Geiger bietet Besuchern eine seltene Gelegenheit, die Entwicklung eines bedeutenden Schweizer Künstlers zu verfolgen. Sie können seine frühen provokanten Arbeiten im Kontext seiner neuen, von Japan inspirierten Werke erleben. Die Schau lädt dazu ein, die Brücke zwischen westlicher und östlicher Kunst zu erkunden.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Februar 2026 für das Publikum geöffnet. Es empfiehlt sich, die Zeit zu nutzen, um diese einzigartige Präsentation zu besuchen und sich von der künstlerischen Reise Luciano Castellis inspirieren zu lassen. Die Kulturstiftung Basel H. Geiger bietet damit einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt.





