Die Guggemusig Orginal Chnulleri, ein fester Bestandteil der Basler Fasnacht, feiert dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Als älteste durchgehend aktive Guggenmusik der Stadt blicken die Chnulleri auf eine reiche Geschichte voller einzigartiger Traditionen, musikalischer Höhepunkte und bemerkenswerter Entwicklungen zurück. Die Jubiläumsfeierlichkeiten finden ihren Höhepunkt in einem Guggenfest im Singerhaus, das die langjährige Tradition der Gruppe würdigt.
Wichtige Fakten
- Die Orginal Chnulleri ist die älteste durchgehend aktive Basler Guggemusig.
- Die Gründung erfolgte 1935 durch Paul Schwörer und zwei Freunde.
- Der Name «Orginal Chnulleri» wurde erst 1949 offiziell angenommen.
- Ein Höhepunkt war der Auftritt im ZDF 1964 mit Max Greger.
- Seit 2015 sind Frauen als Aktivmitglieder zugelassen.
- Das 90-jährige Jubiläum wird mit einem Guggenfest im Singerhaus gefeiert.
Die Anfänge einer Basler Institution
Die Geschichte der Orginal Chnulleri begann in einer Zeit globaler wirtschaftlicher Herausforderungen. Im Jahr 1935 schlossen sich Paul Schwörer und zwei Freunde aus dem Erleneck zusammen. Ausgestattet mit Handorgel, Pauke und Trommel zogen sie zur Fasnacht durch die Strassen des Kleinbasels. Ihr Stammlokal war damals das Restaurant Claramatte, wo sie sich auf ihre Auftritte vorbereiteten.
Die kleine Gruppe um Schwörer wuchs schnell. Das Restaurant Claramatte wurde bald zu klein, sodass die Musiker eine neue Heimat im Restaurant Claraeck an der Clarastrasse 1 fanden. Dieses Lokal entwickelte sich später zum bekannten Fasnachtsbeiz «Holzschopf».
Interessanter Fakt
Der Begriff «Chnulleri» bezeichnete ursprünglich einen vornehmen Trinker aus dem Kleinbasel, aber auch eine Person, die sich einfach ausdrückt. Die genaue Herkunft des Guggen-Namens ist jedoch nicht vollständig überliefert.
Kriegsjahre und Namensgebung
Wie viele andere Fasnachtsformationen litt auch die Gugge von Paul Schwörer unter den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Die Strassenfasnacht in Basel fiel in den Jahren 1940 bis 1945 aus. Dies verhinderte ein weiteres Mitgliederwachstum.
Trotzdem lebte die Basler Fasnacht in geschlossenen Lokalen und am «Drummeli» weiter, wo auch die Basler Guggen präsent waren. Erst im Jahr 1949, lange nach Kriegsende, erhielt «Schwörer’s Gugge» ihren offiziellen Namen: «Orginal Chnulleri». Gleichzeitig erfolgte die Anmeldung beim Schnitzelbank-Comité. Damals war es üblich, dass eingetragene Guggenmusiken die musikalischen Pausen zwischen den Schnitzelbänken in den Lokalen gestalteten.
Die Sargwerferei: Eine vergessene Tradition
In den Kriegstagen, als keine Strassenfasnacht stattfand, soll Paul Schwörers Gugge einen besonderen Brauch ins Leben gerufen haben: die Beerdigung der Fasnacht. Am frühen Donnerstagmorgen, nach den drei Fasnachtstagen, versammelte man sich auf der mittleren Rheinbrücke. Dort wurde beim Käppelijoch ein symbolischer Sarg in den Rhein geworfen. Diese Idee wurde bei anderen Guggen populär und bis 1952 fortgeführt. Nach heftiger Kritik in Basler Tageszeitungen verschwand die «Sargwerferei» jedoch wieder. Erst die Kratzbyrschte nahmen diese Tradition 1975 wieder auf.
Entwicklung der Auftritte und neue Wege
Bis 1949 absolvierte «Schwörer’s Gugge» den Nachmittags-Cortège unangemeldet. Seit den 1950er-Jahren nehmen die Orginal Chnulleri jedoch nicht mehr am Cortège teil. Stattdessen sind sie am Fasnachts-Montag und -Mittwoch abends «uff dr Gass» unterwegs und geben Konzerte in den Lokalen.
Der Fasnachts-Dienstag beginnt traditionell mit einem Kinderumzug. Die Gugge versucht dabei, durch Gross- und Kleinbasel zu ziehen. Dies ist aufgrund der grossen Menschenmassen oft beschwerlich. Der Abend des Dienstags gipfelt im Guggen-Sternmarsch, der an der Mustermesse startet und am Barfüsserplatz (Seibi) endet. Dort bildet das Guggenkonzert den Höhepunkt der Fasnacht.
«Mängmool sin Ihr glatti Spinner, mängmool mache Ihr aim muff. Ains isch klar: im Lärme sinner allewyl die grosse Gwinner. Näben Eych kunnt niemerts uff.»
Blasius, Em Bebbi sy Fasnacht 1977
Basler Fasnacht – Einzigartiges Kulturgut
Die Basler Fasnacht ist die grösste Fasnacht der Schweiz und seit 2017 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4 Uhr morgens mit dem Morgestraich und endet am Donnerstagmorgen um 4 Uhr.
Internationale Auftritte und Jubiläen
Ein besonderer Höhepunkt in der Chnulleri-Chronik war das Jahr 1964. Die Guggenmusik wurde nach Stuttgart eingeladen, um dort an einer grossen ZDF-Produktion mitzuwirken. Es handelte sich um eine Unterhaltungssendung mit der Show-Grösse und Big-Band-Leader Max Greger. Dieser erste Auslandsaufenthalt bescherte den Orginal Chnulleri internationale Aufmerksamkeit und Bekanntheit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Vorbereitungen für diesen Fernsehauftritt stellten die Gruppe vor grosse musikalische und emotionale Herausforderungen.
Weitere Auftritte im Ausland folgten, wie zum Beispiel in Schwäbisch Gmünd beim Internationalen «Guggenträff».
Auftritt am Pfyfferli 1978
Im Jahr 1978 traten die Orginal Chnulleri zusammen mit der Guggenmusig Rhyschwalbe sogar am Pfyfferli auf. Damals noch unter der Leitung von Roland Rasser, mit Bernhard Baumgartner und Sabine Rasser im Ensemble. Es muss ein gewaltiges Getöse im Gewölbekeller des Theater Fauteuil am Spalenberg gewesen sein. Im damaligen Programmheft waren sogar alle Aktivmitglieder namentlich aufgeführt.
50 Jahre Chnulleri
1986 feierten die Orginal Chnulleri ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Die Basler Fasnacht war damals von einer weissen Pracht überzogen. Ab Dienstag, dem 16. Februar 1986, konnte man den Spalenberg sogar mit Skiern herunterfahren. Um sich von diesen Strapazen zu erholen und das Jubiläum zu feiern, flogen die Aktivmitglieder für eine Woche nach Mallorca.
Wandel und neue Mitglieder
In den 1990er-Jahren erlebte die Mitgliederzahl einen Boom durch die Fusion mit den «Dalbaneesen». Hier trafen jedoch unterschiedliche Fasnachts-Philosophien aufeinander. Dies führte bald zu Diskrepanzen und schliesslich zu einer grösseren Abspaltung. In den folgenden 20 Jahren blieb die Zahl der Aktivmitglieder bei stabilen 22 Männern.
Anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens frohlockte der damalige Chnulleri-Obmann Sascha Hirschi noch, man wolle die «drey scheenschte Dääg» weiterhin ohne Frauen verbringen.
«Wir haben unsere Frauen gern, aber das ist unser Männerding», so Hirschi damals mit einem Schmunzeln.
Diese Haltung änderte sich jedoch kurze Zeit später. Mit der Auflösung des fasnächtlichen Konkubinats zwischen den Baggemugge und d Barbarossa klopften plötzlich Frauen an. Die Orginal Chnulleri öffneten daraufhin ihre Türen für das weibliche Geschlecht. Dies funktioniert laut Benjamin Aegerter, dem jüngsten Obmann seit der Gründung, seit neun Jahren gut. Er senkt mit seiner Wahl auch den Altersdurchschnitt der Guggenmitglieder.
Die Chnulleri heute: Eine klassisch schränzende Gugge
Die Orginal Chnulleri verstehen sich noch immer als klassisch schränzende Gugge. Sie grenzen sich damit von vielen anderen Guggenmusiken ab. Diese ähneln mittlerweile etablierten Musikvereinen und lassen das kakophonische Element fast gänzlich vermissen. Die Chnulleri legen Wert auf ihren ursprünglichen, lauten und unkonventionellen Sound.
Zum 90. Geburtstag treten die 28 Aktivmitglieder zuerst am Dienstagabend am Seibi auf. Danach geben sie auf der Bühne der befreundeten FG-Guggen auf dem Marktplatz ein weiteres Ständchen. Wer die Orginal Chnulleri kennt, weiss, dass es sowohl am Seibi als auch am Marktplatz Überraschungen geben wird.
Jubiläumsfeier im Singerhaus
Die eigentlichen Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag finden am Fasnachts-Mittwoch-Abend statt. Von 19:00 Uhr bis 02:00 Uhr wird im Singerhaus ein Guggenfest veranstaltet. Diverse Guggenmusiken werden auftreten und den Orginal Chnulleri musikalisch gratulieren. Dieses fasnächtliche Event verspricht ein grosser Höhepunkt der Jubiläumssaison zu werden.
Mit dem traditionellen Bummel am 8. März 2026 endet die 90. Fasnachtssaison. Ab diesem Datum bleiben den Orginal Chnulleri dann noch zehn Jahre Zeit, um sich auf ihr grosses 100-jähriges Jubiläum vorzubereiten.





