Die Kindertagesstätte Rambazamba in Oberwil steht nach 16 Jahren Betrieb vor einer ungewissen Zukunft. Die Gründerin und Leiterin Cécile Mollenkopf kämpft mit drastischen Massnahmen gegen die drohende Schliessung. Grund für die finanzielle Notlage ist der massive Subventionsunterschied zum benachbarten Kanton Basel-Stadt, der Eltern und Fachkräfte abzieht.
Um Entlassungen zu vermeiden, hat Mollenkopf bereits auf ihren eigenen 13. Monatslohn verzichtet. Die finanziellen Reserven der privat geführten Einrichtung sind aufgebraucht, und die Sorge um die Zukunft der betreuten Kinder und des Personals wächst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kita Rambazamba in Oberwil leidet unter akutem finanziellem Druck.
- Die massive Subventionierung von Kitaplätzen in Basel-Stadt schafft ungleiche Wettbewerbsbedingungen.
- Ein Kitaplatz kostet im Baselbiet bis zu 1000 Franken mehr als in der Stadt.
- Leiterin Cécile Mollenkopf hat ihren 13. Monatslohn gestrichen, um Kosten zu senken.
- Ohne eine Lösung drohen Personalabbau, Qualitätseinbussen oder sogar die Schliessung.
Ein ungleicher Kampf an der Kantonsgrenze
Seit 16 Jahren ist das Tagesheim Rambazamba eine feste Grösse in der Kinderbetreuung in Oberwil. Doch die Nähe zu Basel-Stadt wird zunehmend zur existenziellen Bedrohung. Der Stadtkanton unterstützt seine Kindertagesstätten im Jahr 2024 mit 97 Millionen Franken, was die Elternbeiträge drastisch senkt.
Dieser finanzielle Graben hat direkte Folgen. Während Eltern in Basel-Stadt für einen Vollzeitplatz maximal rund 1600 Franken pro Monat bezahlen, können die Kosten im Kanton Basel-Landschaft auf bis zu 2600 Franken ansteigen. «Dieser Unterschied ist für viele Familien entscheidend», erklärt Cécile Mollenkopf, die Leiterin der Kita Rambazamba.
Der Subventionsunterschied im Detail
Die unterschiedliche Förderpolitik der beiden Halbkantone führt zu einer erheblichen Preisdifferenz. In Basel-Stadt werden die Tarife einkommensabhängig stark subventioniert, was die Betreuung für eine breite Bevölkerungsschicht erschwinglich macht. Im Baselbiet sind die Subventionen geringer und die Finanzierungsmodelle oft den Gemeinden überlassen, was zu einem Flickenteppich an Tarifen und einer generell höheren Belastung für Eltern führt.
Fachkräfte wandern in die Stadt ab
Nicht nur Eltern, auch qualifiziertes Personal wird von den besseren Konditionen in der Stadt angezogen. Betreuerinnen und Betreuer verdienen in Basler Kitas oft bis zu 1000 Franken mehr im Monat. «Wir hatten bisher Glück und mussten noch keine Mitarbeitenden an die Stadt verlieren», sagt Mollenkopf. «Aber die Rekrutierung von neuem Personal wird immer schwieriger.»
Das eigentliche Problem für das Rambazamba liegt jedoch woanders. «Früher hatten wir jedes Jahr im August Zuzug von etwa vier neuen Familien, die sich in Oberwil niederliessen», berichtet die Leiterin. «Letztes Jahr war es keine einzige. Diese fehlenden Anmeldungen reissen ein grosses finanzielles Loch in unser Budget.»
Ein Hilferuf und persönliche Opfer
Angesichts der aufgebrauchten Reserven sah sich Cécile Mollenkopf gezwungen, zu handeln. In einem Brief an rund 50 Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft der Region legte sie die prekäre Lage offen und bat um Unterstützung.
Gleichzeitig traf sie eine persönliche Entscheidung: Sie verzichtete auf die Auszahlung ihres eigenen 13. Monatslohns. «Das war der erste Schritt, um Entlassungen im Team zu verhindern», erklärt sie. Die Aufnahme eines Darlehens versucht sie so lange wie möglich hinauszuzögern, da die Rückzahlung eine weitere Belastung darstellen würde.
«Unsere finanziellen Reserven sind aufgebraucht. Die Existenz der Kita ist bedroht.»
Cécile Mollenkopf, Leiterin Kita Rambazamba
Die Reaktionen auf ihren Hilferuf waren gemischt. Zwei Spenden, eine von einer Kirchgemeinde und eine von einer SP-Politikerin, gingen ein. Viele andere bekundeten zwar ihren Respekt für die Arbeit der Kita, konnten aber finanziell nicht helfen. Ein lokaler Verein hat ebenfalls Unterstützung in Aussicht gestellt.
Kompensation der Gemeinde reicht nicht aus
Die Gemeinde Oberwil ist sich des Problems bewusst und zahlt pro bewilligtem Kitaplatz einen Zuschuss von fünf Franken, um den Druck aus der Stadt etwas abzufedern. Für Cécile Mollenkopf ist dies jedoch nur «ein Tropfen auf den heissen Stein», der die strukturellen Nachteile bei weitem nicht ausgleichen kann.
Die Zukunft steht auf dem Spiel
Sollte sich die finanzielle Lage nicht bald bessern, müsste Mollenkopf weitere schmerzhafte Massnahmen ergreifen. «Das Schlimmste wäre, als Erstes die 13. Monatslöhne der Mitarbeitenden zu kürzen», sagt sie. Der nächste Schritt wäre ein Personalabbau.
Genau das will sie aber unter allen Umständen vermeiden. «Ein Personalabbau würde unweigerlich zu einer schlechteren Betreuungsqualität führen», warnt sie. Die Leidtragenden wären die Kinder, für die nicht mehr genügend Betreuungspersonen zur Verfügung stünden.
Für die engagierte Pädagogin ist dies eine rote Linie. Eine Schliessung der Kita ist für sie das letzte Mittel, aber nicht ausgeschlossen, sollte die Qualität nicht mehr gewährleistet sein.
«Ich habe mir immer versprochen, nur eine qualitativ gute Kita zu führen mit genügend Personal für die Kinder», sagt Mollenkopf nachdenklich. «Wenn ich das nicht mehr anbieten kann, würde ich es nicht mehr verantworten wollen.» Ihr Kampf ist somit nicht nur ein Kampf um das Überleben ihres Betriebs, sondern auch um die Qualität der frühkindlichen Bildung in der Region.





