Während der Kanton Basel-Stadt sein E-Voting-Pilotprojekt nach einer schweren Panne bis Ende 2026 aussetzt, bekräftigen die Ostschweizer Kantone Thurgau, Graubünden und St. Gallen ihr Festhalten an der elektronischen Stimmabgabe. Sie betonen die Zuverlässigkeit ihres Systems und sehen den Vorfall in Basel als wichtigen Lernprozess, der nicht auf einen grundsätzlichen Fehler der Technologie hindeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Panne in Basel: Bei der Abstimmung vom 8. März gingen in Basel-Stadt 2048 elektronische Stimmen verloren, was zur Aussetzung des Projekts führte.
- Ostschweiz macht weiter: Die Kantone Thurgau, Graubünden und St. Gallen setzen ihren E-Voting-Versuchsbetrieb mit dem System der Schweizerischen Post fort.
- Unterschiedliche Ursachen: Der Fehler in Basel wird auf die Handhabung eines externen USB-Sticks zurückgeführt, nicht auf das E-Voting-System selbst.
- Lernphase betont: Die Kantone betrachten die Pilotphase als notwendig, um praktische Erfahrungen zu sammeln und Prozesse kontinuierlich zu verbessern.
Ein technischer Fehler mit politischen Folgen in Basel
Die Entscheidung des Kantons Basel-Stadt, sein E-Voting-Projekt für fast drei Jahre auf Eis zu legen, ist eine direkte Reaktion auf einen schwerwiegenden Vorfall. Bei den eidgenössischen Abstimmungen vom 8. März konnten 2048 elektronisch abgegebene Stimmen nicht gezählt werden. Dieser Fehler untergrub das Vertrauen in den digitalen Stimmkanal erheblich.
Die Basler Regierung hat umgehend Konsequenzen gezogen. Neben der sofortigen Aussetzung des Pilotbetriebs wurde eine externe Untersuchung angeordnet, um die genauen Ursachen der Panne zu klären. Zusätzlich hat die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren eingeleitet, um mögliche strafrechtliche Verantwortlichkeiten zu prüfen.
Hintergrund: Der lange Weg des E-Votings
E-Voting wird in der Schweiz seit rund zwei Jahrzehnten in verschiedenen Kantonen getestet. Ziel ist es, die Stimmbeteiligung zu erhöhen und den Bürgerinnen und Bürgern einen modernen, barrierefreien Kanal zur Verfügung zu stellen. Die Einführung wurde jedoch immer wieder von Sicherheitsbedenken und technischen Problemen begleitet, die zu Unterbrechungen und Neuausrichtungen der Projekte führten.
Ostschweizer Kantone senden Signal des Vertrauens
Nur wenige Tage nach der Ankündigung aus Basel haben die Kantone Thurgau, Graubünden und St. Gallen in einer gemeinsamen Mitteilung eine gegenteilige Position bezogen. Sie erklärten, dass sie an ihrem Versuchsbetrieb für die elektronische Stimmabgabe festhalten und diesen planmässig fortführen werden.
Die drei Kantone nutzen das E-Voting-System der Schweizerischen Post, das sich seit seiner Einführung im Jahr 2023 in allen bisherigen Abstimmungen und Wahlen bewährt habe. Auch am kritischen Datum des 8. März sei der Einsatz in den Ostschweizer Pilotgemeinden reibungslos verlaufen. Dazu gehörten erstmals die Gemeinden Amriswil, Bichelsee-Balterswil, Bischofszell, Hauptwil-Gottshaus und Kradolf-Schönenberg im Kanton Thurgau.
Menschliches Versagen statt Systemfehler
Ein zentraler Punkt in der Argumentation der Ostschweizer Kantone ist die Ursache der Basler Panne. Laut ihrer Mitteilung habe der Vorfall nichts mit dem E-Voting-System als solchem zu tun. Vielmehr sei er auf die fehlerhafte Handhabung einer externen Komponente zurückzuführen – konkret eines USB-Sticks, der für die Datenübertragung verwendet wurde.
Diese Unterscheidung ist entscheidend: Sie legt nahe, dass nicht die digitale Stimmabgabe an sich unsicher ist, sondern dass die menschlichen Prozesse und die Schnittstellen zur physischen Welt Schwachstellen aufweisen können. Diese Prozesse müssen klar definiert und streng kontrolliert werden.
Zahlen zum E-Voting
- 2048: Anzahl der verlorenen Stimmen in Basel-Stadt am 8. März.
- 2026: Bis zu diesem Jahr ist das E-Voting-Projekt in Basel-Stadt ausgesetzt.
- 3 Kantone: Thurgau, Graubünden und St. Gallen halten am Pilotbetrieb fest.
- 2023: Seit diesem Jahr setzen die Ostschweizer Kantone das System der Post erfolgreich ein.
Ein Versuchsbetrieb, um zu lernen
Die Ostschweizer Kantone betonen den Charakter des aktuellen E-Voting-Programms als „Versuchsbetrieb“. Dieser sei bewusst darauf ausgelegt, praktische Erfahrungen zu sammeln und sowohl die technischen Abläufe als auch die organisatorischen Prozesse laufend zu verbessern und weiterzuentwickeln.
„Ein Versuchsbetrieb dient genau dazu, Schwachstellen zu identifizieren und daraus zu lernen. Jeder Vorfall, ob technisch oder prozessual, hilft uns, das System für den zukünftigen breiten Einsatz robuster zu machen.“
Der Vorfall in Basel wird nun gemeinsam mit der Bundeskanzlei und der Schweizerischen Post analysiert. Die Erkenntnisse aus dieser Untersuchung sollen direkt in die Sicherheits- und Prozessrichtlinien aller teilnehmenden Kantone einfliessen. So wird ein Fehler in einem Kanton zu einer wichtigen Lektion für das ganze Land.
Die Zukunft der digitalen Demokratie in der Schweiz
Der Kontrast zwischen Basel und der Ostschweiz zeigt das Dilemma, in dem sich das E-Voting in der Schweiz befindet. Einerseits besteht der politische Wille, die Digitalisierung in der Demokratie voranzutreiben. Andererseits wiegt jeder Fehler schwer, da das Vertrauen der Bevölkerung in die Korrektheit von Wahlen und Abstimmungen das höchste Gut ist.
Sicherheit und Vertrauen als oberste Priorität
Experten sind sich einig, dass für eine flächendeckende Einführung von E-Voting zwei Bedingungen erfüllt sein müssen: maximale technische Sicherheit und vollständige Transparenz der Prozesse. Die Systeme müssen nicht nur gegen Hackerangriffe geschützt sein, sondern auch eine lückenlose und für externe Experten nachvollziehbare Überprüfung der Ergebnisse ermöglichen.
Die Entscheidung der Ostschweizer Kantone, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, ist ein Bekenntnis zu diesem Lernprozess. Sie signalisieren, dass Rückschläge Teil der Entwicklung sind und nicht zwangsläufig das gesamte Projekt infrage stellen müssen. Für Basel-Stadt hingegen steht nun eine Phase der Aufarbeitung an, um das verlorene Vertrauen der Stimmbevölkerung zurückzugewinnen, bevor ein neuer Anlauf gewagt werden kann.





