Der Traum vom Eigenheim bleibt für viele Menschen in Basel unerreichbar. Steigende Immobilienpreise und strenge Hypothekenanforderungen machen den Hauskauf zunehmend schwierig. Zwei Basler Immobilienberater zeigen auf sozialen Medien die harte Realität und geben praktische Tipps, wie der Weg zum Eigenheim dennoch gelingen kann.
Wichtige Erkenntnisse
- Immobilienpreise steigen schneller als Löhne.
- Ein Lohn von 10'000 Franken reicht oft nicht für die Tragbarkeit einer Hypothek.
- Mindestens 20 Prozent Eigenkapital sind nötig, Reserven sind entscheidend.
- Geld sollte investiert werden, da Inflation den Wert mindert.
- Der Vergleich von Hypotheken kann bis zu 25'000 Franken sparen.
Die Herausforderung Eigenheim in der Schweiz
Der Wunsch nach einem eigenen Haus ist in der Schweiz weit verbreitet. Doch die Realität sieht oft anders aus. Besonders in urbanen Zentren wie Basel sind die Preise für Immobilien in den letzten Jahren stark gestiegen. Dies stellt selbst für Gutverdiener eine grosse Hürde dar.
Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli, beide 28 Jahre alt und Gründer der Immobilienberatungsfirma Immano, kennen diese Problematik genau. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz in den Immobilienmarkt zu bringen. Ihre Videos auf sozialen Medien erreichen Millionen Menschen und zeigen auf, welche finanziellen Anforderungen der Hauskauf heute mit sich bringt.
Die beiden ehemaligen Banker betonen, dass ein hohes Einkommen nicht automatisch den Weg zum Eigenheim ebnet. Oftmals scheitert der Kauf an der Tragbarkeit der Hypothek. Dies gilt selbst für Personen mit einem monatlichen Bruttolohn von 10'000 Franken. Solche Aussagen stossen nicht immer auf Gegenliebe, doch Ismaili und Fringeli sehen es als ihre Pflicht, die Wahrheit aufzuzeigen.
Faktencheck: Hypotheken in der Schweiz
- Mindestens 20% Eigenkapital: Banken verlangen in der Regel, dass Käufer mindestens 20 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln aufbringen.
- Tragbarkeitsrechnung: Die monatlichen Wohnkosten (Hypothekarzinsen, Amortisation, Nebenkosten) dürfen nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen.
- Zinsberechnung: Banken rechnen oft mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 4-5 Prozent, um potenzielle Zinsanstiege abzudecken.
Warum die Preise weiter steigen
Die Gründer von Immano sind überzeugt, dass sich die Preisentwicklung im Schweizer Immobilienmarkt weiter verstärken wird. Mehrere Faktoren tragen dazu bei. Einer davon ist die begrenzte Landfläche in der Schweiz. Das Angebot an Bauland ist knapp, während die Nachfrage kontinuierlich steigt.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Zuwanderung. Tobias Fringeli erklärt: «Wegen der Migration werden wir bald viel mehr Leute auf gleicher Fläche haben. Besonders gutverdienende Expats werden die Einheimischen vertreiben.» Dies führt zu einer zusätzlichen Verknappung des Wohnraums und treibt die Preise weiter in die Höhe.
Immobilien gelten daher als gute Wertanlagen. Wer es sich leisten kann, investiert in Sachwerte, um dem Wertverlust durch Inflation entgegenzuwirken. Doch genau dieser Mechanismus erschwert es Neueinsteigern, überhaupt erst Fuss zu fassen.
«Wir halten der Gesellschaft den Spiegel vor und zeigen realistisch auf, was die Bedingungen für ein Eigenheim sind.»
Strategien für den Hauskauf: Tipps von Experten
Trotz der schwierigen Lage geben Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli praktische Ratschläge, wie der Traum vom Eigenheim doch noch realisiert werden kann. Ihre Empfehlungen basieren auf ihrer langjährigen Erfahrung in der Immobilien- und Hypothekenberatung.
1. Auslegeordnung machen und Prioritäten setzen
Es ist wichtig, sich vorab ehrlich zu fragen, welche Art von Liegenschaft man sich wirklich leisten kann. Besichtigungen sollten erst vereinbart werden, wenn die Finanzierung grob abgeklärt ist. Das spart Zeit und vermeidet Enttäuschungen. Ein realistischer Blick auf das eigene Budget ist der erste Schritt.
2. Eigenmittel und Reservekapital
Wer nur die minimalen 20 Prozent Eigenmittel einbringt, geht ein hohes Risiko ein. Finanzielle Engpässe nach dem Kauf sind dann wahrscheinlicher. Die Experten raten dazu, lieber eine günstigere Alternative zu wählen und über ausreichend Reservekapital zu verfügen. Dies schützt vor unvorhergesehenen Ausgaben.
Hintergrund: Die Immano-Gründer
Gazmend Ismaili und Tobias Fringeli sind seit Kindertagen befreundet. Nach mehreren Jahren im Bankenumfeld gründeten sie vor zwei Jahren Immano. Ihr Ziel ist es, Kunden als unabhängige Vermittler die besten Hypotheken aus einem Pool von rund 30 Banken zu sichern. In den letzten zwei Jahren haben sie über 130 Eigentümer beim Hauskauf begleitet und Hypotheken im Volumen von über 100 Millionen Franken vermittelt. Ihr Team ist inzwischen auf fünf Mitarbeitende angewachsen.
3. Geld aktiv investieren
Bargeld auf der Bank verliert durch die Inflation an Wert. Die Berater empfehlen, das Geld stattdessen zu investieren. Dies kann in verschiedene Anlageformen geschehen, um das Vermögen zu mehren und langfristig das Eigenkapital für den Hauskauf aufzubauen.
4. Früher kaufen statt lange sparen
Da Immobilienpreise in der Regel schneller steigen als Löhne, kann es sinnvoll sein, ein erstes, günstigeres Objekt zu kaufen, anstatt auf das Traumhaus zu warten. Dieses erste Objekt kann als Hebel für den späteren Kauf des Wunschhauses dienen. Abstriche bei der Grösse oder Lage können sich langfristig auszahlen.
5. Mieten versus Besitzen
Ob Mieten oder Kaufen die bessere Option ist, hängt von der persönlichen Situation ab. Mieten bietet Flexibilität, aber Hypothekarzinsen und Amortisation sind oft gleich hoch wie die Miete. Als Eigentümer profitiert man jedoch von der Wertentwicklung der Liegenschaft. Dies ist ein entscheidender Vorteil in einem steigenden Markt.
6. Hypotheken vergleichen
Ein gründlicher Vergleich von Hypothekenangeboten kann erhebliche Einsparungen bringen. Die Experten schätzen, dass man schnell 25'000 Franken sparen kann, wenn man mehrere Offerten einholt. Unabhängige Beratung kann hierbei helfen, die besten Konditionen zu finden.
7. Den Verkäufer verstehen
Nicht jeder Verkäufer ist nur am maximalen Preis interessiert. Motivation, Zeitdruck oder familiäre Situationen können eine Rolle spielen. Manchmal sind Eigentümer bereit, ihr Haus einer jungen Familie zu einem etwas tieferen Preis zu überlassen. Ein guter Makler kann hier wichtige Informationen liefern.
Die Realität des Baurechts
Angesichts der hohen Preise greifen immer mehr Menschen zum Baurecht. «Leute kaufen vermehrt im Baurecht, weil sie sich nichts anderes leisten können», sagt Tobias Fringeli. Er weist jedoch darauf hin, dass man dabei nicht einmal das Land besitzt. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, die vielen Käufern nicht immer bewusst ist und langfristige Auswirkungen haben kann.
Obwohl ländlichere Regionen bezahlbarer sind, steigen auch dort die Preise. Gazmend Ismaili träumt von einem Haus am Rhein in Basel, das drei Millionen Franken kostet. Er gibt zu, dass er sich das noch nicht leisten kann, aber er hat ein Ziel. Solche Liebhaberobjekte gehen oft ohne öffentliche Ausschreibung weg.
Der Weg zum Eigenheim in der Schweiz bleibt steinig. Doch mit realistischer Planung, umfassender Information und der Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, kann der Traum für manche doch noch Wirklichkeit werden.





