In den Kantonen Basel-Stadt und Zürich werben Immobilienfirmen, darunter Helvetia Immobilien, mit temporären Mietzinsrabatten. Dies geschieht, obwohl in vielen Regionen offiziell Wohnungsnot herrscht und die Leerstandsquote oft unter einem Prozent liegt. Helvetia bietet ein «Winter-Special» an, bei dem Mieter in den ersten sechs Monaten nur 50 Prozent der Nettomiete zahlen.
Wichtige Punkte
- Helvetia Immobilien bietet in Basel und Zürich temporäre Mietzinsrabatte an.
- Mieter zahlen in den ersten sechs Monaten nur die Hälfte der Nettomiete.
- Eine 5-Zimmer-Wohnung in Basel kostet anfangs 1885 Franken, später 3290 Franken.
- Die Rabatte sollen Leerstände füllen und dauerhafte Mietzinssenkungen vermeiden.
- Helvetia zählt mit rund 30'000 Mietwohnungen zu den grössten Anbietern der Schweiz.
Das «Winter-Special» im Detail
Das «Winter-Special» von Helvetia Immobilien ist ein befristetes Angebot. Es zielt darauf ab, die Attraktivität bestimmter Objekte zu steigern. Besonders in den Wintermonaten, wenn Haushalte oft höhere Ausgaben haben, wird ein reduzierter Einstiegsmietzins geschätzt. Dies teilte ein Mediensprecher des Unternehmens mit.
Ein Beispiel dafür ist eine 5-Zimmer-Wohnung am Lindenweg in Basel. Diese liegt nur wenige Tramminuten vom Basler Hauptbahnhof entfernt. Die 143 Quadratmeter grosse Wohnung kostet in den ersten sechs Monaten brutto 1885 Franken. Danach steigt die monatliche Miete inklusive Nebenkosten auf 3290 Franken.
Faktencheck
- Anfangsmiete Basel: 1885 CHF (brutto für 6 Monate)
- Reguläre Miete Basel: 3290 CHF (brutto danach)
- Wohnungsgrösse: 143 Quadratmeter (5 Zimmer)
- Standort: Lindenweg, Basel (nahe Hauptbahnhof)
Wohnungsnot und Leerstände: Ein Widerspruch?
Die Situation wirkt paradox. In vielen Schweizer Kantonen ist die Leerstandsquote auf unter ein Prozent gesunken. Dies deutet auf eine ausgeprägte Wohnungsnot hin. Dennoch stehen Wohnungen leer und werden mit Rabatten beworben. Immobilienexperte Donato Scognamiglio erklärte dazu im Herbst, dass bei leerstehenden Wohnungen oft die Qualität nicht stimmt oder sie schlicht zu teuer sind.
Die betroffene Wohnung im Basler Stadtzentrum wurde zuletzt 1994 saniert. Dies könnte ein Grund für die geringere Nachfrage sein. Auch im Neuhegi-Quartier in Winterthur bietet Helvetia ähnliche Konditionen an. Eine Wohnung kostet dort im ersten Halbjahr 1500 Franken brutto, danach 2750 Franken. Obwohl gut an den öffentlichen Verkehr angebunden, liegt Neuhegi weit vom Stadtzentrum entfernt. Potenzielle Mieter erwarten hier ein finanziell attraktives Angebot.
"Steht auf dem aktuellen Wohnungsmarkt eine Wohnung leer, stimmt die Qualität nicht oder sie ist schlicht zu teuer."
Strategie hinter den Rabatten
Immobilienfirmen versuchen mit solchen Lockangeboten, Mieter für ihre leerstehenden Objekte zu finden. Sie wollen dauerhafte Mietzinssenkungen verhindern. Eine Reduktion der Miete würde die Ertragskraft der Immobilie mindern. Diese Ertragskraft ist jedoch ein zentrales Kriterium für den Marktwert von Renditeliegenschaften. Daher greifen Unternehmen lieber zu temporären Anreizen wie finanziellen Umzugshilfen oder einem Gratismonat.
Helvetia Baloise, eine frisch fusionierte Versicherung, besitzt rund 30'000 Mietwohnungen. Damit gehört sie zu den grössten Akteuren auf dem Schweizer Immobilienmarkt. Die "Winter-Specials" sind ein Instrument, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und Anreize zu schaffen, ohne den langfristigen Mietzins zu beeinflussen. Helvetia betont, dass man sich grundsätzlich an marktüblichen Mieten orientiere und ein vielfältiges Portfolio in unterschiedlichen Preis- und Grössenklassen anbiete.
Hintergrundinformationen
Die Schweizer Immobilienbranche steht vor der Herausforderung, den knappen Wohnraum in Ballungszentren mit hohen Mietpreisen in Einklang zu bringen. Temporäre Mietzinsrabatte sind eine Möglichkeit für Vermieter, Leerstände zu reduzieren, ohne den Marktwert ihrer Immobilien langfristig zu beeinträchtigen. Dies ist besonders relevant für grosse institutionelle Anleger wie Versicherungen, deren Immobilienportfolios einen erheblichen Teil ihrer Kapitalanlagen ausmachen.
Andere Anbieter setzen ebenfalls auf Anreize
Helvetia ist nicht der einzige Anbieter, der auf solche Strategien setzt. Auch andere Immobilienverwaltungen locken mit Rabatten. In Neuhausen am Rheinfall, Langnau im Emmental, Oftringen, Grenchen, Gossau und Biberist sind derzeit ähnliche Angebote zu finden. Selbst in Basel werben diverse Wohnungen mit Anreizen.
Livit preist beispielsweise mehrere 1-Zimmer-Wohnungen in Berikon AG mit einem "Winterspecial" an, das einen mietzinsfreien Monat verspricht. Privera erlässt neuen Bewohnern nach einer Teilsanierung eines Wohnblocks in der Basler Altstadt die erste Monatsmiete. Dies zeigt, dass die Strategie der temporären Mietzinsrabatte ein verbreitetes Vorgehen im aktuellen Immobilienmarkt ist.
Beispiele für Mietzins-Angebote
- Helvetia: "Winter-Special" (50% Nettomiete für 6 Monate) in Basel und Winterthur.
- Livit: "Winterspecial" (1 mietzinsfreier Monat) in Berikon AG für 1-Zimmer-Wohnungen.
- Privera: Erlass der ersten Monatsmiete nach Teilsanierung in Basler Altstadt.
- Weitere Anbieter: Gratismonate in Neuhausen am Rheinfall, Langnau im Emmental und anderen Regionen.
Sollte eine Wohnung trotz solcher "Monster-Rabatte" wie dem "Winter-Special" leer bleiben, werde die Mietzinsstrategie überprüft. Dies geschehe als Teil der Ursachenforschung. Gegebenenfalls werden dann Mietzinsanpassungen vorgenommen, wo dies sinnvoll erscheint, so Helvetia.





