Das Benediktinerkloster Mariastein, ein bedeutender Pilgerort in der Schweiz, steht vor einer Herausforderung in seiner Wallfahrtsseelsorge. Aufgrund altersbedingter Ausfälle bei den Patres sucht Abt Ludwig Ziegerer nun aktiv nach Priestern, die temporär im Kloster mitarbeiten möchten. Diese Initiative soll sicherstellen, dass Pilger weiterhin spirituelle Begleitung erhalten können.
Wichtige Punkte
- Kloster Mariastein benötigt Unterstützung in der Wallfahrtsseelsorge.
- Ältere Patres fallen krankheitsbedingt vermehrt aus.
- Abt Ludwig Ziegerer sucht Priester für temporäre Einsätze (1-3 Monate).
- Gastpriester erhalten Kost und Logis und übernehmen liturgische sowie pastorale Dienste.
- Ziel ist, keine Pilgeranfragen mehr ablehnen zu müssen.
Engpässe in der Pilgerbetreuung
Das Kloster Mariastein ist bekannt als Anlaufstelle für Pilger aus der ganzen Region. Viele Menschen suchen hier spontan Rat, Beichte oder Segen. Bisher haben mehrere ältere Patres diese wichtigen Dienste übernommen. Doch in den letzten Monaten kam es vermehrt zu Ausfällen. Krankheit und Gebrechlichkeit sind die Hauptgründe dafür. Diese Patres waren eine enorme Stütze für das Kloster, da sie flexibel auf die Bedürfnisse der Pilger eingehen konnten.
Abt Ludwig Ziegerer betont die Bedeutung dieser Seelsorge: «Mir ist es wichtig, dass Menschen, die zu uns kommen, auch jemandem begegnen können.» Die sinkende Verfügbarkeit der Patres führt jedoch zu spürbaren Engpässen. Bereits mussten Anfragen von Gläubigen abgewiesen werden, weil kein Pater zur Verfügung stand. Dies möchte der Abt in Zukunft unbedingt vermeiden.
Kloster Mariastein in Zahlen
- Aktuell leben zwölf Mönche im Kloster.
- Der jüngste Mönch ist 45 Jahre alt.
- Vier Patres, die bisher die Wallfahrtsseelsorge prägten, sind ausgefallen.
- Anfragen für Seelsorgegespräche oder Segnungen liegen bei zwei bis drei pro Tag.
- An Wochenenden und Feiertagen können es fünf bis zehn Anfragen sein.
Kreative Lösung: Das Stelleninserat
Um die Situation zu entschärfen, hat Abt Ziegerer eine unkonventionelle Methode gewählt: Er veröffentlichte ein Stelleninserat auf der Kloster-Website. Gesucht werden Priester, die eine Auszeit suchen und bereit sind, kleinere Dienste im Kloster zu übernehmen. Das Angebot richtet sich an Geistliche, die eine Phase der Erholung und spirituellen Vertiefung wünschen, aber gleichzeitig einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten möchten.
Die Ausschreibung verspricht «viel Zeit für Studium, Gebet und Meditation, Spaziergänge, Sport etc.» Im Gegenzug wird um Unterstützung bei liturgischen und pastoralen Diensten gebeten. Dazu gehören Messfeiern, Segnungen, Seelsorge- und Beichtgespräche sowie andere kleine Aufgaben. Dieses Modell soll eine win-win-Situation schaffen: Erholung für die Gastpriester und Entlastung für das Kloster.
«Ich möchte niemanden wegschicken müssen, der einen Segen oder ein Seelsorgegespräch möchte.»
Abt Ludwig Ziegerer
Leben und Wirken als Gastpriester
Die Gastpriester sollen für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten im Kloster Mariastein leben. Sie erhalten während ihres Aufenthalts freie Kost und Logis. Ihre Hauptaufgabe in der Wallfahrtsseelsorge besteht darin, an drei bis vier Tagen pro Woche für den Bereitschaftsdienst zur Verfügung zu stehen. Das bedeutet, sie werden gerufen, wenn Gläubige an der Pforte um ein Gespräch oder einen Segen bitten.
Der Abt betont, dass die Einsätze nicht übermässig anspruchsvoll sind. Pro Tag fallen im Durchschnitt zwei bis drei Einsätze an. An besonders belebten Tagen, wie Wochenenden oder Feiertagen, kann die Zahl auf fünf bis zehn Anfragen steigen. Dennoch soll der Fokus für die Gastpriester auf der Erholung liegen. Die Arbeit ist als Ergänzung und Unterstützung gedacht, nicht als volle Arbeitsbelastung.
Hintergrund der Benediktinerklöster
Benediktinerklöster sind seit Jahrhunderten Zentren des Gebets, der Arbeit und der Gastfreundschaft. Ihr Wahlspruch «Ora et labora» (Bete und arbeite) prägt das klösterliche Leben. Die Mönche widmen sich der Liturgie, der intellektuellen Arbeit und oft auch der Seelsorge und Bildung. Die Aufnahme von Gästen und Pilgern hat in der benediktinischen Tradition einen hohen Stellenwert. Der aktuelle Bedarf an Gastpriestern spiegelt die demografischen Herausforderungen wider, denen viele religiöse Gemeinschaften heute gegenüberstehen.
Erste positive Erfahrungen
Bereits im Sommer konnte das Kloster Mariastein erste Erfahrungen mit diesem Modell sammeln. Zwei Priester verbrachten temporär Zeit im Kloster und unterstützten die Gemeinschaft. Abt Ziegerer zieht ein positives Fazit: «Wir haben gute Erfahrungen gemacht.» Dies bestärkt ihn in seinem Ansatz, diesen Weg weiterzuverfolgen und die Wallfahrtsseelsorge durch externe Unterstützung zu sichern.
Interessierte Priester können sich direkt über die Website des Klosters oder bei Prior Armin Russi melden. Die Initiative zeigt, wie traditionelle Institutionen auf moderne Herausforderungen reagieren und kreative Lösungen finden, um ihre Kernaufgaben weiterhin erfüllen zu können. Das Engagement soll sicherstellen, dass Mariastein auch zukünftig ein Ort der Begegnung und des spirituellen Trostes für Pilger bleibt.





