Die Römisch-katholische Kirche Basel-Stadt hat eine Reihe neuer Präventionsmassnahmen eingeführt, um Missbrauchsfälle zu verhindern. Verantwortliche betonten bei einer Medienkonferenz, dass es ein Nullrisiko niemals geben werde, aber alle Anstrengungen unternommen werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Diese Initiativen sind eine direkte Reaktion auf die Vorstudie zu Missbrauchsfällen in der Schweizer Katholischen Kirche, die 2023 veröffentlicht wurde.
Wichtige Punkte
- Neue Präventionsmassnahmen zur Verhinderung von Missbrauchsfällen.
- Fokus auf transparente Personalauswahl und psychologische Eignungsabklärungen.
- Kulturwandel innerhalb der Kirche mit klaren Regeln für Nähe und Macht.
- Enge Zusammenarbeit mit der Opferhilfe beider Basel.
- Obligatorische Weiterbildungskurse für Mitarbeitende.
Transparenz bei der Personalauswahl
Ein zentraler Ansatzpunkt der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt liegt in der Verbesserung der Personalauswahl. Der Fall eines Pfarrers in Riehen im Jahr 2019, der trotz einer früheren Verurteilung wegen sexuellen Übergriffs beinahe eingestellt worden wäre, zeigte die damaligen Informationslücken auf. Das Bistum Basel, welches die Kandidaten für Stellen vorschlägt, muss nun umfassender und transparenter informieren.
Kirchenratspräsident Christian Griss hob die Bedeutung dieser Massnahme hervor. Er erklärte, dass das Bistum nicht mehr Informationen über einen Kandidaten haben dürfe als die Anstellungsbehörde selbst. Dies sei eine Frage des Vertrauens und der Verantwortung. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass sich ein solcher Vorfall wie in Riehen nicht wiederholen kann.
Faktencheck
- Der Fall Riehen von 2019 war ein Auslöser für die verstärkten Präventionsmassnahmen.
- Die Vorstudie zu Missbrauchsfällen in der Schweizer Katholischen Kirche wurde 2023 veröffentlicht.
- Die Ergebnisse der Hauptstudie werden für das Jahr 2027 erwartet.
Psychologische Eignungsabklärungen für Seelsorger
Eine weitere wichtige Neuerung ist die Einführung schweizweiter Eignungsabklärungen zu Beginn der Ausbildung zum Seelsorger oder Priester. Diese Abklärungen gehen über reine Gespräche hinaus und beinhalten psychologische Prüfungen. Anne Burgmer, Kommunikationsverantwortliche der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, betonte, dass es sich nicht um «Wohlfühlgespräche» handelt, sondern um fundierte psychologische Bewertungen.
Sarah Biotti, Co-Leiterin des Pastoralraums Basel-Stadt, versicherte, dass bei allen Stellenbesetzungen «genau hingeschaut» wird. Dies unterstreicht das Engagement der Kantonalkirche, nur geeignetes Personal einzustellen, das den hohen ethischen Anforderungen gerecht wird.
Kulturwandel und klare Regeln für Nähe und Macht
Anouk Battefeld, Präventionsbeauftragte der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, sprach von einem tiefgreifenden Kulturwandel innerhalb der Institution. Es gehe nicht nur um eine veränderte subjektive Wahrnehmung, sondern auch um die Schaffung eines klaren rechtlichen Rahmens. Sie betonte:
«Nulltoleranz ist bei uns nicht nur eine Haltung.»
Besonders im Umgang mit Nähe und Macht seien eindeutige Regeln unerlässlich. Ein Beispiel für die Detailtiefe der Präventionsarbeit ist die Diskussion über Begrüssungsrituale. Allein anderthalb Stunden wurden dafür aufgewendet, mögliche Situationen zu besprechen, die als unangenehm empfunden werden könnten.
Hintergrund der Massnahmen
Die Einführung der Präventionsmassnahmen ist eine direkte Reaktion auf die Erkenntnisse der 2023 veröffentlichten Vorstudie zu Missbrauchsfällen in der Römisch-katholischen Kirche in der Schweiz. Diese Studie beleuchtete das Ausmass und die Mechanismen von Missbrauch seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Obwohl das Ausmass im Stadtkanton Basel-Stadt aufgrund fehlender katholischer Schulen, Heime und Klöster geringer ausfiel als in anderen Regionen, besteht dennoch Handlungsbedarf.
Einordnungsraster für Grenzverletzungen und Weiterbildung
Anouk Battefeld hat für die Kantonalkirche ein detailliertes Einordnungsraster für Grenzverletzungen entwickelt. Dieses reicht von alltäglichem Verhalten bis hin zu strafbaren Offizialdelikten. Es dient den Mitarbeitenden als Orientierungshilfe, um angemessenes und unangemessenes Verhalten klar zu definieren und zu erkennen.
Im Rahmen der Präventionsmassnahmen sind alle Mitarbeitenden verpflichtet, regelmässig Weiterbildungskurse zu besuchen. Diese Kurse sollen das Bewusstsein schärfen und die Fähigkeit vermitteln, Grenzverletzungen frühzeitig zu erkennen und richtig darauf zu reagieren. Die enge Zusammenarbeit mit der Opferhilfe beider Basel ist dabei ein wichtiger Pfeiler der Aufarbeitung und Prävention.
«Es fühlt sich an, als würde es sich immer mehr in die DNA einprägen.» – Sarah Biotti, Co-Leiterin Pastoralraum Basel-Stadt.
Kirchenratspräsident Christian Griss zeigte sich überzeugt, dass die Kantonalkirche Basel-Stadt auf einem guten Weg ist. Trotz aller Bemühungen und Massnahmen wies Kommunikationsleiterin Anne Burgmer darauf hin, dass ein Fehlverhalten nie vollständig ausgeschlossen werden kann. Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten sei es jedoch, Missbrauch keine Chance zu geben.
Regionale Unterschiede bei Missbrauchsfällen
Christian Griss erwähnte, dass die Region Basel im Vergleich zu anderen Gebieten weniger Missbrauchsfälle verzeichnete. Dies liegt vor allem an der geringeren Anzahl katholischer Schulen, Heime und Klöster im Stadtkanton. Dennoch gab es auch in Basel Missbrauchsfälle, was die Notwendigkeit der nun eingeführten Massnahmen unterstreicht.
Die Präventionsarbeit der Römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt ist ein fortlaufender Prozess. Sie umfasst nicht nur die Einführung neuer Regeln und Strukturen, sondern auch einen Wandel in der Kultur und im Bewusstsein aller Beteiligten. Das Ziel ist eine sichere Umgebung für alle Menschen innerhalb der kirchlichen Institution.





