Nach einem Vierteljahrhundert engagierter Berichterstattung verabschiedet sich Tilmann Zuber, der prägende Redaktionsleiter des «Kirchenboten», in den Ruhestand. Zuber hat den reformierten Kirchenjournalismus massgeblich mitgestaltet und sich stets für Meinungsvielfalt eingesetzt. Sein Abschied markiert das Ende einer Ära, die von fachlicher Kompetenz und einer unermüdlichen Suche nach neuen Perspektiven geprägt war.
Wichtige Punkte
- Tilmann Zuber geht nach 25 Jahren beim «Kirchenboten» in Pension.
- Er hat den Kirchenjournalismus professionalisiert und modernisiert.
- Zuber plädiert für die Wichtigkeit kirchlicher Medien in einer säkularen Gesellschaft.
- Er wird weiterhin als freier Journalist und Dozent tätig sein.
Ein Vierteljahrhundert im Dienst des Kirchenjournalismus
Tilmann Zuber hat die Schweizer Kirchenpublizistik über 25 Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt. Seine Artikel im «Kirchenboten» waren bekannt für ihre Pointiertheit und ihr tiefes Fachwissen. Doch Zubers Weg in den Journalismus war nicht von Anfang an klar. Ursprünglich strebte er eine Karriere als Pfarrer an. Er absolvierte sein Vikariat in Wallisellen (ZH) nach dem Theologiestudium.
Die Arbeit als Pfarrer stellte ihn jedoch vor eine persönliche Herausforderung. Zuber empfand, dass ihm die nötige Lebenserfahrung fehlte, um deutlich ältere Gemeindemitglieder umfassend zu begleiten. Diese Erkenntnis führte ihn zu seiner zweiten grossen Leidenschaft: dem Schreiben. Schon während seines Studiums sammelte er erste journalistische Erfahrungen. Er arbeitete für die «Neuen Zürcher Nachrichten», wo er Filmkritiken verfasste und gelegentlich über kirchliche Themen berichtete.
Wussten Sie schon?
Tilmann Zubers erster Artikel über eine Freikirche führte direkt zu einer Beschwerde des dortigen Predigers. Dies zeigt, dass seine Berichterstattung schon früh Reaktionen hervorrief.
Von «wilden» Anfängen zur Professionalisierung
Beim Zürcher «Kirchenboten» fand Tilmann Zuber schliesslich seine berufliche Heimat. Er erkannte schnell, dass der Kirchenjournalismus weitaus vielfältiger war, als er zunächst angenommen hatte. Die Bandbreite der Themen und die unterschiedlichen Menschen innerhalb der Kirchen faszinieren ihn bis heute. Ein Besuch in einer Freikirche wie ICF sei eine völlig andere Welt als ein Gottesdienst im Basler Münster, betont Zuber. Diese Vielfalt spiegelte sich in seiner Arbeit wider.
Die Anfangsjahre seiner Karriere beschreibt Zuber als «wild». Themen, die heute in der reformierten Kirche weitgehend akzeptiert sind, wie etwa Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, sorgten damals noch für hitzige Debatten. Die Kirchenpublizistik selbst hat sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Was einst eher «handgestrickt» wirkte, ist heute professionalisiert. Dies zeigt sich in der Qualität der Texte, der Bilder und der Themenwahl.
«Wir Reformierten hängen immer noch ein wenig am Buchdruck fest. Unsere Präsenz in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken ist sicher noch ausbaufähig.»
Herausforderungen im digitalen Zeitalter
Trotz der Professionalisierung steht der Kirchenjournalismus vor neuen Herausforderungen. Die Digitalisierung und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz sind dabei zentrale Themen. Zuber sieht hier noch Nachholbedarf. Er betont, dass die Präsenz der reformierten Kirche in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken ausgebaut werden muss. Dies ist entscheidend, um auch jüngere Generationen zu erreichen und relevant zu bleiben.
Die Sparmassnahmen in vielen Schweizer Medienhäusern treffen auch die Religionsberichterstattung. Kirchliche Publikationen geraten zunehmend unter Druck. Zuber sieht darin einen falschen Weg. Er argumentiert, dass die reformierten Kirchen in den weltlichen Medien kaum noch vorkommen. Daher sei es umso wichtiger, dass ihre Stimme in den kirchlichen Publikationen erhalten bleibe.
Hintergrund: Bedeutung kirchlicher Medien
Kirchliche Publikationen wie «reformiert.», ref.ch, das Magazin «bref» oder der «Interkantonale Kirchenbote» spielen eine wichtige Rolle im Austausch zwischen Kirche und Gesellschaft. Sie dienen als Brückenfunktion, besonders für Kirchenmitglieder, die den Gottesdienst selten besuchen. Für viele ist die Mitgliederzeitung der einzige regelmässige Kontaktpunkt zur Kirche.
Ein Vorkämpfer für Meinungsvielfalt und neue Perspektiven
Tilmann Zuber war bekannt dafür, ein guter Erzähler und ein aufmerksamer Zuhörer zu sein. Polemik lag ihm fern. Stattdessen setzte er auf echte Neugier und den Wunsch, überraschende Perspektiven aufzuzeigen. Im «Kirchenboten» kamen so über die Jahre hinweg unterschiedlichste Persönlichkeiten zu Wort, darunter Pfarrer Ernst Sieber, Joachim Gauck, Christoph Blocher und Dorothee Sölle.
Sein Ziel war es, die Leserinnen und Leser nicht in ihrer Weltsicht zu bestätigen, sondern zum Nachdenken anzuregen. «Mein Ziel war erreicht, wenn sie sagten: Okay, so kann man es auch sehen», erklärt Zuber. Dem häufigen Vorwurf eines «Linksdralls» in Kirchenzeitungen begegnete er gelassen. Er betonte, dass die Botschaft des Christentums 2000 Jahre älter sei als jedes Links-Rechts-Schema.
Nach 25 Jahren beim «Kirchenboten» blickt Tilmann Zuber auf eine erfüllte Laufbahn zurück. Doch der Ruhestand bedeutet für ihn keineswegs Untätigkeit. Gemeinsam mit seiner Frau hat er einen VW-California-Campingbus erworben und plant ausgedehnte Reisen. Auch seine Leidenschaften für Kunst, Kultur und Theologie möchte er weiter pflegen.
Dem Medienbereich bleibt er ebenfalls verbunden. Zuber wird weiterhin als freier Journalist tätig sein und im Herbst einen Lehrauftrag an der Universität Basel zum Thema «Christentum und Kommunikationskultur» übernehmen. Nach einem Vierteljahrhundert im Kirchenjournalismus bringt er dafür eine Fülle an Wissen und Erfahrung mit.
- Digitale Präsenz: Kirchenmedien müssen ihre Online-Angebote weiter ausbauen.
- Brückenfunktion: Mitgliederzeitungen bleiben ein wichtiger Kontaktpunkt für Kirchenferne.
- Vielfalt fördern: Der Journalismus soll unterschiedliche Meinungen und Perspektiven abbilden.





