Die Universität Basel feiert einen wichtigen Erfolg in der Forschung: Vier ihrer Wissenschaftler haben begehrte ERC Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrates erhalten. Diese hochdotierten Förderungen, die jeweils rund zwei Millionen Euro über fünf Jahre umfassen, ermöglichen den Forschenden, wegweisende Projekte in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Gedächtnisforschung, Genregulation und Gentherapien gegen Blindheit voranzutreiben.
Wichtigste Erkenntnisse
- Vier Basler Forschende erhalten jeweils rund 2 Millionen Euro.
- Die Projekte decken KI, Gedächtnis, Genetik und Gentherapie ab.
- Schweizer Forschende konnten sich erstmals seit Jahren wieder bewerben.
- Nur 349 von 3121 Anträgen waren europaweit erfolgreich.
Spitzenforschung in Basel: Ein Wettbewerb auf höchstem Niveau
Die Vergabe der ERC Consolidator Grants ist ein europaweiter Wettbewerb. Dieses Jahr haben sich 3121 Forschende beworben. Nur 349 Anträge erhielten letztlich eine Zusage. Die Universität Basel hat dabei mit vier erfolgreichen Projekten eine beeindruckende Quote erzielt. Diese Grants gehören zu den renommiertesten Forschungsförderungen Europas und bestätigen die Exzellenz der Basler Wissenschaft.
Faktencheck
- Förderhöhe: Jeweils ca. 2 Millionen Euro
- Laufzeit: 5 Jahre
- Bewerber europaweit: 3121
- Erfolgreiche Anträge: 349
Die Grants ermöglichen den Wissenschaftlern, ihre Forschungsgruppen zu erweitern, langfristige Projekte zu verfolgen und internationale Kooperationen zu pflegen. Dies stärkt den Forschungsstandort Basel und die Schweiz insgesamt. Nach einer mehrjährigen Pause stand die Ausschreibung für die ERC Consolidator Grants ab 2025 auch Forschenden in der Schweiz wieder offen. Die Rückkehr der Schweiz in dieses Förderprogramm ist ein wichtiger Schritt für die nationale Wissenschaftslandschaft.
KI-Modelle besser verstehen: Ivan Dokmanićs Ansatz
Prof. Dr. Ivan Dokmanić vom Departement Mathematik und Informatik widmet sich der Transparenz von Künstlicher Intelligenz. Während mathematische Modelle komplex sind, sind KI-Modelle, die auf riesigen Datenmengen basieren, oft undurchsichtig. Sie liefern zwar gute Ergebnisse, aber der Grund für ihre Funktion und ihre Grenzen bleiben oft unklar.
„Unser Ziel ist es, neue KI-Bausteine zu entwickeln, die KI für die Forschung effizienter, stabiler und besser interpretierbar machen“, erklärt Prof. Dokmanić.
Sein Team wird an neuen Methoden arbeiten, um die Nachvollziehbarkeit von KI zu verbessern. Diese sollen dann in der Biobildgebung eingesetzt werden, um Zellen mit nahezu atomarer Auflösung sichtbar zu machen. Auch in den Geowissenschaften sollen die Modelle das Verständnis von Erdbeben verbessern. Die Forschung verspricht, KI zu einem noch mächtigeren Werkzeug für wissenschaftliche Entdeckungen zu machen.
Erinnerungen: Flexibel oder stabil speichern
Prof. Dr. Flavio Donato vom Biozentrum der Universität Basel erforscht, wie unser Gehirn Erinnerungen speichert. Manche Fakten, wie die Hitze von Feuer, bleiben stabil. Andere Informationen, wie ein neuer Weg zur Arbeit, müssen flexibel anpassbar sein. Das Gehirn muss also zwischen stabilen und flexiblen Erinnerungen unterscheiden können.
Hintergrund: Der Hippocampus
Der Hippocampus ist eine zentrale Hirnregion, die für die Bildung und Speicherung von Erinnerungen entscheidend ist. Seine Funktionen sind eng mit Lernprozessen und der räumlichen Orientierung verbunden.
Donato und sein Team haben zwei wichtige Nervenzelltypen im Hippocampus entdeckt. Ein Typ entsteht früh in der Embryonalentwicklung und schützt Erinnerungen vor leichtem Überschreiben. Der andere Typ entwickelt sich später und ermöglicht die Veränderbarkeit von Erinnerungen. Die Forschenden werden an Ratten und Mäusen untersuchen, wie diese Nervenzellen zusammenwirken. Ihre Erkenntnisse könnten das Verständnis von Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Lernstörungen verbessern.
Geschlechtsunterschiede und Genregulation
Prof. Dr. Claudia Keller Valsecchi, ebenfalls vom Biozentrum, widmet sich der Evolution von Geschlechtschromosomen und der Genregulation. Geschlechtschromosomen sind dynamisch und sind in der Evolution hunderte Male unabhängig voneinander entstanden. Da sie in unterschiedlicher Kopienzahl vorliegen, müssen Organismen die Genexpression ausgleichen.
Dieser Prozess, bekannt als Dosiskompensation, ist entscheidend. Bei Frauen liegen Gene auf dem X-Chromosom in zwei Kopien vor, bei Männern nur in einer. Die Dosiskompensation stellt sicher, dass trotzdem gleich viel Genprodukt entsteht. Dies basiert auf chemischen Modifikationen und der Verpackung der DNA im Chromatin.
- Forschungsschwerpunkt: Evolution der Dosiskompensation
- Untersuchte Arten: Malariamücken und weitere Tierarten
- Potenzielle Erkenntnisse: Neue Einblicke in geschlechtsspezifische Genregulationsmechanismen
Keller Valsecchis Projekt beleuchtet die Entstehung und den Erhalt dieser Mechanismen im Tierreich. Das Team untersucht, wie neue, artspezifische Lösungen entstehen. Die Forschung an beiden Geschlechtern verschiedener Tierarten verspricht neue Einblicke in geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Genregulation.
Neue Therapien gegen Blindheit
Prof. Dr. Bence György vom Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB) konzentriert sich auf die Entwicklung von Gentherapien gegen Blindheit. Der Verlust des Sehvermögens, oft genetisch bedingt wie bei der Makuladegeneration, ist ein schwerwiegendes Problem ohne Heilung.
György und sein Team entwickeln Gentherapien, die das Sehvermögen wiederherstellen oder den Verlust verhindern sollen. Sein ERC-Projekt nutzt die hochpräzise Baseneditierung, eine Genomeditierungsmethode, um Gensequenzen in lebenden Zellen umzuschreiben und Defekte zu korrigieren. Ein Hauptziel ist es, Gene in der Netzhaut von Patienten zielgenau und ohne Nebenwirkungen zu modifizieren.
Ziele der Gentherapie
- Präzise Genomeditierung in der Netzhaut
- Behandlung häufiger Mutationen bei Makuladegeneration
- Entwicklung einer Therapie gegen Hornhautblindheit
Der Fokus liegt auf häufigen Mutationen, die mit Makuladegeneration in Verbindung stehen. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung einer Behandlung für Hornhautblindheit. Diese Forschung könnte in Zukunft vielen Menschen helfen, ihr Augenlicht zu bewahren oder wiederzuerlangen.





