Bei einem Fussballspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich im Basler St. Jakob-Park kam es am Sonntag zu einem antisemitischen Vorfall. Eine Gruppe jüdischer Fans wurde nach eigenen Angaben von anderen Zuschauern bedroht. Die Aggressoren sollen den Hitlergruss gezeigt und Morddrohungen ausgesprochen haben.
Wichtige Punkte
- Jüdische Fans wurden während des Spiels FC Basel gegen FC Zürich bedroht.
- Vier Personen zeigten den Hitlergruss und riefen Morddrohungen.
- Die betroffenen Fans erhielten nach eigenen Angaben keine Hilfe vom Sicherheitspersonal.
- Der FC Basel bedauert den Vorfall und prüft Videoaufnahmen zur Aufklärung.
Bedrohung im neutralen Sektor
Der Vorfall ereignete sich im neutralen Sektor des St. Jakob-Parks. Dort saßen sowohl Anhänger des FC Basel als auch des FC Zürich. Eine Gruppe von acht jüdischen Fans, darunter sowohl Männer mit Kippas als auch Frauen mit langen Röcken, wurde zum Ziel der Aggression. Die Täter erkannten die Opfer offenbar an ihrer Kleidung.
Noah*, einer der betroffenen Fans, schilderte die dramatischen Szenen. Bereits wenige Minuten nach Anpfiff des Spiels sei seine Gruppe aggressiv bedroht worden. Vier Personen zeigten demnach den Hitlergruss und riefen: «Wir bringen euch um.»
Faktencheck
- Ort des Vorfalls: St. Jakob-Park, Basel, im neutralen Sektor.
- Anzahl der Opfer: Acht jüdische Fans, darunter Männer mit Kippas und Frauen mit langen Röcken.
- Art der Bedrohung: Zeigen des Hitlergrusses und verbale Morddrohungen.
Keine Hilfe vom Sicherheitspersonal
Nach den ersten Drohungen suchte Noah umgehend das Sicherheitspersonal des Stadions auf. Er berichtete den Sicherheitskräften von den Vorfällen und bat um Hilfe für seine Gruppe. Doch die Reaktion war enttäuschend.
Noah erklärte, dass das Sicherheitspersonal keine Massnahmen ergriff. «Ich bin zum Sicherheitspersonal gelaufen, um Hilfe zu holen, aber sie haben nichts unternommen.» Er vermutet, dass die Sicherheitskräfte zu sehr damit beschäftigt waren, andere Auseinandersetzungen zwischen Fans zu verhindern.
«Die vier Männer haben uns den Hitlergruss gezeigt und gerufen, dass sie uns umbringen würden.»
Auswirkungen auf die Betroffenen
Der Vorfall hat bei den Opfern tiefe Spuren hinterlassen. Eine Kollegin von Noah konnte nach dem Erlebnis kaum schlafen. Sie entschied sich, das folgende Spiel des FCZ nicht zu besuchen. Auch Noah selbst fühlt sich verunsichert.
Er plant, seine Kippa bei zukünftigen Stadionbesuchen zu bedecken. Die Tatsache, dass die Täter im Bereich der FCZ-Fans sassen, beunruhigt ihn als FCZ-Fan zusätzlich. Er befürchtet, den Aggressoren erneut zu begegnen.
Hintergrund: Fussballbilanz Basel-Stadt 2025
Erst kürzlich veröffentlichte die Kantonspolizei Basel-Stadt die Fussballbilanz für das Jahr 2025. Diese beschreibt das Jahr als ähnlich ruhig wie das Vorjahr. Die Anzahl der ausgesprochenen Rayon- und Stadionverbote blieb niedrig. Die Sicherheitskosten pro Heimspiel des FC Basel 1893 stiegen leicht an, während der Aufwand bei den Super-League-Partien sogar leicht sank. Der aktuelle Vorfall steht im Kontrast zu dieser positiven Bilanz.
Reaktion der Vereine und des Gemeindebunds
Der FC Basel hat auf den Vorfall reagiert. FCB-Sprecher Remo Meister bestätigte, dass der Klub die betroffene Person kontaktiert und sein Bedauern ausgedrückt hat. Der FCB verweist auf seine Stadionordnung, die rassistische und ehrverletzende Parolen verbietet.
Um den Vorfall aufzuklären, wird der FCB mit seinem externen Sicherheitspartner sprechen und die Videoaufnahmen des Spiels sichten. «Sollte es Bilder geben, die zur Klärung des Vorfalls beitragen können, würden wir diese den zuständigen Behörden für die Weiterbearbeitung zur Verfügung stellen», so Meister. Für strafrechtliche Konsequenzen ist jedoch eine Anzeige durch die Betroffenen notwendig.
Dem FC Zürich war der antisemitische Vorfall nach eigener Aussage zunächst nicht bekannt.
Strafrechtliche Relevanz
Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), bewertet die Gesten und Drohungen als strafrechtlich relevant. Er betont, dass dies keine gewöhnliche Fanprovokation sei. «Insbesondere das Zeigen des Hitlergrusses und das Aussprechen einer Morddrohung ist nicht nur inakzeptabel.»
Kreutner warnt davor, solche Vorfälle zu verharmlosen. Obwohl es sich mutmasslich um Einzeltäter handelt und solche Ereignisse selten sind, müssen sie ernst genommen werden. Fussballstadien sind öffentliche Räume mit grosser Symbolkraft. Antisemitische Gesten dürfen dort nicht als Fussballfolklore abgetan werden.
- FC Basel: Bedauert Vorfall, sichtet Videoaufnahmen, kontaktiert betroffene Person.
- FC Zürich: War Vorfall zunächst nicht bekannt.
- SIG: Bewertet Drohungen als strafrechtlich relevant, fordert ernsthafte Aufarbeitung.
Dieser Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit, wachsam gegenüber Diskriminierung und Hass im Sport zu bleiben. Die Aufklärung und Konsequenzen sind entscheidend, um die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Stadionbesucher zu gewährleisten.
*Name der Redaktion bekannt





