Ein Basler Barbershop wird zu einem ungewöhnlichen Treffpunkt für Männer, um über Rollenbilder, Gefühle und sogar Gewaltprävention zu sprechen. Im Rahmen der Aktionswoche «Halt Gewalt» bietet der Salon Hinz & Kunst Haarkultur Basel sogenannte «Barbertalks – s Mässer am Hals» an. Ausgebildete Gewaltberater stehen den Kunden im Wartebereich für vertrauliche Gespräche zur Verfügung, völlig freiwillig und ohne Zwang.
Wichtige Punkte
- Barbershop Hinz & Kunst bietet «Barbertalks» zur Gewaltprävention an.
- Gespräche finden im Wartebereich statt, sind freiwillig und vertraulich.
- Fokus liegt auf Rollenbildern, Gefühlen und männlichem Verhalten, nicht nur auf Gewalt.
- Die Aktion ist Teil der Basler Aktionswoche «Halt Gewalt».
- Das Konzept ist in der Schweiz neu, international gibt es ähnliche Initiativen.
Vertrauen im Coiffeursalon
Thomas Hinz, der Inhaber von Hinz & Kunst Haarkultur, schneidet seit drei Jahrzehnten Haare und Bärte. Er weiss aus Erfahrung, dass sein Salon ein Ort des Vertrauens ist. Viele Stammkunden öffnen sich über die Jahre und teilen persönliche Erlebnisse. Diese besondere Atmosphäre möchte Hinz nun gezielt nutzen, um Männern eine Plattform für wichtige Gespräche zu bieten.
Hinz betont, dass seine Kunden oft mit belastenden Erfahrungen zu kämpfen haben. Es gehe darum, zuzuhören – als Gesellschaft, aber eben auch im scheinbar alltäglichen Rahmen eines Coiffeursalons. Obwohl Kunden nicht explizit über Gewalt sprechen, entwickelt sich mit der Zeit ein Gespür für den Subtext, der in Blicken oder Andeutungen liegen kann.
Faktencheck
- 60 Franken: Kosten für einen Haarschnitt bei Hinz & Kunst.
- 100 Franken: Preis für Haarschnitt mit Bartpflege.
- Die Kundschaft ist kulturell und sozial sehr durchmischt.
Ein offenes Gesprächsformat
Die «Barbertalks» sind ein bewusst niedrigschwelliges Angebot. Sie finden einmalig an einem Nachmittag Anfang Mai statt. Florian Hochstrasser, Sozialarbeiter vom Fachbereich Gewaltberatung Basel-Stadt, erklärt, dass die Gespräche nicht nur auf Gewalt fokussieren. Vielmehr gehe es darum, Männern eine Gelegenheit zu geben, über Rollenbilder und Gefühle ins Gespräch zu kommen.
Fragen wie «Welche Erwartungen ans Mannsein tun dir gut? Welche nicht?» oder «Wie gehst du mit Angst um?» sollen den Dialog anregen. Es sind offene Fragen, die von grossen Lebensthemen bis hin zu banalen Alltagssituationen reichen können. Der offene Charakter der Gespräche im Wartebereich ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts.
«Ziel ist es, mit Männern erst mal ins Gespräch über Rollenbilder und Gefühle zu kommen.»
Gewaltprävention im Alltag
Männerberatung findet üblicherweise hinter verschlossenen Türen statt. In verschiedenen Kantonen gibt es Lernprogramme, bei denen Männer freiwillig an ihrem Konfliktverhalten arbeiten können. Ein kleinerer Teil dieser Männer wird von Behörden zugewiesen. Die «Barbertalks» in Basel setzen hier früher an, indem sie das Gesprächsangebot direkt in den Alltag der Männer integrieren.
Die Aktionswoche «Halt Gewalt» in Basel, zu der die Barbertalks gehören, zielt darauf ab, häusliche Gewalt zu bekämpfen. Indem solche Themen in einem scheinbar neutralen Umfeld wie einem Barbershop angesprochen werden, soll die Hemmschwelle gesenkt und die Normalisierung des Sprechens über schwierige Themen gefördert werden.
Hintergrund: Aktionswoche «Halt Gewalt»
Die Aktionswoche «Halt Gewalt» ist eine Initiative in Basel, die verschiedene Aktionen und Veranstaltungen zur Prävention und Bekämpfung häuslicher Gewalt umfasst. Sie soll das Bewusstsein schärfen und Hilfsangebote zugänglicher machen. Die «Barbertalks» sind ein innovativer Beitrag zu dieser Kampagne.
Internationale Vorbilder und Hoffnung auf Nachahmer
Das Konzept der Barbertalks ist in der Schweiz neu, hat aber international bereits Erfolge gezeigt. Beispiele wie der australische Barber Matt Brown zeigen, wie Friseursalons zu wichtigen Foren für Männlichkeit, Gewaltprävention und Stil werden können. Brown, der selbst sexualisierte Gewalt erlebt hat, nutzt seinen Salon und seine Reichweite, um Männer für diese Themen zu sensibilisieren.
Solche Initiativen verdeutlichen, dass neue Wege der Gewaltprävention unter Männern sich lohnen. Sie helfen, das Gespräch über Rollenbilder und problematische Verhaltensmuster an männlich konnotierten Orten zu normalisieren. Thomas Hinz hofft, dass sein Engagement eine Vorbildrolle einnimmt und andere Basler Betriebe ermutigt, sich künftig ebenfalls an ähnlichen Aktionen zu beteiligen.
- Was sind die «Barbertalks»? Ein Gesprächsangebot in einem Basler Barbershop, das Männern einen Raum für den Austausch über Rollenbilder, Gefühle und Gewaltprävention bietet.
- Wer führt die Gespräche? Ausgebildete Berater für Gewaltfragen und Opferhilfe.
- Ist die Teilnahme verpflichtend? Nein, die Gespräche sind völlig freiwillig.
- Wann findet die Aktion statt? Einmalig an einem Nachmittag Anfang Mai.
- Warum ein Barbershop? Inhaber Thomas Hinz sieht seinen Salon als Ort des Vertrauens, an dem Kunden sich oft öffnen.





