Seit sechs Jahrzehnten ist der kleine Kiosk von Trudi Hartmann an der Basler Rheingasse ein fester Ankerpunkt. Mit 88 Jahren steht die Inhaberin noch immer hinter dem Tresen. Sie bedient täglich eine vielfältige Kundschaft, von Professoren bis zu Menschen am Rande der Gesellschaft. Ihr Kiosk ist mehr als nur ein Verkaufsort; er ist ein sozialer Treffpunkt und ein Zeugnis Basler Stadtgeschichte.
Wichtige Punkte
- Trudi Hartmann betreibt ihren Kiosk an der Rheingasse seit 60 Jahren.
- Sie ist 88 Jahre alt und arbeitet weiterhin mit Leidenschaft.
- Der Kiosk dient als wichtiger Treffpunkt für Menschen aus allen Schichten.
- Hartmann ist bekannt für ihre Grosszügigkeit und ihr offenes Ohr.
- Trotz grosser Veränderungen im Quartier bleibt der Kiosk ein Ort der Beständigkeit.
Ein Leben hinter dem Tresen
Trudi Hartmann kaufte ihren Kiosk einst mit nur wenigen Franken in der Tasche. Sie wollte selbstständig sein. Dank einer Bürgschaft und einem Darlehen erhielt sie die Chance, ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Diese Erfahrung prägte ihre Einstellung zur Gemeinschaft und zur gegenseitigen Unterstützung. Ihr Kiosk wurde über die Jahre zu einem Ort, an dem Menschen Hilfe und ein offenes Ohr finden.
Die Rheingasse, nur wenige Schritte von der Mittleren Brücke entfernt, hat sich stark verändert. Was einst ein Quartier mit Drogensüchtigen war, ist heute ein beliebtes Ausgehviertel. Trudi Hartmann hat all diese Veränderungen miterlebt und ist doch immer dieselbe geblieben. Ihr Kiosk ist ein Stück unveränderte Basler Identität.
Fakt am Rande
- Trudi Hartmann ist 88 Jahre alt.
- Sie betreibt ihren Kiosk seit 60 Jahren.
- Der Kiosk befindet sich am sogenannten «Ueli-Gässli» in der Rheingasse.
Menschlichkeit im Mittelpunkt
Trudi Hartmann behandelt jeden Kunden gleich. Es spielt keine Rolle, ob es sich um einen Professor oder einen Obdachlosen handelt. Diese Haltung ist ihr Erfolgsrezept. Sie begegnet jedem Menschen mit Freundlichkeit und Respekt. Dies spiegelt sich in der Loyalität ihrer Kunden wider. Viele kommen seit Jahrzehnten zu ihr.
«Ich mache keinen Unterschied, ob jemand ein Professor oder ein Clochard ist. Ich mag die Menschen.»
Ihre Grosszügigkeit geht weit über das Übliche hinaus. Wer gerade kein Geld hat, kann sich bei ihr etwas anschreiben lassen. Manchmal werden diese Schulden nie beglichen. Einmal warf sie ein Schuldbuch mit 18'000 Franken weg, um sich nicht länger zu ärgern. Dies zeigt ihre radikale Menschlichkeit und ihr Vertrauen in die Menschen.
Ein Ohr für Freud und Leid
Der Kiosk war auch Schauplatz vieler menschlicher Dramen. Trudi Hartmann erinnert sich an eine Chilenin, die im Kiosk auf ihren Sohn wartete. Dieser war in die Drogenszene abgerutscht. Solche Momente zeigten Trudi Hartmann die dunkle Seite des Lebens. Sie hat in solchen Situationen oft mitgelitten.
Trotzdem hat sie selten Angst. Selbst Drogensüchtige seien ihr gegenüber immer nett gewesen, berichtet sie. Schwieriger seien betrunkene Menschen, da diese unberechenbarer sein können. Eine grosse Baustelle vor ihrem Fenster bringt sie ebenfalls nicht aus der Ruhe. Ihr Fokus bleibt auf den Menschen, die zu ihr kommen.
Historischer Kontext
Kioske waren lange Zeit wichtige soziale Knotenpunkte in Schweizer Städten. Sie boten nicht nur Zeitungen und kleine Einkäufe, sondern auch Raum für informelle Begegnungen. Im Zeitalter des Online-Handels und grosser Supermärkte haben viele dieser kleinen Geschäfte Mühe, zu überleben. Der Kiosk von Trudi Hartmann ist eine Ausnahme und ein lebendiges Denkmal dieser Tradition.
Einzigartige Angebote und Zukunft
In Trudis Kiosk finden Kunden noch heute Dinge, die anderswo längst verschwunden sind. Zum Beispiel kann man Zigaretten noch einzeln kaufen. Dies ist praktisch für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen und keine ganze Packung mit sich tragen möchten. Oder für diejenigen, die nur für ein oder zwei Zigaretten Geld haben. Auch die Preise sind oft noch auf dem Niveau vergangener Zeiten. Ein Kaffee kostet beispielsweise 2.50 Franken.
Die Kundschaft schätzt diese Besonderheiten. Ein Stammkunde sagt: «Trudi ist eine Institution hier in der Rheingasse, und das muss man unterstützen.» Deshalb kaufe er seine Zigaretten bei ihr.
Unterstützung durch die Familie
Seit einiger Zeit ist Trudi Hartmann nicht mehr allein im Kiosk. Ihre vier Jahre jüngere Schwester, Erika Furrer, hilft ihr an mehreren Tagen pro Woche aus. Dies ermöglicht Trudi, etwas kürzerzutreten. Doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht.
«Solange ich noch gehen kann und zufrieden bin», will sie weitermachen. Der Kiosk sei ihr Leben, sagt sie. Während sie einem weiteren Kunden einen Kaffee serviert, wird klar: Der kleine Kiosk an der Rheingasse ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein Zuhause, ein Treffpunkt und ein Ort, an dem Menschlichkeit gelebt wird. Es ist ein seltenes Beispiel für Beständigkeit und Herzlichkeit in einer sich schnell verändernden Welt.
- Individueller Service: Kundenwünsche werden oft schon vor der Bestellung erkannt.
- Einzelverkauf: Zigaretten sind noch stückweise erhältlich.
- Stabile Preise: Viele Produkte behalten alte Preise.





