In Frenkendorf, im Kanton Baselland, plant die Stiftung Eben-Ezer den Bau des grössten Demenzdorfes der Schweiz. Das Projekt sieht bis zu 200 spezialisierte Pflegeplätze vor und zielt darauf ab, Menschen mit Demenz eine freiere und selbstbestimmtere Lebensweise zu ermöglichen als in herkömmlichen Pflegeheimen.
Wichtige Punkte
- Geplantes Demenzdorf in Frenkendorf mit bis zu 200 Pflegeplätzen.
- Konzept fördert Bewegungsfreiheit und soziale Interaktion.
- Investitionskosten für Vollausbau liegen bei 90 Millionen Franken.
- Benötigt Anpassung des Zonenplans und politische Genehmigungen.
- Soll wissenschaftlich begleitet werden.
Ein neues Zuhause für Menschen mit Demenz
Das Vorhaben der Stiftung Eben-Ezer ist ambitioniert. Am Bienenberg in Frenkendorf soll eine spezialisierte Einrichtung entstehen, die sich voll und ganz den Bedürfnissen von Demenzerkrankten widmet. Derzeit befindet sich dort das Pflegeheim Dahay mit 59 Betten. Dieses soll zugunsten des neuen Konzepts weichen.
Die geplante Anlage unterscheidet sich grundlegend von traditionellen Pflegeheimen. Sie ist darauf ausgelegt, den Bewohnern maximale Bewegungsfreiheit zu bieten. Dies ist ein entscheidender Faktor, da Demenzkranke oft einen erhöhten Bewegungsdrang haben. Herkömmliche Einrichtungen müssen diesen Drang aus Sicherheitsgründen oft einschränken, was die Lebensqualität mindert.
Fakten zum Projekt
- Kapazität: Phase 1: 120 Betten, Vollausbau: 200 Pflegeplätze.
- Mitarbeitende: Rund 250 Personen für den Betrieb notwendig.
- Standort: Spezialzone Eben-Ezer, ausserhalb des Siedlungsgebiets.
- Kosten: Geschätzte 90 Millionen Franken für den Vollausbau.
Konzept der kleinen Wohneinheiten
Das Herzstück des Demenzdorfes bildet ein innovatives Wohnkonzept. Es sieht kleine Wohneinheiten vor, die sich auf mehrere Häuser verteilen. In jedem Haus leben zwei Wohngemeinschaften zusammen, bestehend aus jeweils sechs bis acht Bewohnern. Eine Pflegeperson betreut jede dieser Wohngemeinschaften.
„Die Menschen sollen sich möglichst so fühlen wie in ihrem früheren Daheim.“
Dieser Ansatz fördert eine familiäre Atmosphäre und ermöglicht eine individuellere Betreuung. Innerhalb ihres Wohnbereichs und auf dem gesamten Areal sollen sich die Bewohner frei bewegen können. Dies ist ein zentraler Aspekt, um das Gefühl von Isolation und Einschränkung zu minimieren.
Vorteile durch mehr Bewegungsfreiheit
Experten betonen, dass mehr Bewegung, soziale Kontakte und strukturierte Angebote positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Demenzpatienten haben. Die Stiftung Eben-Ezer setzt genau hier an. Durch die erhöhte Bewegungsfreiheit im Demenzdorf könnte der Bedarf an Medikamenten und Physiotherapie sinken.
Hintergrund: Demenz in der Schweiz
In der Schweiz gibt es bereits vergleichbare Einrichtungen, wenn auch in kleinerem Massstab. Dazu gehören das „Juradorf“ in Wiedlisbach (Kanton Bern) mit rund 130 Plätzen und der „Lindenpark“ in Balsthal (Kanton Solothurn) mit zwölf Wohngruppen. Das Projekt in Frenkendorf wäre mit bis zu 200 Plätzen das grösste seiner Art in der Schweiz.
Die Nachfrage nach spezialisierten Pflegeplätzen für Demenzkranke ist in den letzten Jahren gestiegen. Der Kanton Baselland hat in der Vergangenheit bereits Gelder für Demenzstrategien bewilligt und die Entwicklung spezieller Stationen in Alters- und Pflegeheimen gefördert.
Finanzierung und politische Hürden
Die Investitionskosten für den Vollausbau des Demenzdorfes belaufen sich auf geschätzte 90 Millionen Franken. Die Finanzierung soll durch die Trägerschaft, Stiftungen und Mäzene erfolgen. Der Kanton Baselland beteiligt sich nicht direkt an den Kosten, da die Versorgungsplanung in der Verantwortung der Versorgungsregionen und Gemeinden liegt.
Das Projekt steht jedoch vor planerischen Herausforderungen. Der aktuelle Standort in der Spezialzone Eben-Ezer liegt ausserhalb des Siedlungsgebiets. Für die Realisierung ist eine Anpassung des Zonenplans notwendig. Der Gemeinderat von Frenkendorf unterstützt die Grundidee, weist aber auf die anspruchsvolle Lage hin.
Eine sorgfältige Planung ist aufgrund der exponierten Lage und der Zufahrt durch ein Wohnquartier unerlässlich. Die Umsetzung erfordert zudem Genehmigungen durch die Einwohnergemeindeversammlung und den Regierungsrat.
Wissenschaftliche Begleitung und Zukunftsaussichten
Die Stiftung Eben-Ezer plant, das Demenzdorf wissenschaftlich begleiten zu lassen. Ziel ist es, das Konzept kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Hartmut Vetter äusserte sich in der «Volksstimme» mit dem ehrgeizigen Ziel, das «modernste Demenzdorf der Welt» zu realisieren.
Spezialisierungen und Zentralisierungen in der Pflege können langfristig zu einer Kostendämpfung führen. Dies ist ein wichtiger Aspekt angesichts steigender Pflegekosten und des wachsenden Bedarfs an spezialisierten Angeboten für Menschen mit Demenz. Das Projekt in Frenkendorf könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten und als Modell für andere Regionen dienen.





