Basel-Stadt geht neue Wege im Umgang mit dem Parkplatzmangel. Der Kanton fördert aktiv die Mehrfachnutzung privater Parkflächen, um die angespannte Situation im öffentlichen Raum zu entlasten. Seit Anfang des Jahres sind bereits vier Projekte in Betrieb, die sowohl Anwohnern als auch Pendlern flexible Parkmöglichkeiten bieten.
Wichtige Punkte
- Vier neue Projekte zur Mehrfachnutzung von Privatparkplätzen sind gestartet.
- Anwohner und Pendler profitieren von flexiblen Mietoptionen.
- Der Kanton bietet kostenlose Erstberatung für Interessierte an.
- Langfristig sollen weitere Quartierparkings entstehen, wie das sanierte Parkhaus Horburg.
Parkplatzmangel als zentrale Herausforderung
Der Mangel an Parkplätzen stellt in Basel-Stadt ein grosses Problem dar. Eine Studie aus dem vergangenen Frühjahr zeigte, dass die Verfügbarkeit von Abstellflächen ganz oben auf der Liste der Verkehrssorgen steht. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt der Kanton auf innovative Lösungen.
Die Strategie zielt darauf ab, ungenutzte private Parkflächen temporär für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies geschieht durch die Förderung von Sharing-Projekten. So sollen Firmen und Privatpersonen ihre Parkplätze zur Verfügung stellen, wenn sie diese selbst nicht benötigen. Dies schafft eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Faktencheck Parken in Basel
- Der Parkplatzmangel ist laut einer Studie das Verkehrsproblem Nummer eins in Basel.
- Innerhalb von zwei Jahren sind in Basel 350 Strassenparkplätze weggefallen.
- Trotz des Abbaus öffentlicher Parkplätze ist die Gesamtzahl der Parkplätze in der Stadt gestiegen, da private Angebote zunehmen.
Vier Projekte erfolgreich gestartet
Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat kürzlich den Start von vier Pilotprojekten bekannt gegeben. Diese Projekte sind seit Anfang des Jahres aktiv und bieten unterschiedliche Modelle der Mehrfachnutzung an. Sie richten sich an verschiedene Nutzergruppen mit spezifischen Bedürfnissen.
Ein Beispiel ist die Firma PSP Swiss Property an der Hochstrasse 16. Dort stehen rund fünfzig Tiefgaragenparkplätze zur Verfügung. Diese können flexibel gemietet werden. Ebenso hat die Lonza AG ihre Firmenparkplätze auf dem Lindenhofareal für Anwohner in den Nachtstunden und am Wochenende geöffnet. Dies entlastet die Parkplatzsuche in den umliegenden Quartieren erheblich.
„Die Mehrfachnutzung privater Parkierflächen ist ein wichtiger Schritt, um den knappen Raum in unserer Stadt effizienter zu nutzen und die Lebensqualität der Basler Bevölkerung zu verbessern“, so ein Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements.
Zwei weitere Standorte befinden sich in der St. Alban-Vorstadt beim Goldenen Löwen und an der Dornacherstrasse 8/10. Auch hier profitieren Anwohner und Pendler von zusätzlichen Parkmöglichkeiten. Die Buchung der Parkplätze erfolgt über digitale Plattformen wie Share-P oder Parcandi, was den Zugang vereinfacht.
Flexible Angebote für verschiedene Bedürfnisse
Die neuen Projekte berücksichtigen die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzer. Pendler können Parkplätze primär unter der Woche tagsüber buchen. Anwohner hingegen profitieren von Angeboten in den Abendstunden und am Wochenende. Dies optimiert die Auslastung der Parkflächen und reduziert Leerstände.
Für regelmässige Nutzer gibt es zudem attraktive Abonnemente. Diese ermöglichen das zeitbeschränkte Parkieren zu vorteilhaften Konditionen. Auch für spontanes Parken stehen Optionen bereit, was die Flexibilität weiter erhöht und die Parkplatzsuche erleichtert.
Hintergrund: Warum der Fokus auf private Parkplätze?
Da immer mehr öffentliche Parkplätze zugunsten von Grünflächen oder anderen urbanen Nutzungen wegfallen, wird die effiziente Nutzung bestehender Flächen entscheidend. Das Begrünen des Birsigparkplatzes ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Die Strategie des Kantons zielt darauf ab, den Abbau öffentlicher Parkplätze durch die Aktivierung privater Ressourcen zu kompensieren. Dies trägt zur Schaffung einer lebenswerteren Stadt bei, ohne die Mobilität der Bevölkerung einzuschränken.
Beratungsangebot und zukünftige Pläne
Der Kanton Basel-Stadt bietet ab sofort ein kostenloses Beratungsangebot für alle an, die ihre Parkplätze ebenfalls zeitweise zur Verfügung stellen möchten. Die Erstberatung soll Interessierten konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihre Parkplätze oder Parkierungsanlagen effizienter bewirtschaften können. Dies soll weitere private Anbieter zur Teilnahme motivieren.
Die gestarteten Projekte werden über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet und ihre Wirkung detailliert ausgewertet. Parallel dazu plant der Kanton, zusätzliche Quartierparkings zu fördern und zu realisieren. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Übernahme des Parkhauses Horburg. Nach einer umfassenden Sanierung werden dort ab April rund 300 Parkplätze zur Verfügung stehen, die Anwohner mieten können.
Diese Massnahmen sind Teil einer umfassenden Strategie, um den Parkdruck in Basel nachhaltig zu senken und gleichzeitig die Attraktivität des öffentlichen Raums zu steigern. Die Kombination aus Sharing-Modellen und neuen Quartierparkings soll langfristig zu einer spürbaren Entlastung führen.





