Die Stadt Basel plant, die im Rahmen eines Pilotprojekts eingerichteten autofreien Superblocks in den Quartieren Davidsboden und Lysbüchel bereits im Sommer des kommenden Jahres wieder zurückzubauen. Diese Entscheidung stösst bei den Anwohnern auf grossen Widerstand und Enttäuschung, die sich aktiv an der Gestaltung und Belebung dieser neuen Freiräume beteiligt haben.
Wichtige Punkte
- Die Stadt Basel plant den Rückbau der autofreien Superblocks.
- Anwohner der Quartiere Davidsboden und Lysbüchel zeigen sich entsetzt.
- Das Pilotprojekt sollte die Lebensqualität verbessern.
- Bürger hatten sich aktiv an der Gestaltung der Freiräume beteiligt.
- Der Kanton will die Massnahmen im Sommer 2026 beenden.
Das Superblock-Konzept in Basel
Das Konzept der Superblocks wurde in Basel als Pilotprojekt eingeführt, um die Lebensqualität in städtischen Quartieren zu verbessern. Ziel war es, mehr Raum für Begegnungen, Spiel und Erholung zu schaffen, indem der Durchgangsverkehr reduziert und Strassenflächen umgestaltet werden. Dies sollte zu einer Reduzierung von Lärm und Abgasen führen und die Sicherheit für Fussgänger sowie Velofahrer erhöhen.
Die Umsetzung umfasste verschiedene Massnahmen: Es wurden Sitzgelegenheiten aufgestellt, Grünflächen angelegt und Spielgeräte installiert. Die Anwohner wurden aktiv in den Gestaltungsprozess einbezogen. Sie pflanzten Bäume, legten kleine Beete an und organisierten gemeinsame Aktivitäten, um die neuen Freiflächen zu beleben.
Faktencheck: Superblocks
- Konzept: Grossflächige, autofreie Quartiere durch Umleitung des Durchgangsverkehrs.
- Ziele: Verbesserung der Luftqualität, Reduzierung von Lärm, mehr Grünflächen, Förderung von Gemeinschaft.
- Ursprung: Erfolgreich in Städten wie Barcelona implementiert.
- Basler Pilot: Startete mit dem Ziel, die Wirkung in Schweizer Städten zu testen.
Enttäuschung bei den Quartierbewohnern
Die Nachricht vom geplanten Rückbau hat bei den Bewohnern der betroffenen Quartiere Davidsboden und Lysbüchel für grosse Ernüchterung gesorgt. Viele von ihnen haben Monate, wenn nicht Jahre, in die Gestaltung und Pflege der Superblocks investiert. Sie sehen in der Entscheidung des Kantons einen Verrat an ihrem Engagement und den ursprünglichen Zielen des Projekts.
Eine Anwohnerin aus der Davidsbodenstrasse, Rosemarie Arbi, äusserte ihre Enttäuschung. Sie hatte sich mit ihren Nachbarn engagiert, um kleine Tannen zu schmücken und die Strassen attraktiver zu machen. Solche Initiativen waren keine Seltenheit; viele Bewohner brachten eigene Ideen ein und trugen massgeblich zur Belebung der öffentlichen Räume bei.
"Wir haben so viel Herzblut in diese Strassen gesteckt. Es ist unverständlich, dass das alles wieder rückgängig gemacht werden soll", sagte ein Bewohner, der anonym bleiben wollte.
Die Argumente der Stadtentwicklung
Die Abteilung Stadtentwicklung Basel begründet den geplanten Rückbau mit der Notwendigkeit, die ursprüngliche Verkehrsführung wiederherzustellen und die Langzeitwirkungen des Projekts neu zu bewerten. Offizielle Stellen betonen, dass es sich um ein Pilotprojekt handelte, dessen temporärer Charakter von Anfang an bekannt war. Die gesammelten Daten und Erfahrungen sollen nun analysiert werden, um zukünftige Stadtentwicklungsprojekte zu informieren.
Ein Sprecher der Stadtentwicklung erklärte, dass die Rückbaumassnahmen im Sommer 2026 beginnen sollen. Man sei sich der Bedenken der Anwohner bewusst und suche den Dialog, um die nächsten Schritte transparent zu kommunizieren. Es gehe nicht darum, die Idee der Superblocks komplett zu verwerfen, sondern aus den gewonnenen Erkenntnissen zu lernen.
Hintergrund: Stadtentwicklung in Basel
Basel ist bekannt für seine fortschrittliche Stadtplanung und den Fokus auf Nachhaltigkeit. Projekte zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und zur Förderung des öffentlichen Raums sind ein zentraler Bestandteil der städtischen Agenda. Der Kanton Basel-Stadt experimentiert häufig mit neuen Ansätzen, um die Lebensqualität zu steigern und gleichzeitig ökologische Ziele zu erreichen.
Solche Pilotprojekte dienen dazu, innovative Konzepte in der Praxis zu testen, bevor sie möglicherweise flächendeckend eingeführt werden. Die Herausforderung besteht oft darin, die Bedürfnisse der Bewohner mit den übergeordneten städtischen Planungszielen in Einklang zu bringen.
Widerstand formiert sich
Die Anwohner der Superblocks planen bereits Widerstand gegen die Rückbaupläne. Erste Treffen und Diskussionsrunden haben stattgefunden, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Sie möchten Petitionen starten und das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, um ihre Argumente darzulegen und den Erhalt der Superblocks zu fordern.
Die Bewohner betonen die positiven Veränderungen, die sie seit der Einführung der Superblocks erlebt haben: Weniger Lärm, sauberere Luft, mehr Kinder, die auf der Strasse spielen, und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Diese Vorteile, so argumentieren sie, sollten nicht leichtfertig aufgegeben werden.
Es wird erwartet, dass die Diskussion um die Zukunft der Basler Superblocks in den kommenden Monaten intensiviert wird. Die Bürger hoffen, dass ihr Engagement und ihre Erfahrungen bei der finalen Entscheidung berücksichtigt werden.
Blick in die Zukunft
Die Debatte um die Superblocks in Basel zeigt die Komplexität moderner Stadtentwicklung auf. Es geht um das Gleichgewicht zwischen Verkehrsplanung, Lebensqualität und Bürgerbeteiligung. Die Entscheidung des Kantons wird nicht nur die betroffenen Quartiere beeinflussen, sondern auch Signalwirkung für ähnliche Projekte in anderen Schweizer Städten haben.
Wie die Stadt Basel letztendlich mit dem Widerstand der Anwohner umgeht und welche Schlüsse sie aus dem Pilotprojekt zieht, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass das Thema Superblocks in Basel weiterhin für Gesprächsstoff sorgen wird.
- Nächste Schritte: Anwohner planen Protestaktionen und Gespräche mit der Stadtverwaltung.
- Politische Dimension: Das Thema könnte in der kantonalen Politik an Bedeutung gewinnen.
- Langfristige Vision: Wie werden die Erfahrungen aus den Superblocks zukünftige Projekte prägen?





