Ein visionäres Projekt könnte die Verkehrsprobleme zwischen Aesch und Liestal im Baselbiet lösen: Der Architekt Rolf Stalder schlägt eine Seilbahnverbindung über den Gempen vor. Dieses Konzept, das er «Jurasteg» nennt, wird derzeit vom Regierungsrat geprüft und verspricht eine schnelle, umweltfreundliche Alternative zum Strassenverkehr.
Wichtigste Punkte
- Architekt Rolf Stalder plant eine Seilbahn von Aesch über den Gempen nach Liestal.
- Die Fahrtzeit soll rund 20 Minuten betragen.
- Das System ist für den Transport von bis zu 4500 Personen pro Stunde in beide Richtungen ausgelegt.
- Geschätzte Kosten liegen bei etwa 400 Millionen Franken, deutlich günstiger als ein Tunnel.
- Der «Jurasteg» soll den morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr entlasten.
Eine Seilbahn als Antwort auf den Verkehrskollaps
Die Idee einer Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs mag ungewöhnlich erscheinen, doch Rolf Stalder sieht darin eine praktikable Lösung für die überlasteten Strassen im Birs-, Ergolz- und Oristal. Er beschreibt den täglichen Stossverkehr als «Albtraum» und spricht von einem drohenden «Verkehrskollaps». Die Seilbahn soll hier Abhilfe schaffen.
Der Architekt aus Münchenstein entwickelte das Konzept des «Jurastegs», einer Gondelbahn, die Pendler in rund 20 Minuten von Aesch nach Liestal bringen könnte. Ein möglicher Halt auf dem Gempen ist ebenfalls vorgesehen, was auch touristische Vorteile bieten würde.
Fakten zum «Jurasteg»
- Fahrtzeit: ca. 20 Minuten
- Kapazität: bis zu 4500 Personen pro Stunde (in beide Richtungen)
- Gondeln: Platz für je 35 Personen
- System: Zwei Tragseile, ein Zugseil – windstabil und schnell
- Geschätzte Kosten: ca. 400 Millionen Franken
Technologie und Kapazität der Gondelbahn
Stalder stellt sich ein modernes Seilbahnsystem vor, das auf zwei Tragseilen und einem Zugseil basiert. Diese Konfiguration gilt als besonders windstabil und schnell. Die einzelnen Kabinen, die er bildhaft als «Perlenkette» bezeichnet, sollen in Abständen von 30 bis 50 Metern aufeinanderfolgen.
Jede Gondel bietet Platz für 35 Personen. Mit dieser Bauweise könnte die Seilbahn stündlich bis zu 4500 Menschen in jede Richtung transportieren. Dies wäre eine erhebliche Entlastung für die bestehende Verkehrsinfrastruktur, die täglich von tausenden Pendlern genutzt wird.
«Ich würde gerne morgens um 7 Uhr einsteigen und mit einem Coffee-to-go die Aussicht geniessen. Nach 20 Minuten ist man doch tiefenentspannt.»
Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum Tunnel
Obwohl Tunnelprojekte oft als Lösung für Verkehrsprobleme diskutiert werden, betont Stalder die Kosteneffizienz der Seilbahn. Ein Tunnel wäre seiner Einschätzung nach bis zu 20-mal teurer als eine Seilbahn. Mit geschätzten Kosten von etwa 400 Millionen Franken erscheint der «Jurasteg» als eine deutlich schnellere und wirtschaftlichere Option.
Der Vorschlag entstand aus einer Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Landrat Balz Stückelberger (FDP). Stückelberger bat Stalder um seine Ideen für ein Seilbahnkonzept, woraus ein Vorstoss im Landrat resultierte. Dieser liegt nun zur Prüfung beim Regierungsrat.
Internationale Beispiele für urbane Seilbahnen
Vergleichbare Gondelbahnen sind in der Schweiz im urbanen Raum selten. International gibt es jedoch erfolgreiche Beispiele: In Städten wie La Paz (Bolivien), Medellín (Kolumbien) oder der Region Paris sind Seilbahnen bereits fest in das öffentliche Verkehrsnetz integriert. Sie beweisen, dass Seilbahnen eine effiziente und zuverlässige Transportlösung für dicht besiedelte Gebiete sein können.
Stalders weitere Visionen: Vom See in Münchenstein bis Zermatt
Rolf Stalder ist bekannt für seine kühnen Ideen. Bereits 2020 entwickelte er die Vision eines Sees in der Münchensteiner Hofmatt, direkt neben der Birs. Er wünscht sich einen See, der mit Birs-Wasser gespeist wird und ein Freizeitgelände mit Restaurant, Badestrand und Grillmöglichkeiten bietet.
Diese Idee wurde durch die Pandemie befeuert, da sich das Reiseverhalten verändert hat. «Warum nicht Ferien zu Hause machen, statt in den Flieger zu sitzen?», fragt Stalder. Er plant zudem kleine Deltahäuschen für Feriengäste und einen Bereich für Naturschutz, speziell für Amphibien.
Kritik an «phallischer Architektur» in Zermatt
Auch in Zermatt hat Stalder eine visionäre Idee eingebracht. Er kritisiert das Projekt «Lina Peak» des Architekten Heinz Julen, das einen 260 Meter hohen Wolkenkratzer vor dem Matterhorn vorsieht. Stalder bezeichnet dies als «Narzissmus pur» und «klassischen Fall von phallischer Architektur».
Sein Gegenprojekt, der «Wildsteg», ist ein Bau, der sich über das Tal erstreckt, statt in die Höhe zu gehen. Er soll sich in die Natur integrieren und Nutzen statt Luxus bieten. Die Idee liegt dem Gemeinderat Zermatt zur Prüfung vor. Für Stalder muss Architektur immer dem Menschen dienen und Wohlbefinden schaffen.
Rolf Stalder, der dieses Jahr 60 wird, blickt auf eine lange Karriere zurück. 1988, im Alter von 22 Jahren, gründete er sein Architekturbüro im Keller seines Elternhauses. Nach drei Jahren stellte er die ersten Mitarbeiter ein. 2022 übergab er die Architektur Rolf Stalder AG mit damals 50 Angestellten in neue Hände.
Heute konzentriert er sich wieder stärker auf die Entwicklung von Ideen und Visionen. Er investiert die Hälfte seiner Zeit in diese kreative Arbeit. «Das ist meine Vorstellung von Lebensqualität», sagt er.





