Im Kanton Baselland sorgen Abstimmungsplakate mit Tempo-30-Symbolen für eine unerwartete Reaktion bei modernen Fahrzeugen. Ihre Fahrassistenzsysteme erkennen die Abbildungen fälschlicherweise als echte Verkehrsschilder, was zu automatischen Bremsvorgängen führt. Dieses Phänomen betrifft vor allem Autos mit kamerabasierten Erkennungssystemen.
Wichtige Erkenntnisse
- Abstimmungsplakate mit Tempo-30-Symbolen lösen Bremsungen bei modernen Autos aus.
- Fahrassistenzsysteme interpretieren die abgebildeten Schilder als reale Verkehrszeichen.
- Besonders betroffen sind Fahrzeuge mit Kamera- und Bilderkennungssoftware.
- Polizei und TCS sind über die Vorfälle informiert.
- Bisher sind keine Unfälle bekannt, aber es wird zur Vorsicht gemahnt.
Falsche Schilderkennung führt zu automatischen Bremsungen
Ein ungewöhnliches Problem beschäftigt Autofahrer im Kanton Baselland. Plakate, die für eine Initiative werben und Tempo-30-Schilder zeigen, führen dazu, dass moderne Autos abrupt abbremsen. Die Assistenzsysteme dieser Fahrzeuge verwechseln die aufgedruckten Symbole mit echten Verkehrsschildern.
Mehrere Fahrzeughalter haben der Baselbieter Polizei solche Vorfälle gemeldet. Auch der Touring Club Schweiz (TCS) wurde auf die Problematik aufmerksam gemacht. Wenn der Tempomat aktiv ist, verlangsamen die betroffenen Autos selbstständig ihre Geschwindigkeit. Dies geschieht selbst auf Kantonsstrassen, wo eigentlich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erlaubt wäre.
Faktencheck
- Betroffene Fahrzeuge: Vor allem Modelle mit Kamera- und Bilderkennungssoftware, wie zum Beispiel Tesla-Fahrzeuge.
- Auslöser: Auf Abstimmungsplakaten abgebildete Tempo-30-Schilder.
- Effekt: Automatische Geschwindigkeitsreduzierung, auch auf Schnellstrassen.
Ironie der Situation: Initiative will Ausbremsung verhindern
Birgit Kron, Politikchefin des TCS beider Basel, äusserte sich zu der Situation. Sie bezeichnete es als ironisch, dass die Initiative eigentlich eine Ausbremsung verhindern wolle, aber nun selbst dafür sorge.
«Es ist fast ironisch, wir wollen ja eigentlich mit der Initiative die Ausbremsung verhindern», sagt Birgit Kron, Politikchefin des TCS beider Basel.
Der TCS nimmt die Angelegenheit ernst. Es sei wichtig, dass Abstimmungsplakate die Verkehrssicherheit nicht gefährden. Das Strassenverkehrsgesetz verbietet grundsätzlich Reklamen, die zu Verwechslungen mit offiziellen Verkehrssignalen führen könnten.
Unterschiedliche Wahrnehmung von Mensch und Maschine
Für das menschliche Auge sind die Symbole auf den Plakaten klar als Nachzeichnungen erkennbar und als Werbung zu identifizieren. Moderne Fahrzeugkameras scheinen hier jedoch anders zu reagieren. Ihre Software interpretiert die Abbildungen als verbindliche Verkehrszeichen.
Hintergrundinformation
Fahrassistenzsysteme nutzen Kameras und Sensoren, um die Umgebung des Fahrzeugs zu überwachen. Sie können Verkehrszeichen, Fahrspuren und andere Fahrzeuge erkennen. Ziel ist es, den Fahrer zu unterstützen und die Sicherheit zu erhöhen. Die Fähigkeit, Verkehrszeichen zu erkennen, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Systeme.
Verantwortung bleibt beim Fahrer
Das Bundesamt für Strassen (Astra) betont, dass die Verantwortung trotz Assistenzsystemen immer beim Menschen liegt. Diese Systeme sollen Fahrer lediglich unterstützen und führen das Fahrzeug nicht autonom. Sie dienen als zusätzliche Hilfe, ersetzen aber nicht die Aufmerksamkeit des Fahrers.
Bislang sind dem Astra keine Unfälle bekannt, die auf solche Fehlinterpretationen zurückzuführen wären. Die Polizei spricht ebenfalls von vereinzelten Hinweisen. Aktuell sieht sie keinen Anlass für ein Verbot solcher Plakatdesigns.
Dennoch mahnt die Polizei zur Vorsicht. Fahrer sollten sich bewusst sein, dass solche Situationen auftreten können und stets bereit sein, die Kontrolle über ihr Fahrzeug zu übernehmen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit ist besonders in Bereichen mit vielen Wahlplakaten ratsam.
Zukunft der Assistenzsysteme
Dieser Vorfall zeigt eine Herausforderung in der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen auf. Die Unterscheidung zwischen realen Verkehrszeichen und deren Abbildungen ist komplex. Hersteller arbeiten kontinuierlich daran, die Erkennungssoftware zu verbessern und solche Fehlinterpretationen zu minimieren. Die Integration von Künstlicher Intelligenz spielt dabei eine immer grössere Rolle.
Es bleibt abzuwarten, ob dieser spezifische Fall im Baselland zu einer Anpassung der Richtlinien für Abstimmungsplakate führen wird. Die Diskussion um die Sicherheit im Strassenverkehr und die Rolle der Technologie wird dadurch weiter angefacht.





