Basel steht vor einer bedeutenden Veränderung: Das Projekt «Tramnetz 2030» verspricht nicht nur eine Modernisierung des öffentlichen Verkehrs, sondern auch eine umfassende Neugestaltung zentraler Stadtbereiche. Besonders im Fokus stehen der Petersgraben und der Fischmarkt. Hier bieten sich Möglichkeiten, die Stadt grün, effizient und lebenswerter zu machen.
Wichtige Erkenntnisse
- Das «Tramnetz 2030» verbessert Pünktlichkeit und erschliesst neue Gebiete.
- Die Innenstadt soll durch neue Tramverbindungen entlastet werden.
- Petersgraben und Fischmarkt erhalten ein neues Gesicht mit Fokus auf Grünflächen und Aufenthaltsqualität.
- Infrastrukturprojekte werden künftig multifunktional geplant, um Klima- und Freiraumziele zu erreichen.
Das «Tramnetz 2030» im Detail
Das «Tramnetz 2030» ist mehr als nur eine technische Optimierung. Es ist eine strategische Initiative, die darauf abzielt, das Basler Schienennetz widerstandsfähiger zu gestalten. Geplante Eingriffe konzentrieren sich auf kurze Gleisabschnitte, die jedoch eine grosse Wirkung entfalten sollen. Dazu gehört die Verbindung durch den Margarethenstich, die es der Tramlinie 17 ermöglicht, direkt über das Gundeli zum Bahnhof zu fahren.
Ein zentraler Bestandteil ist der sogenannte Shortcut über den Petersgraben. Dieser verbindet den Barfüsserplatz mit der Schifflände. Diese neue Verbindung ist entscheidend, um die Innenstadt von Tramverkehr zu befreien. Eine solche tramfreie Innenstadt wird von Initiativen wie «Go Basel Go» seit Langem gefordert. Die Stadtverwaltung rechnet mit einer deutlichen Entlastung des Zentrums.
Faktencheck
- Knapp 500 Meter neue Schienen am Petersgraben ermöglichen die Umfahrung der Innenstadt.
- Das Projekt soll zur Klimaneutralität Basels bis 2037 beitragen.
Petersgraben: Vom Graben zur modernen Achse
Der Petersgraben war einst die Stadtgrenze Basels, ein Ort zwischen innerer und äusserer Stadtmauer, geprägt von Gartenanlagen. Heute ist er eine wichtige Erschliessungsachse, hauptsächlich für Velos und Busse. Trotz seiner vielfältigen Struktur und der relativ geringen Verkehrsbelastung halten sich im Alltag wenige Menschen hier auf.
Mit dem Bau des Tramnetzes bietet sich die Gelegenheit, dem Petersgraben ein neues Gesicht zu verleihen. Insbesondere der obere Bereich, der sich zum Petersplatz hin öffnet, hat viel Potenzial für eine zukünftige Gestaltung. Hier könnten neue Grünflächen entstehen, die zum Verweilen einladen und die Aufenthaltsqualität erheblich steigern.
Die Bauarbeiten am Petersgraben werden voraussichtlich mit dem Sockelbau des Klinikums 2 zusammenfallen. Diese zeitliche Überschneidung ist eine Chance, Synergien zu nutzen. Statt nur technische Probleme zu lösen, können gestalterische Elemente von Anfang an in die Planung einfliessen. Dies könnte den Auftakt der Strasse bei der Predigerkirche nachhaltig aufwerten.
«Infrastrukturprojekte müssen heute mehr können, als nur Verkehrsprobleme zu lösen. Sie sind eine Chance für die Stadtentwicklung und die Lebensqualität.»
Die heterogene Struktur des Petersgrabens
Der Petersgraben ist ein Strassenzug mit unterschiedlichen Gesichtern. Im oberen Bereich prägen Universitätsbauten mit Längsfassaden das Bild. Weiter unten orientieren sich die Gebäude mit ihrer Stirnfassade zur Strasse. Der Strassenquerschnitt verbreitert sich vom Blumenrain bis zur Spalenvorstadt kontinuierlich. Diese Vielfalt macht den Petersgraben zu einem spannenden Ort für eine Neugestaltung, die seine historische Bedeutung würdigt und gleichzeitig zukunftsweisende Akzente setzt.
Fischmarkt: Vom Platz zum Verkehrsknotenpunkt und zurück
Der Fischmarkt, nur wenige Gehminuten vom Petersgraben entfernt, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich ein belebter Platz, wurde er in den letzten 150 Jahren mehrfach umgestaltet. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Überdeckung der Birsig, was den Abriss mehrerer Häuser und die Schaffung neuer Verbindungen, insbesondere zum Marktplatz, zur Folge hatte.
Rund fünfzig Jahre später, mit dem Bau des Spiegelhofs im Jahr 1936, erfuhr der Fischmarkt eine weitere Transformation. Zusammen mit der Kantonalbank bildete dieses Gebäude ein überdimensioniertes Bauvolumen, das die Stadtkörnung stark beeinflusste. Die Spiegelgasse wurde zu einer Einfallstrasse ins Stadtzentrum, und die Strassenflucht bis zum Rümelinsplatz für den Verkehr erweitert. Auch wenn die Autoerschliessung heute im Parkhaus Storchen endet, bleibt die verkehrsoptimierte Achse vom Blumenrain bis zur Kreuzung Spalenberg-Münzgasse bestehen.
Historischer Hintergrund
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte Hans Bernoulli, dass der Fischmarkt dem Verkehr geopfert wurde. Er erarbeitete Vorschläge, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Der Fischmarktbrunnen, oft als schönster gotischer Brunnen der Schweiz bezeichnet, ist heute eine der wenigen Erinnerungen an den ursprünglichen Charakter des Platzes.
Der Fischmarkt wurde zu einem Wendepunkt für Tram und Bus umfunktioniert. Buslinien wie die 33 und 36 wenden über Marktplatz, Eisengasse und Schifflände. Die französischen DistriBus-Linien biegen direkt in die Marktgasse zum Blumenrain ab. Diese Verkehrsdichte erfordert mehrere Fahrspuren und prägt das Bild des ehemaligen Platzes stark.
Multifunktionale Projekte für eine klimaneutrale Stadt
Das «Tramnetz 2030» ist eng mit dem Ziel verbunden, Basel-Stadt bis 2037 klimaneutral zu machen. Dies erfordert eine ganzheitliche Planung, bei der Verkehr, Klima und stadträumliche Aufwertung miteinander verknüpft werden. Projekte dürfen nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern müssen mehrere Bedürfnisse gleichzeitig abdecken.
Neben dem öffentlichen Verkehr sollen auch Velofahrende und Fussgänger besser berücksichtigt werden. Die Optimierung des Tramnetzes bietet die einmalige Gelegenheit, die Verkehrssituation am Fischmarkt neu zu denken. Ein attraktiver Ankunftsplatz für die Innenstadt könnte entstehen, der nicht nur funktional ist, sondern auch eine hohe Aufenthaltsqualität bietet.
Ein klug integriertes Tramtrasse im Petersgraben könnte nicht nur das Stadtzentrum entlasten, sondern auch dieser Strasse zahlreiche Mehrwerte bringen. Der ehemals grosszügig bepflanzte Stadtgraben sollte zu einem zukunftsweisenden, klimaadaptierten Strassenraum für alle weiterentwickelt werden. Dies bedeutet mehr Grünflächen, verbesserte Wege für den Langsamverkehr und eine höhere Lebensqualität für Anwohner und Besucher.
- Nachhaltige Entwicklung: Projekte sollen Klima- und Freiraumziele integrieren.
- Verkehrsberuhigung: Entlastung der Innenstadt durch neue Tramverbindungen.
- Grünflächen: Mehr Bäume und Pflanzen für ein besseres Stadtklima.
- Aufenthaltsqualität: Attraktivere Plätze für Fussgänger und Velofahrende.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie Basel diese Chance nutzt, um seine Infrastruktur zu modernisieren und gleichzeitig die Lebensqualität in der Stadt nachhaltig zu verbessern. Die Bürger dürfen gespannt sein auf die Veränderungen, die das «Tramnetz 2030» mit sich bringen wird.





