Der Zoo Basel, liebevoll «Zolli» genannt, blickt auf ein ereignisreiches Jahr im Vivarium zurück. Besucher erleben neue Arten wie die faszinierende Fühlerschlange, während hinter den Kulissen bedeutende Zuchterfolge bei bedrohten Reptilien und Amphibien gefeiert wurden. Diese Entwicklungen zeigen das Engagement des Zoos für Artenschutz und Biodiversität.
Wichtigste Punkte
- Erste öffentliche Sichtung der seltenen Fühlerschlange im Zoo Basel.
- Erfolgreiche Zucht des Kleinen Antillenleguans, eine Schweizer Erstnachzucht.
- Ausbau der Zuchtprogramme für bedrohte Arten im Rahmen von Citizen Conservation.
- Ankunft neuer, zuchterprobter Tannenzapfenechsen aus privater Haltung.
- Abschied vom Stirnlappenbasilisken und hohes Alter des Tigerpythons.
Die Fühlerschlange: Ein neues Wunder im Vivarium
Seit Ende letzten Jahres können Besucher des Zoo Basel eine besondere Neuheit entdecken: die Fühlerschlange (Erpeton tentaculatum). Obwohl das Tier bereits länger im Vivarium lebt, ist es nun erstmals in Schaubecken 31 zu sehen.
Die Fühlerschlange ist für ihre zwei etwa 1,5 Zentimeter langen Fortsätze am Kopf bekannt. Diese «Fühler» dienen ihr zur präzisen Ortung von Beutetieren im trüben Wasser. Sie ist ein Meister der Tarnung und des Lauerjägertums.
Fakten zur Fühlerschlange
- Länge: Bis zu 90 cm
- Heimat: Sümpfe, Seen und Reisfelder in Thailand, Kambodscha und Südvietnam
- Gift: Sehr schwach, für Menschen ungefährlich
- Haltung in Europa: Nur in vier weiteren Zoos
Die Schlange wartet regungslos im Wasser, den Vorderkörper J-förmig gekrümmt. Durch feine Muskelzuckungen lockt sie Fische an und schnappt dann blitzschnell zu. Obwohl die Art nicht als gefährdet gilt, ist ihre Haltung in europäischen Zoos selten.
Zuchterfolge und neue Bewohner: Die Tannenzapfenechse
Ein weiteres Highlight ist die Tannenzapfenechse (Tiliqua rugosa). Ihr Name leitet sich von ihrem einzigartigen Aussehen ab: grosse, raue Schuppen und ein kurzer, dicker Schwanz, der dem Kopf ähnelt. Diese Echsen erreichen eine Länge von 35 bis 40 Zentimetern.
Im vergangenen Jahr erwarb der Zoo Basel drei zuchterprobte Paare dieser seltenen Echsen aus einer privaten Haltung in Deutschland. Dort wurde die Art über Jahrzehnte erfolgreich gezüchtet. Für sie wurde eine spezielle Zuchtstation hinter den Kulissen eingerichtet.
Herausforderungen bei der Zucht
Die Zucht der Tannenzapfenechse ist anspruchsvoll. Die Tiere sind Kapazitätsstrategen, was bedeutet, dass ihre Würfe oft nur aus einem oder zwei Jungtieren bestehen. Diese sind bei der Geburt bereits fast halb so gross wie die Mutter. Zudem vermuten Experten ein monogames Paarungsverhalten, was die Vermehrung zusätzlich erschwert.
Die Tannenzapfenechse stammt aus dem südlichen Australien und ernährt sich hauptsächlich von Pflanzen, nimmt aber auch Schnecken und Würmer auf. Während der kalten Monate zieht sie sich zur Winterruhe zurück, wobei ihr dicker Schwanz als Fettspeicher dient. In Europa gibt es nur rund 20 dieser Tiere in sechs Zoos.
Citizen Conservation: Gemeinsam für bedrohte Arten
Der Zoo Basel engagiert sich stark in der Initiative «Citizen Conservation». Diese 2018 gegründete Plattform vernetzt Zoos, Wissenschaftler und private Halter, um bedrohte Tierarten zu schützen. Die Expertise erfahrener Privathalter ist dabei oft entscheidend für nachhaltige Zuchterfolge.
Die Initiative betreut mittlerweile Erhaltungszuchtprogramme für 31 bedrohte Arten. Der Zoo Basel ist nicht nur im Aufsichtsrat und Fachbeirat aktiv, sondern beteiligt sich auch erfolgreich an der Zucht der vom Aussterben bedrohten Rio-Pescado-Harlekinkröte (Atelopus balios).
- Im letzten Jahr wurden 330 Kaulquappen erfolgreich aufgezogen.
- Davon fanden 190 Jungkröten eine neue Heimat in Schweizer Museen, schwedischen Schulzoos und deutschen Zoos.
- Insgesamt sind in Basel bereits über 500 Jungkröten geschlüpft.
Erste Schweizer Nachzucht des Kleinen Antillenleguans
Ein besonderer Erfolg ist die erstmalige Nachzucht des Kleinen Antillenleguans (Iguana delicatissima) in einem Schweizer Zoo. Diese Art ist auf den Kleinen Antillen beheimatet und gilt als vom Aussterben bedroht.
„Die erfolgreiche Nachzucht des Kleinen Antillenleguans ist ein Meilenstein für den Artenschutz. Sie zeigt, wie wichtig koordinierte Zuchtprogramme sind, um diese hochbedrohte Art zu erhalten.“
Die Einführung des Grünen Leguans hat viele Populationen verdrängt oder zur Hybridisierung geführt. Weltweit gibt es nur noch geschätzte 13.000 bis 20.000 reine Tiere. Die Jungtiere im Zoo Basel stammen von Tieren ab, die 2018 aus einer Beschlagnahmung gerettet wurden. Ihre Aufzucht erfolgte unter streng kontrollierten Bedingungen hinter den Kulissen.
Sakishima-Langschwanzeidechse: Auch hier Erfolge
Neu in das Programm aufgenommen wurde die Sakishima-Langschwanzeidechse (Takydromus dorsalis). Diese Eidechse stammt von den japanischen Yaeyama-Inseln und ist aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraums stark gefährdet. Seit 2020 wird die Art im Zoo Basel erfolgreich gezüchtet.
Bisher wurden knapp 200 Nachzuchten registriert, davon allein 62 im vergangenen Jahr. Diese Erfolge unterstreichen die wichtige Rolle des Zoos im internationalen Artenschutz.
Abschied und Alterserscheinungen
Neben Neuzugängen und Zuchterfolgen gehören auch Verluste zum Alltag im Vivarium. Im vergangenen Jahr starb der letzte Stirnlappenbasilisk (Basiliscus plumifrons). Angesichts der Bedeutung dieser Art für die Stadt Basel bemüht sich der Zolli um Nachzuchten derselben oder einer eng verwandten Art.
Auch der Tigerpython (Python bivittatus) zeigt altersbedingte Veränderungen. Das Weibchen, das seit dem 21. Juli 1991 im Vivarium lebt, hat deutlich an Körpermasse verloren. Mit über 34 Jahren übertrifft es das in der Literatur angegebene Maximalalter und gehört zu den fünf ältesten Tigerpythons in europäischen Zoos. Dies zeugt von der hervorragenden Pflege und den langen Lebensspannen, die Tiere im Zoo Basel erreichen können.
Wissenswertes zum Tigerpython
- Alter: Über 34 Jahre (weibliches Tier im Zolli)
- Status: Gehört zu den fünf ältesten Tigerpythons in europäischen Zoos
- Lebensdauer: Übertrifft das in der Literatur angegebene Maximalalter
Der Zoo Basel setzt seine Arbeit fort, um die Vielfalt der Reptilien und Amphibien zu erhalten und den Besuchern einzigartige Einblicke in die Tierwelt zu ermöglichen. Die Mischung aus öffentlichen Präsentationen und engagierter Hintergrundarbeit im Artenschutz bleibt ein zentraler Pfeiler der Zoo-Philosophie.





