Die Tierkommunikation erfreut sich in der Schweiz zunehmender Beliebtheit. Immer mehr Menschen suchen Wege, ihre tierischen Begleiter besser zu verstehen. Gleichzeitig gibt es anhaltende Debatten über die wissenschaftliche Grundlage und die Grenzen dieser Praxis.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Nachfrage nach Tierkommunikation und entsprechenden Ausbildungen steigt in der Schweiz deutlich.
- Anbieter wie Nadine Plüss nutzen telepathische Wahrnehmung und Energiearbeit, um Tieren zu helfen.
- Die Begriffe «Tierkommunikatorin» und «Tierkommunikator» sind nicht staatlich geschützt; kurze Kurse reichen oft für ein Diplom.
- Tierärzte äussern Skepsis und warnen vor Schäden, wenn Tierkommunikation medizinische Behandlungen ersetzt.
- Befürworter sehen die Methode als Ergänzung zur Schulmedizin, Kritiker fordern wissenschaftliche Belege.
Ein Blick in die Praxis der Tierkommunikation
Auf dem Gnadenhof «Animal's Soul» in Stein AG steht Nadine Plüss einer Stute namens Luana gegenüber. Ohne direkten Kontakt, nur mit den Händen über dem Pferdekörper, beginnt eine Aponi-Therapie. Luanas Atmung wird tiefer, ihr Kopf senkt sich, sie gähnt. Für Plüss ist dies ein Zeichen, dass Anspannung und Stress weichen.
Diese Momente sind Teil von Plüss' Arbeit. Sie möchte Tieren mit schwieriger Vergangenheit unentgeltlich helfen. Auf ihrer Website «Animal Talk» bietet sie neben der Aponi-Therapie auch telepathische Tierkommunikation, die Suche nach vermissten Tieren und Sterbebegleitung an. Dies sind bezahlte Dienstleistungen.
Wissenswertes zur Aponi-Therapie
- Die Aponi-Therapie kombiniert sanfte Berührungen mit Energiearbeit.
- Ziel ist es, Blockaden zu lösen und emotionalen Stress abzubauen.
- Sie soll Entspannung und Wohlbefinden bei Tier und Mensch fördern.
- Für diese Methode gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
Boom in der Schweiz: Steigendes Interesse und Ausbildungsmöglichkeiten
Die Tierkommunikation ist in der Schweiz im Trend. Nadine Plüss bestätigt einen deutlichen Anstieg des Interesses. Viele Menschen möchten ihre Tiere besser verstehen. Dies zeigt sich auch in der wachsenden Zahl an Ausbildungsangeboten. Einige Kurse sind bereits ausgebucht.
Der Begriff «Tierkommunikator» ist in der Schweiz nicht staatlich geschützt. Es gibt keine offizielle, anerkannte Ausbildung. Bei Anbietern wie «Seelenkraft» können Interessierte bereits nach einem siebentägigen Kurs mit 65 Lektionen ein Diplom als Fachperson für Tierkommunikation erhalten. Die Kosten für einen solchen Kurs betragen rund 1650 Franken.
Plüss selbst hat keinen klassischen Ausbildungsweg. Ihre Fähigkeiten hätten sich über Jahre entwickelt, basierend auf persönlichen Erfahrungen und einem natürlichen Zugang zu Tieren seit ihrer Kindheit.
Wie funktioniert Tierkommunikation?
Nadine Plüss benötigt nach eigener Aussage keinen direkten Kontakt zu den Tieren. Sie empfängt Informationen über zugeschickte Fotos. Dabei nimmt sie inneres Wissen, Stimmungen, Fragmente oder Farben wahr. Diese Eindrücke übersetzt sie dann in menschliche Sprache.
Sie betont, dass dies weder Magie noch Gedankenlesen sei. Es gehe um eine achtsame Form der Wahrnehmung. Plüss sieht ihre Arbeit als Ergänzung und nicht als Ersatz für Tierärzte, Trainer oder Therapeuten. Sie berichtet von Tierärzten, die Kunden an sie verweisen, besonders wenn Tiere emotionale oder energetische Unterstützung benötigen oder keine klaren medizinischen Ursachen für Probleme gefunden werden.
«Ich lade lediglich dazu ein, offenzubleiben, für das, was sich vielleicht nicht erklären, aber erleben lässt.» – Nadine Plüss
Telepathische Tiersuche: Eine weitere Dienstleistung
Neben der direkten Tierkommunikation bietet Plüss auch die telepathische Suche nach vermissten Tieren an. Dabei empfängt sie Bilder, Gefühle oder Impulse, die Hinweise auf die Umgebung des Tieres geben können. Dies können Informationen über Richtungen, Menschen, Gebäude, Wasser, Wälder oder den emotionalen Zustand des Tieres sein. Auch hier betont sie, dass dies eine Ergänzung zur physischen Suche ist und diese nicht ersetzt.
Hintergrund: Wissenschaftliche Anerkennung
Ein zentraler Punkt in der Diskussion um Tierkommunikation ist die fehlende wissenschaftliche Grundlage. Methoden wie die Aponi-Therapie oder die telepathische Kommunikation sind nicht durch anerkannte Studien belegt. Dies führt zu Skepsis in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und bei vielen Tierärzten.
Kritik aus der Tiermedizin: Gefahren und Grenzen
Roberto Mossi, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST), äussert sich kritisch zur Tierkommunikation. Er fordert eine klare Unterscheidung zwischen subjektiven Wahrnehmungen und überprüfbaren Fakten, besonders wenn es um die Tiergesundheit geht.
Mossi ist überzeugt, dass telepathische Tiersuchen und diese Art der Tierkommunikation nicht zuverlässig funktionieren. Er betont, dass Tierärzte sich an wissenschaftlich überprüfbaren Erkenntnissen orientieren.
«Tierkommunikation kann dem Tier schaden, wenn sie anstelle der Medizin eingesetzt wird.» – Roberto Mossi
Der Präsident der GST warnt eindringlich davor, Tierkommunikation als Ersatz für eine tierärztliche Abklärung oder Behandlung zu nutzen. Werde versucht, gesundheitliche Fragen ausschliesslich über Tierkommunikation zu klären, bestehe das Risiko, wichtige Befunde zu übersehen oder notwendige Behandlungen zu versäumen. Dies kann dem Tier ernsthaften Schaden zufügen.
Nadine Plüss zeigt Verständnis für die Kritik. Sie räumt ein, dass ihre Arbeit nicht greifbar oder messbar ist und nicht in klassische Kategorien passt. Sie wünscht sich jedoch einen respektvollen Umgang mit der Kritik und lädt dazu ein, offen für neue Erfahrungen zu bleiben.





