An der Elsässerstrasse 111 in Basel hat ein neuer Gemischtwarenladen seine Türen geöffnet. Das Konzept vereint Einzelhandel, soziale Begegnungsstätte und Dienstleistungen. Der Laden, der seit einem Monat das Quartier St. Johann bereichert, will mehr sein als nur ein Geschäft. Er bietet eine bunte Mischung aus Produkten und Dienstleistungen.
Wichtigste Punkte
- Der Gemischtwarenladen an der Elsässerstrasse 111 ist ein Hybrid aus Laden, Treffpunkt und Dienstleister.
- Das Kollektiv hinter dem Projekt möchte einen unkommerziellen Raum für das Quartier schaffen.
- Neben Kioskwaren und Secondhand-Artikeln gibt es auch Friseurdienste und Nagelpflege.
- Die Finanzierung des unkommerziellen Teils ist eine Herausforderung, soll aber durch Ladeneinnahmen gestützt werden.
- Der Laden ist donnerstags bis samstags für jeweils vier Stunden geöffnet und erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ein vielseitiges Angebot für das Quartier
Der Gemischtwarenladen fällt mit seinem vielfältigen Angebot sofort ins Auge. Hinter den grossen Schaufenstern finden sich Haushaltsartikel, Getränke, Secondhand-Kleidung und Printmagazine. Besucher können hier aber nicht nur einkaufen. Es gibt auch die Möglichkeit, sich die Haare schneiden oder glitzernde Gelnägel machen zu lassen. Diese Kombination macht den Laden zu einem einzigartigen Anlaufpunkt in St. Johann.
Das Projekt ist das Ergebnis einer kollektiven Initiative. Eine Gruppe kreativer Köpfe hat sich zusammengefunden, um diesen besonderen Ort zu schaffen. Sie sehen den Laden als Beitrag zur Quartierentwicklung, besonders angesichts der Veränderungen in der Umgebung. Die Lage an der viel befahrenen Elsässerstrasse, nahe dem Entwicklungsareal Volta Nord, ist strategisch gewählt.
Faktencheck
- Adresse: Elsässerstrasse 111, Basel
- Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag, jeweils vier Stunden
- Gründung: Eröffnung vor etwa einem Monat
- Produkte: Kioskwaren, Haushalt, Secondhand, Printmagazine, Schmuck, Schallplatten, Tabak, Getränke
- Dienstleistungen: Haarschnitt, Gelnägel
Die Entstehung einer Quartieridee
Die Idee für den Gemischtwarenladen entstand in Freundeskreisen. Angesichts der Gentrifizierung im Quartier wollten die Initiatoren etwas Eigenes und Lokales schaffen. Viele der Beteiligten leben im Umkreis von ein bis zwei Kilometern. Sie haben eine starke persönliche Verbindung zu St. Johann.
Der Kontakt zum Vermieter der Elsässerstrasse 111 ergab sich zufällig. Das ehemalige Weingeschäft suchte eine Nachfolge. Eine erste Versammlung auf der Voltamatte im August brachte rund 20 Personen zusammen. Viele brachten eigene Ideen ein. Eine Kerngruppe von acht Personen entwickelte dann das finale Konzept. Sie gründeten den Verein «Freunde des Gemischtwarenladens» und suchten nach Finanzierungsmöglichkeiten.
«Angesichts der Gentrifizierung rundherum wollten wir im Quartier etwas schaffen, das von hier ist.» – Cilla und Rahel, Mitglieder des Kollektivs
Schnelle Umsetzung und erste Schritte
Nach der Schlüsselübergabe am 19. September ging alles sehr schnell. Das Kollektiv legte einige Bautage ein. Regale wurden montiert und Waren eingeräumt. Direkt am Eingang befindet sich nun ein Kioskbereich. Dort gibt es Tabak und Haushaltswaren wie Schwämme oder Spülmittel. Das Sortiment ist noch im Aufbau. Das Quartier ist eingeladen, Wünsche für neue Produkte zu äussern.
Die beiden Kühlschränke sind bereits gut gefüllt. Die Genossenschaft Getränkekollektiv liefert Limonaden, Wein und Bier. Eine Magazin-Ecke bietet gedruckte Hefte und grossformatige Poster. Der Laden ist ein Ort des Ausprobierens und der Anpassung an die Bedürfnisse der Anwohner.
Hintergrundinformationen
Das Quartier St. Johann in Basel befindet sich im Wandel. Zahlreiche Entwicklungen, wie das Areal Volta Nord, prägen das Bild. In solchen Phasen sind lokale Initiativen wichtig. Sie helfen, die Identität des Quartiers zu bewahren und neue soziale Treffpunkte zu schaffen. Der Gemischtwarenladen ist ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement in einem sich verändernden urbanen Umfeld.
Ein unkommerzieller Raum für die Gemeinschaft
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist der unkommerzielle Raum im hinteren Teil des Ladens. Dieser Bereich soll ein Ort zum Verweilen, Comic lesen und für soziale Treffen sein, ganz ohne Konsumzwang. Aktuell ist dieser Raum noch in Arbeit. Er beherbergt eine Küchenzeile und einen grossen Tisch mit Stühlen.
Die Finanzierung dieses unkommerziellen Bereichs stellt eine Herausforderung dar. Langfristig sollen die Einnahmen aus dem Kiosk helfen, die Miete für diesen Teil zu decken. Die Preise für die Kioskwaren sind moderat. Eine Packung Zweifel-Chips kostet zum Beispiel 1.20 Franken, ein WC-Reiniger 4 Franken und eine Rolle WC-Papier 50 Rappen. Aktuell erzielen sie damit noch keinen grossen Gewinn, aber Preisanpassungen sind möglich.
- Kosten Kioskwaren:
- Zweifel-Chips: 1.20 CHF
- WC-Reiniger: 4.00 CHF
- WC-Papier (Rolle): 0.50 CHF
Engagement und Zukunftsaussichten
Die Mitglieder des Kollektivs arbeiten ehrenamtlich. Die Mitwirkung ist ein nebenberufliches Engagement für alle Beteiligten. Lohnkosten fallen daher nicht an. Dies ist ein wichtiger Faktor für die finanzielle Tragfähigkeit des Projekts. Doch die langfristige Sicherung des Betriebs bleibt eine Herausforderung. Mitgliedsbeiträge und Spenden reichen noch nicht aus.
Cilla und Rahel äussern sich besorgt über die finanzielle Situation. Dennoch sind sie optimistisch. Sie haben Vertrauen in den Erfolg des Projekts. Im schlimmsten Fall müssten sie den Mietvertrag kündigen, doch diesen Schritt wollen sie vermeiden. Die bisherigen Reaktionen stimmen positiv. Zur Eröffnung waren viele Menschen anwesend. Auch seither kommen regelmässig Neugierige und Quartierbewohner vorbei.
Mit wärmeren Tagen und mehr Menschen auf der gegenüberliegenden Voltamatte könnte die Lage des Gemischtwarenladens noch vorteilhafter werden. Die Möglichkeit, spontan Snacks und Getränke zu kaufen, bietet Potenzial für zusätzliche Einnahmen. Der Gemischtwarenladen ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie ein Gemeinschaftsprojekt ein Quartier bereichern kann.





