Die aktuelle Ausstellung «Schatzfunde» im Historischen Museum Basel bietet einen tiefen Einblick in die reiche Vergangenheit der Region. Objekte der Archäologie Baselland zeigen, wie zufällige Entdeckungen unser Verständnis der Geschichte verändern. Kantonsarchäologe Dr. Reto Marti beleuchtet die Bedeutung dieser oft über Jahrhunderte verborgenen Artefakte.
Wichtige Erkenntnisse
- Schatzfunde sind Momentaufnahmen vergangener Zeiten.
- Sie geben Aufschluss über Alltagsgegenstände und kostbare Objekte.
- Die Region Baselland ist reich an Hortfunden, oft dank ehrenamtlicher Helfer.
- Unsichere Zeiten des Römischen Reiches brachten viele Vergrabungen mit sich.
- Die Ausstellung im Historischen Museum läuft bis zum 28. Juni 2026.
Die Bedeutung von Hortfunden für die Archäologie
Der Begriff «Schatzfund» umfasst eine Vielzahl von Umständen. Archäologen sprechen von «Horten». Diese können aus verschiedenen Gründen versteckt worden sein: als Vorsorge in Friedenszeiten, als Verlust in Notzeiten oder als bewusste Weihe an Gottheiten. Jede dieser Umstände gibt der Forschung wertvolle Informationen.
Ein wesentlicher Aspekt ist, dass solche Funde oft mehrere Objekte gleichzeitig umfassen. Dies ermöglicht eine genaue Momentaufnahme der Dinge, die in einer bestimmten Epoche in Gebrauch waren. Für die Datierung einzelner Fundstücke und die Interpretation des historischen Kontexts ist dies von grosser Bedeutung.
Wussten Sie schon?
Hortfunde bestehen oft aus wertvollen Gegenständen, die im Alltag selten verloren gehen. Ihre qualitativ hochwertige Ausführung macht sie handwerks- und kulturgeschichtlich besonders interessant.
Einblicke in vergangene Ereignisse
Konkrete Aussagen über historische Ereignisse sind möglich, wenn sich Funde präzise datieren lassen. Ein Beispiel sind Münzhorte. Diese wurden oft im Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen vergraben und nie wieder geborgen. Sie erzählen somit Geschichten von Flucht, Unsicherheit und Verlust.
Dr. Reto Marti betont die Wichtigkeit derartiger Funde:
«Solche Horte bieten eine Momentaufnahme von Dingen, die damals in derselben Zeit in Umlauf oder zumindest greifbar waren. Das kann für Fragen der Interpretation der einzelnen Fundstücke und der Datierung sehr wichtig sein.»
Baselland: Eine reiche Fundregion
Die Region Baselland zeichnet sich durch eine beachtliche Dichte an Hortfunden aus. Dies ist nicht zuletzt dem Engagement vieler ehrenamtlicher Prospektoren zu verdanken. Diese Personen suchen auch abseits der üblichen Siedlungszonen nach archäologischen Spuren. Dort, wo heute nicht systematisch gebaut und überwacht wird, verbergen sich oft die grössten Überraschungen.
Die Zusammenarbeit zwischen der offiziellen Archäologie und diesen Freiwilligen ist entscheidend. Sie erweitert das Wissen über abgelegene Fundzonen und trägt massgeblich zur Quellenkenntnis der Region bei.
Zeiten des Wandels und verborgene Schätze
Viele Hortfunde stammen aus den unsicheren Zeiten des Niedergangs des Römischen Reiches. Das ist historisch gut belegt. Der Silberschatz von Kaiseraugst ist hierfür ein bekanntes Beispiel. Andere Regionen, wie das nördliche Gallien oder der Donauraum, erlebten damals noch gravierendere Umwälzungen. Dort wurden teilweise immense Reichtümer vergraben und gerieten in Vergessenheit.
Historischer Kontext
Der Niedergang des Römischen Reiches, insbesondere vom 3. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr., war eine Periode grosser politischer, wirtschaftlicher und militärischer Instabilität. Viele Menschen versteckten ihre Wertsachen in der Hoffnung, sie später wieder bergen zu können. Zahlreiche dieser Verstecke blieben jedoch unentdeckt.
Die Rolle der Archäologie Baselland
Die Archäologie Baselland war von Beginn an eng in die Konzeption der Ausstellung im Historischen Museum involviert. Gemeinsam mit der Römerstadt Augusta Raurica pflegte man einen engen Austausch mit der Kuratorin Pia Kamber. Dadurch konnten viele «Schatzfunde» aus dem direkten regionalen Umfeld in der Ausstellung präsentiert werden.
Die Region trug auch zur thematischen Vielfalt der gezeigten Ensembles bei. Dies zeigt die Bedeutung der lokalen Funde für das Gesamtbild der Schweizer Archäologie.
Faszination für einzigartige Funde
Dr. Marti berichtet von persönlichen Erfahrungen mit spektakulären Funden. Baselland gehörte zu den ersten Kantonen, die gezielt die Unterstützung ehrenamtlicher Prospektoren suchten. Dies war, wie geschildert, bei Hortfunden entscheidend.
- Der Keltenschatz von Füllinsdorf nahm im Laufe der Untersuchungen immer grössere Dimensionen an.
- Die Glocken von Angenstein erforderten einiges kriminalistisches Gespür bei ihrer Auffindung.
- Der «Delfin von Munzach», eine hochwertige bronzene Brunnenfigur, wurde zwar vor seiner Zeit entdeckt, doch Marti inventarisierte ihn als Student. Eine neue Visualisierung in der Ausstellung zeigt, wie das «Meerwesen» einst einen Zierbrunnen schmückte.
Marti hat keinen klaren Favoriten unter den Funden. Er sagt:
«Sie alle haben auf ihre Weise eine spannende Geschichte zu erzählen. Das macht diese Ausstellung ja auch so wunderbar abwechslungsreich.»
Zukünftige Entdeckungen und die Ausstellung
Erst kürzlich machte die Archäologie Baselland mit neuen Entdeckungen auf sich aufmerksam, wie den Goldmünzen bei Arisdorf. Es ist davon auszugehen, dass weitere Hortfunde oder besondere Einzelobjekte in Zukunft entdeckt werden. Die Frage, wie diese Objekte an ihren Fundort gelangten, bleibt oft ein Rätsel und treibt die Forschung an.
Die Ausstellung «Schatzfunde» im Historischen Museum Basel ist noch bis zum 28. Juni 2026 geöffnet. Sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, die verborgenen Schätze der Region zu entdecken und mehr über unsere Vergangenheit zu erfahren.





