Der Basler Regierungsrat hält an der geplanten Verschärfung der Absenzenregelung für Gymnasien fest. Dies gab die Regierung als Antwort auf eine Petition von über 1000 Schülerinnen und Schülern bekannt. Künftig müssen Schülerinnen und Schüler mindestens 80 Prozent des Unterrichts besuchen, um zur Matura zugelassen zu werden. Die Jugendorganisation, die die Petition initiierte, zeigte sich enttäuscht.
Wichtige Punkte
- Basler Regierungsrat bestätigt neue Absenzenregelung für Gymnasien.
- Mindestens 80 Prozent Präsenzzeit sind für die Matura-Zulassung erforderlich.
- Über 1000 Gymnasiasten hatten eine Petition gegen die Regelung unterschrieben.
- Die Regierung betont die Wichtigkeit des Präsenzunterrichts für den Schulerfolg.
- Kritiker befürchten erhöhten Leistungsdruck und fehlende Unterstützung.
Regierungsrat verteidigt Entscheidung
Das Erziehungsdepartement Basel-Stadt hat in den letzten Monaten ein Konzept erarbeitet, das die Zusammenarbeit von Lehr- und Fachpersonen bei der Prävention und Früherkennung von Absentismus klären soll. Das Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu unterstützen, wenn Absenzen auf tieferliegende Probleme hindeuten.
Der Regierungsrat bedankte sich in seinem Schreiben an die Petenten für ihren «solidarischen Einsatz». Er betonte jedoch, dass er nicht von der neuen Regelung abweichen werde. Die Regierung sieht im Präsenzunterricht eine unverzichtbare Grundlage für den Schulerfolg und die Entwicklung wichtiger Kompetenzen.
Faktencheck
- Die Absenzen haben seit der Corona-Pandemie zugenommen.
- Die neue Regelung verlangt eine 80-prozentige Anwesenheit.
- Mehr als 1000 Gymnasiasten unterzeichneten die Petition.
Wichtigkeit des Präsenzunterrichts
Laut dem Regierungsrat werden im Präsenzunterricht entscheidende Kompetenzen eingeübt. Der direkte Austausch mit Lehrpersonen und Mitschülerinnen und Mitschülern fördert wichtige Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Dies gelte für alle Fächer, von der kritischen Auseinandersetzung mit Inhalten bis hin zu praktischen Anwendungen und Experimenten.
Der Regierungsrat räumt ein, dass in speziellen Situationen weiterhin Ausnahmen möglich sind. Diese Ausnahmen sollen flexibel gehandhabt werden, um individuellen Notlagen Rechnung zu tragen.
«Egal in welchem Fach: Präsenzunterricht ist unverzichtbar für die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten, für Debatten im Klassenkontext, für praktische Anwendungen oder Experimente.»
Die Sicht der Petenten: Enttäuschung und Kritik
Die Jugendorganisation «Freie Arbeiter*innen Jugend Basel» (FAJ), welche die Petition lancierte, äusserte sich enttäuscht über die Antwort des Regierungsrats. Ruben und Jenny, Vertreter der Organisation, betonten, dass sie erwartet hätten, dass die Regierung die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler ignoriert.
Sie kritisierten, dass die Schule ein Ort der Bildung, des Lernens und der Gemeinschaft sein sollte. Aktuell präge jedoch ein hoher Leistungsdruck den Alltag vieler Jugendlicher. Eine Verschärfung der Absenzenregelung würde dieses Problem ihrer Meinung nach nicht lösen, sondern verschlimmern.
Hintergrund der Diskussion
Die Debatte um Absenzenregelungen ist nicht neu. Besonders nach Phasen des Fernunterrichts, wie während der Corona-Pandemie, rückte die Bedeutung von Präsenzzeiten wieder stärker in den Fokus. Viele Bildungsinstitutionen suchen nach Wegen, um die Anwesenheit zu fördern und gleichzeitig auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einzugehen.
Forderung nach mehr Unterstützung
Jenny, die selbst während ihrer Gymnasialzeit mit psychischen Problemen kämpfte, forderte einen dringenden Ausbau des Unterstützungsnetzwerks für Schülerinnen und Schüler mit psychischen Belastungen. Sie betonte, dass es wichtig sei, dass Jugendliche die Möglichkeit haben, sich eine Auszeit zu nehmen, wenn dies nötig ist.
Die Petentinnen und Petenten wollen nun das Gespräch mit dem Erziehungsdepartement suchen, um einen Kompromiss zu finden. Die Jugendorganisation schliesst weitere Massnahmen nicht aus, lässt aber offen, welche Schritte dies konkret wären. Vorerst setze man auf gemeinsame Gespräche, um eine Einigung zu erzielen.
Auswirkungen auf den Schulerfolg
Absentismus wird vom Erziehungsdepartement als Risiko für den Schulerfolg eingestuft und oft als Symptom eines tieferliegenden Problems interpretiert. Die Regierung möchte sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler in Notlagen die notwendige Unterstützung erhalten.
Die Gegner der Regelung befürchten jedoch, dass die erhöhte Anwesenheitspflicht den Druck auf die Schüler weiter erhöht, anstatt die Ursachen für Absenzen zu beheben. Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Gespräche zu einer Lösung führen, die sowohl den Anforderungen der Bildungsinstitution als auch den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird.
- Die Petition wurde von über 1000 Schülern unterzeichnet.
- Die FAJ fordert einen Ausbau des Unterstützungsnetzwerks.
- Gespräche mit dem Erziehungsdepartement sind geplant.





