Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt hat der Erstüberweisung einer Motion zur Schaffung eines Berufsbildungsfonds zugestimmt. Dieser Fonds soll die duale Berufsbildung in der Region stärken und den Fachkräftenachwuchs sichern. Alle Betriebe im Kanton sollen einen jährlichen Solidaritätsbeitrag leisten, der auf ihrer AHV-pflichtigen Lohnsumme basiert. Die Befürworter sehen darin eine notwendige Investition in die Zukunft.
Wichtige Punkte
- Der Grosse Rat Basel-Stadt hat der Erstüberweisung für einen Berufsbildungsfonds zugestimmt.
- Alle Betriebe sollen einen jährlichen Solidaritätsbeitrag leisten, basierend auf der AHV-Lohnsumme.
- Die Mittel des Fonds sind zweckgebunden für die Förderung der Berufsbildung.
- Linke Parteien unterstützen den Vorstoss, bürgerliche Parteien äussern Bedenken.
- Ein ähnlicher Vorstoss aus dem Jahr 2005 wurde damals nicht umgesetzt.
Ein Solidaritätsbeitrag für die Zukunft
Die Idee hinter dem neuen Berufsbildungsfonds ist klar: Die Ausbildung junger Fachkräfte ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Durch einen Solidaritätsbeitrag aller Unternehmen soll diese Verantwortung auf eine breitere Basis gestellt werden. Der Beitrag soll jährlich erhoben werden und sich nach der AHV-pflichtigen Lohnsumme eines Betriebs richten.
Die gesammelten Mittel sind ausschliesslich für die Förderung der Berufsbildung vorgesehen. Dies umfasst Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität von Lehrberufen, zur Verbesserung der Ausbildungsinfrastruktur und zur Unterstützung von Lernenden und Lehrbetrieben. Ziel ist es, den künftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften in Basel-Stadt zu decken.
Faktencheck Berufsbildung
- Rund zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz entscheiden sich für eine Berufslehre.
- Die duale Berufsbildung kombiniert praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsfachschule.
- Ein Mangel an Fachkräften kann die wirtschaftliche Entwicklung einer Region stark bremsen.
- Die Schweiz gilt international als Vorreiterin in der Berufsbildung.
Politische Debatte im Grossen Rat
Die Motion fand im Basler Grossen Rat eine Mehrheit. Die Fraktionen Mitte-EVP, SP, Grüne, Basta und GLP sprachen sich für die Erstüberweisung aus. Sie sehen in dem Fonds eine notwendige Investition. Ein Vertreter der Befürworter betonte, dass der Fonds nicht als Abgabe, sondern als Investition in den Fachkräftenachwuchs zu verstehen sei. Die Führung des Fonds soll schlank und paritätisch erfolgen, um Effizienz zu gewährleisten.
Auf der anderen Seite äusserten sich die bürgerlichen Fraktionen wie FDP, LDP und SVP kritisch. Daniel Hettich (LDP) warnte vor möglichen Mehrkosten für die Betriebe und einem erhöhten Verwaltungsaufwand. Er befürchtet, dass der Fonds zusätzliche bürokratische Hürden schaffen könnte.
"Ein solcher Fonds darf nicht als Abgabe, sondern als Investition verstanden werden, um den Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern."
Zweifel an der Wirksamkeit
Silvia Schweizer (FDP) zweifelte daran, dass ein kantonaler Fonds den Lehrlingsmangel in spezifischen Branchen lösen kann. Sie argumentierte, dass der Mangel oft nicht am Geld liege, sondern an der Attraktivität bestimmter Berufe oder der schulischen Eignung der Bewerber. Branchenspezifische Fonds wären ihrer Meinung nach effektiver als ein allgemeiner kantonaler Fonds.
Die Befürworter halten dagegen, dass ein breiter Ansatz notwendig sei, um alle Branchen zu erreichen und eine solide Basis für die gesamte Berufsbildung zu schaffen. Sie sehen den kantonalen Fonds als ein Zeichen der Solidarität und des gemeinsamen Engagements für die Ausbildung junger Menschen.
Historischer Kontext
Die Idee eines Berufsbildungsfonds ist in Basel nicht neu. Bereits im Jahr 2005 reichte der damalige Basta-Grossrat Rolf Häring eine ähnliche Motion ein. Diese wurde jedoch lediglich als unverbindlicher Anzug überwiesen und schliesslich abgeschrieben. Heidi Mück (Basta) zeigte sich erfreut, dass diese "alte Idee" nun wieder aufgegriffen wird und auf breitere Zustimmung stösst.
Die aktuelle politische Landschaft und der zunehmende Fachkräftemangel könnten dazu beitragen, dass dieser neue Anlauf erfolgreicher ist. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ist in vielen Sektoren hoch und wird voraussichtlich weiter steigen.
Nächste Schritte und Erwartungen
Nach der Erstüberweisung wird die Motion nun in den zuständigen Kommissionen des Grossen Rates weiterbehandelt. Dort werden die Details des Fonds, wie die genaue Ausgestaltung der Beiträge, die Verwaltung und die Vergabe der Mittel, erarbeitet. Es ist zu erwarten, dass die Diskussionen intensiv geführt werden, da unterschiedliche Interessen und Ansichten aufeinandertreffen.
Die Befürworter hoffen auf eine zügige Umsetzung, um die Basler Berufsbildung nachhaltig zu stärken. Sie betonen die Wichtigkeit einer langfristigen Strategie zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Eine starke Berufsbildung ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft.
Die Kritiker werden weiterhin auf die Vermeidung von bürokratischem Aufwand und unnötigen Belastungen für die Unternehmen drängen. Ein ausgewogenes Modell, das sowohl die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrbetriebe als auch die Anliegen der Wirtschaft berücksichtigt, ist das Ziel. Der Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren wird entscheidend sein, um eine tragfähige Lösung zu finden.





