Ein erheblicher Wasserschaden hat die Universitätsbibliothek Basel getroffen. Rund 3000 Bücher wurden durchnässt, nachdem bei Bauarbeiten auf dem Dach Wasser in das Gebäude eingedrungen war. Die Schäden erfordern eine aufwendige Spezialtrocknung, um die wertvollen Bestände zu retten.
Wichtige Fakten
- Rund 3000 Bücher in der Basler Universitätsbibliothek sind durch einen Wasserschaden beschädigt.
- Ursache war ein Leck in einer Wasserleitung während Dacharbeiten.
- Die nassen Bände werden von einer Spezialfirma mittels Vakuumgefriertrocknung behandelt.
- Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits vor drei Jahren.
- Die Direktion fordert eine umfassende Sanierung des Altbaus.
Umfangreicher Schaden im Freihandmagazin
Der Vorfall ereignete sich am Dienstagvormittag. Studierende, die im Freihandmagazin der Universitätsbibliothek (UB) Basel Bücher holen wollten, standen vor verschlossenen Türen. Die Abteilung musste wegen des Wasserschadens umgehend geschlossen werden. Das Wasser sickerte durch die Holzdecken und -böden der obersten drei Stockwerke des Altbaus an der Bernoullistrasse.
Alice Keller, die Direktorin der UB Basel, erklärte, dass Bauarbeiter auf dem Dach eine Wasserleitung geöffnet hatten. Dies führte zu einem Leck, durch das Wasser unkontrolliert in das Gebäude strömte. Die schnelle Reaktion war entscheidend, um noch schlimmere Folgen zu verhindern.
«Bei nassen Büchern muss man sofort reagieren, damit kein Schimmel entsteht und die Seiten nicht permanent gewellt werden», betonte Direktorin Alice Keller.
Unmittelbar nach der Entdeckung des Schadens begannen die Mitarbeiter der Bibliothek mit ersten Rettungsmassnahmen. Zahlreiche durchnässte Bände wurden aus den Regalen genommen und in drei zu diesem Zweck gesperrten Lesesälen aufgefächert und ausgelegt. Diese provisorische Trocknung diente dazu, die Bücher vor Schimmelbildung und dauerhaften Verformungen zu schützen, bis eine professionelle Lösung gefunden war.
Zahlen und Fakten zum Wasserschaden
- 3000 Bücher betroffen
- Schaden in den obersten drei Etagen des Altbaus
- Fünf Entfeuchtungsgeräte im Einsatz
- Betroffene Abteilungen: Freihandmagazin, Spezial- und Zeitschriftenlesesaal
Spezialisiertes Trocknungsverfahren rettet die Bücher
Für die langfristige Rettung der beschädigten Bücher wurde die Firma Docusave in Uetendorf BE beauftragt. Diese ist spezialisiert auf die Konservierung und Restaurierung von Kulturgut nach Wasserschäden. Der Prozess ist aufwendig und erfordert mehrere Schritte.
Zunächst werden alle betroffenen Bände rasch in ein Tiefkühllager einer Partnerfirma in Hägendorf SO gebracht. Dort wird das eingedrungene Wasser gefroren. Dies verhindert, dass das Wasser weitere Schäden verursacht, beispielsweise durch Ausbreitung oder Schimmelbildung.
Anschliessend werden die gefrorenen Bücher zu Docusave transportiert. Dort kommt ein spezielles Vakuumgefrierverfahren zum Einsatz. Bei dieser Methode wird das Eis in den Büchern nicht geschmolzen, sondern geht direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über. Dieser Sublimationsprozess verhindert Beschädigungen wie Schimmelpilzbildung, Verklebungen der Seiten oder dauerhafte Verformungen, die bei einer herkömmlichen Lufttrocknung oft auftreten.
Was ist Vakuumgefriertrocknung?
Die Vakuumgefriertrocknung ist eine Methode, bei der gefrorene Materialien unter Vakuum getrocknet werden. Das Eis sublimiert direkt zu Wasserdampf, ohne flüssig zu werden. Dies ist besonders schonend für empfindliche Materialien wie Papier, Leder und Pergament und minimiert Schäden im Vergleich zur konventionellen Trocknung.
Wasserränder oder Verfärbungen, die bereits vor dem Einfrieren entstanden sind, können jedoch auch durch dieses Verfahren nicht rückgängig gemacht werden. Die Methode ist generell für feuchte, nasse und sensible Materialien wie Papier, Leder und Pergament geeignet.
Sofortmassnahmen und Wiedereröffnung
Während der Rettungsarbeiten wurden nicht betroffene Regale mit Plastik abgedeckt, um sie zu schützen. Zudem kamen fünf Entfeuchtungsgeräte mit grossen Wassertanks zum Einsatz, um die Luftfeuchtigkeit im Gebäude zu senken und die Umgebung zu trocknen. Das defekte Ventil auf dem Dach, das den Wassereintritt verursachte, wurde noch am selben Tag ausgetauscht.
Dank dieser schnellen Reaktionen konnte das Freihandmagazin bereits am Mittwochnachmittag wieder für die Studierenden geöffnet werden. Der Spezial- und Zeitschriftenlesesaal bleiben jedoch bis auf Weiteres gesperrt, da sie für die Zwischenlagerung und Vorbereitung der Büchertrocknung genutzt werden.
Im Freihandmagazin der Basler UB befinden sich keine historischen Schätze, sondern modernere Sammlungen. Die meisten dieser Bücher sind prinzipiell ersetzbar, abgesehen von bereits vergriffenen Exemplaren. Schwieriger gestaltet sich der Ersatz bei bestimmten antiquarischen Bänden, wie beispielsweise arabischen Büchern, von denen viele im betroffenen Bereich standen, so Keller.
Langfristige Probleme und Sanierungsbedarf
Der genaue finanzielle Schaden lässt sich erst beziffern, wenn die Bücher getrocknet zurückkehren. Erst dann wird klar, welche Bände dauerhaft beschädigt sind und ersetzt werden müssen. Dieser Vorfall ist jedoch nicht der erste seiner Art.
Bereits vor drei Jahren gab es an einer ähnlichen Stelle einen Wasserschaden, wenn auch mit einer anderen Ursache. Die Wasserleitungen in der UB sind alt, was immer wieder zu Problemen führt. Direktorin Keller betont den unbestreitbaren Handlungsbedarf:
«Das Gebäude muss saniert werden; das ist uns und dem Kanton bewusst.»
Keller hofft, dass die Basler UB einen Neubau für ihre Altbestände erhält, um nicht ständig Wasserschäden zu riskieren. Zwischensanierungen wurden bereits ins Auge gefasst, wobei deren Umfang noch offen ist. Für diese Zeit müssten auch Ersatz-Arbeitsflächen für das Personal und die Benutzer bereitstehen.
Ursprünglich war geplant, die Sanierung des UB-Hauptbaus erst nach Fertigstellung des geplanten Erweiterungsbaus an der Hebelschanze vorzunehmen. Da dies jedoch noch rund zehn Jahre dauern könnte, ist unklar, ob die Bibliothek so lange warten kann. Die jüngsten Ereignisse unterstreichen die Dringlichkeit einer umfassenden Lösung für die Infrastruktur der Universitätsbibliothek Basel.





