Die lang erwartete Sanierung der ehemaligen Abfalldeponie Feldreben in Muttenz steht kurz vor dem Start. Nach Jahren der Planung und finanziellen Unsicherheiten beginnen ab 2027 die vorbereitenden Untersuchungen. Das Gesamtprojekt wird sich über mindestens 20 Jahre erstrecken und soll die massive Umweltbelastung durch Chemiemüll und weitere Abfälle beheben.
Wichtige Punkte
- Sanierung der Deponie Feldreben in Muttenz beginnt mit Voruntersuchungen ab 2027.
- Das Projekt dauert mindestens 20 Jahre und umfasst Grundwasserreinigung sowie Bodenaushub.
- Die Gesamtkosten von geschätzten 282 Millionen Franken werden von Bund, Kantonen und Industrie getragen.
- Die Deponie wurde zwischen 1930 und 1967 für diverse Abfälle genutzt, darunter Chemiemüll.
Ein Generationenprojekt zur Umweltentlastung
Die Deponie Feldreben, eine Fläche von mehreren Fussballfeldern mitten in Muttenz, birgt seit Jahrzehnten eine grosse Umweltlast. Zwischen 1930 und 1967 wurden hier verschiedenste Abfälle entsorgt. Dazu gehörten Aushub, Bauschutt, Hauskehricht sowie Gewerbe- und Industrieabfälle. Besonders problematisch ist die Entsorgung von chemischem Müll, der bis 1957 in die ehemalige Kiesgrube gelangte.
Die genaue Zusammensetzung des im Boden lagernden Materials ist bis heute nicht vollständig bekannt, da damals keine detaillierten Aufzeichnungen geführt wurden. Dies macht die Sanierung zu einer komplexen Aufgabe, die sorgfältige Planung erfordert.
Faktencheck
- Nutzungsdauer: 1930 bis 1967
- Abfallarten: Aushub, Bauschutt, Hauskehricht, Gewerbe- und Industrieabfälle, Chemiemüll
- Tiefe der Verunreinigung: Bis zu 15 Meter
Zweistufiger Sanierungsansatz
Das Sanierungskonzept ist in zwei Hauptteile gegliedert, wie der Gesamtprojektleiter Roger Rütti erläutert. Der erste Teil konzentriert sich auf die Reinigung des Grundwassers. Hierfür wird das kontaminierte Wasser abgepumpt und durch spezielle Verfahren gereinigt, bevor es wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird.
Der zweite und aufwendigere Teil beinhaltet den Aushub des verschmutzten Bodens. Dieser muss bis in eine Tiefe von rund 15 Metern abgetragen und fachgerecht entsorgt werden. Die genauen Bereiche und Mengen werden in den kommenden Jahren durch detaillierte Untersuchungen festgelegt.
«Die Sanierung ist eine Mammutaufgabe, die höchste Präzision und langfristiges Engagement erfordert, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.» – Projektverantwortlicher
Umfassende Organisation und staatliche Kontrolle
Für die Bewältigung dieses umfangreichen Projekts wurde eine komplexe Organisationsstruktur geschaffen. Die strategische Ausrichtung obliegt einer Konsortialversammlung. In diesem Gremium sind alle wichtigen Akteure vertreten, darunter die Kantone Basel-Stadt und Baselland, die Gemeinde Muttenz, die Firmen BASF, Syngenta und Novartis sowie die Grundeigentümer.
Die praktische Umsetzung der Sanierung wird von der Gesamtprojektleitung verantwortet. Sie wird dabei von einer technischen Begleitgruppe unterstützt. Diese Struktur stellt sicher, dass sowohl die strategische Planung als auch die technische Durchführung koordiniert ablaufen.
Hintergrundinformationen
Altlasten wie die Deponie Feldreben stellen eine erhebliche Gefahr für Umwelt und Gesundheit dar. Die Sanierung ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität in der Region zu sichern und zukünftige Generationen vor den Folgen der Vergangenheit zu schützen. Solche Projekte sind oft langwierig und kostspielig, aber unerlässlich für den Umweltschutz.
Hohe Kosten und breite Finanzierungsbasis
Die geschätzten Kosten für die Sanierung der Deponie Feldreben belaufen sich auf rund 282 Millionen Franken. Diese Summe ist mit einer Unsicherheitsmarge von plus/minus 30 Prozent behaftet, was die Komplexität des Vorhabens unterstreicht.
Die Finanzierung wird von verschiedenen Parteien getragen. Ein Grossteil der Kosten, nämlich 112,8 Millionen Franken, wird durch den Bundesfonds für Altlasten gedeckt. Die Industriegruppe, bestehend aus BASF, Syngenta und Novartis, trägt 94,3 Millionen Franken bei. Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 66,7 Millionen Franken, während Basel-Stadt 7 Millionen Franken und die Gemeinde Muttenz 1,2 Millionen Franken übernehmen.
Transparenz und Bürgerbeteiligung
Die Sanierungsschritte werden regelmässig von staatlichen Stellen überwacht. Dazu gehören das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie sowie das Bundesamt für Umwelt. Diese Kontrollen gewährleisten, dass die Arbeiten den Umweltauflagen entsprechen und effektiv durchgeführt werden.
Um den Kontakt zur Bevölkerung und den Anwohnern sicherzustellen, wurde eine Dialoggruppe eingerichtet. Diese wird von einer unabhängigen Moderatorin geleitet und dient als zentrale Anlaufstelle für Fragen und Anliegen der Bürger. Transparenz und Information der Öffentlichkeit sind bei einem so langwierigen und sensiblen Projekt von grosser Bedeutung.
Langfristige Perspektive und zukünftige Nutzung
Die Sanierung der Deponie Feldreben ist ein Projekt von generationenübergreifender Bedeutung. Das Ziel ist es, den Standort spätestens nach 50 Jahren so weit zu sanieren, dass keine weiteren Massnahmen mehr erforderlich sind. Dies bedeutet, dass die Umweltbelastung dauerhaft beseitigt wird und das Areal langfristig sicher ist.
Die ersten detaillierten Boden- und Grundwasseruntersuchungen sind für das Jahr 2027 geplant. Diese werden die Grundlage für die eigentlichen Sanierungsarbeiten bilden, deren genauer Startzeitpunkt noch festgelegt werden muss. Trotz der langen Dauer ist die Zuversicht gross, dass dieses umfassende Projekt erfolgreich abgeschlossen wird und Muttenz eine gereinigte Fläche zurückerhält.
- Bundesbeitrag: 112,8 Millionen Franken
- Industriebeitrag: 94,3 Millionen Franken
- Kanton Baselland: 66,7 Millionen Franken
- Kanton Basel-Stadt: 7 Millionen Franken
- Gemeinde Muttenz: 1,2 Millionen Franken





