Eine Delegation aus Stuttgart und der Region hat kürzlich die innovative Pyrolyse-Anlage der Industriellen Werke Basel (IWB) besucht. Ziel war es, sich über die klimafreundliche Umwandlung von Grünschnitt in Energie und Pflanzenkohle zu informieren. Dieser Besuch könnte wichtige Impulse für die Bioökonomiestrategie der baden-württembergischen Landeshauptstadt geben.
Wichtige Erkenntnisse
- Basel nutzt Pyrolyse, um Grünschnitt in klimafreundliche Energie und Pflanzenkohle umzuwandeln.
- Stuttgart sucht nach Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und zur Schaffung von Negativemissionen.
- Pflanzenkohle speichert langfristig CO2 und kann im Bauwesen oder als Bodenverbesserer eingesetzt werden.
- Moderne Pyrolyse-Anlagen bieten auch dezentrale Wärmeversorgung für Nahwärmenetze.
- Die Region Stuttgart plant, die Basler Erfolgsmodelle zu adaptieren und lokale Wertschöpfung zu fördern.
Grünschnitt als wertvolle Ressource
In vielen Städten stellt Grünschnitt aus Parks, Gärten und Privathaushalten eine grosse Menge an biogenem Material dar. Bisher wird dieses Material oft kompostiert, energetisch verwertet oder sogar exportiert. Diese Methoden sind jedoch nicht immer optimal für den Klimaschutz.
Die Landeshauptstadt Stuttgart strebt an, ihre Materialkreisläufe zu schliessen und Ressourcen effizienter zu nutzen. Dies ist ein zentrales Ziel ihrer Bioökonomiestrategie. Derzeit entstehen bei der Verwertung von Grünschnitt Treibhausgasemissionen, die Stuttgart reduzieren möchte.
Faktencheck: Pyrolyse
- Die Pyrolyse ist ein thermochemischer Prozess.
- Material wird bei hohen Temperaturen (bis zu 700 Grad Celsius) unter Ausschluss von Luft erhitzt.
- Dabei entstehen Gase, Flüssigkeiten und feste Rückstände (Pflanzenkohle).
- Dieser Prozess ermöglicht eine effiziente Nutzung biogener Materialien.
Basels Modell: Klimafreundliche Energie und Pflanzenkohle
In Basel demonstrieren die Industriellen Werke Basel (IWB) ein Best-Practice-Beispiel. Ihre Pyrolyse-Anlage verarbeitet regionalen Grünschnitt. Dabei wird bei Temperaturen von bis zu 700 Grad Celsius unter Luftausschluss hochwertige Pflanzenkohle hergestellt.
Diese Pflanzenkohle ist nicht nur ein nützliches Produkt, sondern speichert auch langfristig Kohlendioxid. Dies trägt aktiv zur Reduzierung von Treibhausgasen bei. Stuttgart sieht hier ein grosses Potenzial, um eigene Klimaziele zu erreichen.
„Um das Klimaziel der Stadt zu erreichen, brauchen wir aber Negativemissionen“, erklärt Dr. Max Schuchardt, Koordinator Bioökonomiestrategie der Landeshauptstadt Stuttgart.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten der Pflanzenkohle
Die im Pyrolyse-Verfahren erzeugte Pflanzenkohle hat vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Sie kann im Strassenbau verwendet werden, wo sie zur Stabilisierung von Materialien beiträgt. Auch bei Baumpflanzungen wird sie der Erde beigemischt. Dort verbessert sie die Bodenqualität und die Wasserspeicherfähigkeit.
Ein weiterer Vorteil moderner Pyrolyse-Anlagen ist ihr Beitrag zur dezentralen Wärmeversorgung. Die bei der Herstellung von Pflanzenkohle entstehende klimafreundliche Wärme kann direkt in das Nahwärmenetz einer Stadt eingespeist werden. Dies erhöht die Energieeffizienz und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Regionale Wertschöpfung und Klimaschutz
Die Stuttgarter Delegation, bestehend aus Vertretern der Stadt, umliegender Kommunen, Unternehmen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen, zeigte grosses Interesse an der Übertragbarkeit des Basler Modells. Die Reise wurde von der Abteilung Klimaschutz der Landeshauptstadt Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) organisiert.
Bereits im November 2025 befassten sich die Teilnehmenden mit dem Thema Pyrolyse im Rahmen einer Workshop-Reihe. Der Besuch in Basel war ein wichtiger Schritt, um praktische Erfahrungen zu sammeln und die Umsetzung in der Region Stuttgart voranzutreiben.
Hintergrund: Bioökonomiestrategie Stuttgart
Die Bioökonomiestrategie der Landeshauptstadt Stuttgart zielt darauf ab, die Wirtschaft auf erneuerbare Ressourcen umzustellen. Dies umfasst die effiziente Nutzung von Biomasse, die Reduzierung von Abfällen und die Förderung nachhaltiger Kreislaufwirtschaften. Die Pyrolyse ist ein vielversprechender Ansatz, um diese Ziele zu erreichen.
Dr. Max Schuchardt betont die Bedeutung der lokalen Nutzung von Stoffströmen. „Wenn wir diese exportieren, verlieren wir nicht nur wertvolle Materialien, sondern zahlen auch noch dafür. Eine regionale Wertschöpfung mit dezentraler Energieeinspeisung und Negativemissionen ist weitaus sinnvoller.“
Zukunftsperspektiven für die Region Stuttgart
Die Delegation will die erfolgreichen Lösungen aus Basel auf die Region Stuttgart übertragen. Daryna Zaitseva, Projektleiterin Bioökonomie der WRS, äusserte sich optimistisch. „Wir freuen uns, die erfolgreichen Lösungen des Kantons Basel-Stadt auf die Region Stuttgart zu übertragen.“
Die Workshop-Reihe wird fortgesetzt. Das Ziel ist klar: Klimaschutz, Abfallverwertung und lokale Wertschöpfung sollen in der Region Stuttgart effektiv miteinander verbunden werden. Basel hat bereits eine zweite Pyrolyse-Anlage in Betrieb genommen, was die Praxistauglichkeit und den Erfolg des Konzepts unterstreicht.
- Effiziente Ressourcennutzung: Grünschnitt wird nicht mehr als Abfall, sondern als wertvolle Ressource betrachtet.
- Klimaschutz: Die Produktion von Pflanzenkohle und die Nutzung der Abwärme tragen zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei.
- Regionale Wirtschaft: Die lokale Verarbeitung schafft Arbeitsplätze und reduziert Transportkosten.
- Unabhängigkeit: Dezentrale Energieversorgung stärkt die regionale Autarkie.
Die Erkenntnisse aus Basel sind für Stuttgart von grosser Bedeutung. Sie zeigen einen konkreten Weg auf, wie Kommunen aktiv zum Klimaschutz beitragen und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile erzielen können.





