Die Schweiz hat einen wichtigen Schritt in Richtung Klimaneutralität gemacht: Minergie lancierte den neuen Minergie-Netto-Null-Standard. Dieses Label soll Bauherren und Planern helfen, Gebäude mit einer Netto-Null-Bilanz über ihren gesamten Lebenszyklus zu realisieren. Die Einführung fand kürzlich in Zürich statt.
Wichtige Punkte
- Minergie-Netto-Null-Standard für neue und sanierte Gebäude eingeführt.
- Ziel ist die Unterstützung der nationalen Klimaneutralitätsziele bis 2050.
- Der Standard berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus von 60 Jahren.
- Ein dreiphasiges Vorgehen: Emissionen vermeiden, Kohlenstoff speichern, Restemissionen ausgleichen.
- Minergie-P/-A-ECO-Standard für Neubauten, Minergie-Standard für Sanierungen als Basis.
Ein konkreter Weg zur Klimaneutralität im Bau
Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein. Der Bausektor spielt dabei eine entscheidende Rolle. Bisher fehlten oft konkrete Vorgaben, wie Gebäude über ihren Lebenszyklus hinweg Netto-Null-Emissionen erreichen können. Der neue Minergie-Netto-Null-Standard füllt diese Lücke.
Fabian Peter, Luzerner Regierungsrat und Präsident von Minergie, betonte die Bedeutung des neuen Labels. Er erklärte, dass es einen transparenten und glaubwürdigen Rahmen für Gebäude bietet, deren Klimabilanz über 60 Jahre hinweg wirklich bei null liegt. Die Kantone benötigten eine umsetzbare Lösung für klimaneutrale Gebäude, und 2050 rückt schnell näher.
Faktencheck
- 60 Jahre: Der definierte Lebenszyklus, über den ein Minergie-Netto-Null-Gebäude eine Netto-Null-Bilanz aufweisen muss.
- 2050: Das Jahr, bis zu dem die Schweiz Klimaneutralität erreichen will.
- 180 Personen: Die Anzahl der Teilnehmer am Lancierungsevent im Kongresshaus Zürich.
Wie der Minergie-Netto-Null-Standard funktioniert
Ein Minergie-Netto-Null-Gebäude ist entweder ein Neubau oder ein saniertes Gebäude. Es muss über seinen Lebenszyklus von 60 Jahren sehr geringe Treibhausgasemissionen (THGE) verursachen. Der Prozess zur Erreichung der Netto-Null-Bilanz ist klar definiert und folgt einer dreiphasigen Logik.
Zuerst werden die Lebenszyklusemissionen ermittelt. Anschliessend wird der im Gebäude gespeicherte Kohlenstoff von den verbleibenden Emissionen abgezogen, um die Treibhausgasbilanz zu reduzieren. Die restlichen Emissionen werden durch den Einsatz von geprüften Negativemissionszertifikaten ausgeglichen. Dies führt zu einer Netto-Null-Bilanz, wie sie das Klimagesetz vorsieht.
Hintergrund: Die Minergie-Standards
Minergie ist ein anerkannter Schweizer Baustandard für Komfort, Effizienz und Klimaschutz. Er gilt für Neubauten und Modernisierungen. Besondere Merkmale sind eine hochwertige Gebäudehülle, kontrollierter Luftwechsel und guter sommerlicher Wärmeschutz. Minergie-Bauten nutzen konsequent erneuerbare Energien und sind im Betrieb CO2-frei. Sie minimieren auch Treibhausgasemissionen bei der Erstellung.
Die Standards Minergie, Minergie-P und Minergie-A können mit dem Zusatz ECO erweitert werden. Der Standard Minergie-Areal bezieht sich auf ganze Areale und berücksichtigt auch Aussenraum und Mobilität. Minergie-Betrieb ergänzt das Portfolio für energieeffizienten Betrieb.
Drei Phasen zum klimaneutralen Bau
Der neue Standard basiert auf einem dreiphasigen Vorgehen, das bereits in der Projektkonzeption beginnt. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass alle Aspekte der Emissionen berücksichtigt werden.
- CO2 vermeiden: Emissionen werden wo immer möglich reduziert. Dies ist der erste und wichtigste Schritt.
- Speichern: Kohlenstoff wird im Gebäude gebunden. Dies trägt zur Reduzierung der Gesamtbilanz bei.
- Ausgleichen: Die verbleibenden Emissionen werden durch geprüfte Negativemissionszertifikate kompensiert.
Nach dem Erwerb der entsprechenden Negativemissionszertifikate wird das Minergie-Netto-Null-Zertifikat ausgestellt. Das Gebäude gilt dann für die nächsten 60 Betriebsjahre als CO2-neutral.
Hohe Anforderungen und Machbarkeit
Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter von Minergie, betonte die Dringlichkeit der Situation. Er sagte, dass das Land den nächsten Schritt tun muss, um das Ziel Netto-Null 2050 zu erreichen. Vermeiden allein reiche nicht mehr aus; man müsse wirklich auf Netto-Null kommen.
"Der Kanton Basel-Stadt will 2037 Netto-Null erreichen, viele Institutionen 2040. Minergie-Netto-Null zeigt, dass das bereits 2026 geht – kombiniert mit sehr hohen Anforderungen: Wir bilanzieren die grauen Emissionen mit. Und sind damit um Faktoren strenger als die in den nächsten Jahren in Kraft tretenden Gesetze. Und interessanterweise ist der Standard dennoch machbar und finanziell tragbar."
Für Neubauten basiert das Label auf einem Minergie-P/-A-ECO-Standard. Bei Sanierungen genügt der Minergie-Standard. Eine Kombination mit dem SNBS-Hochbau ist ebenfalls möglich. Dies zeigt die Flexibilität des neuen Standards.
Die Anforderungen sind streng, da auch die grauen Emissionen bilanziert werden. Dies macht den Standard in seinen Faktoren rigoroser als viele zukünftige Gesetze. Trotzdem ist er laut Meyer Primavesi machbar und finanziell tragbar. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die breite Akzeptanz im Bausektor.
Bedeutung für die Zukunft des Bauens
Die Einführung des Minergie-Netto-Null-Standards ist ein wichtiger Meilenstein für den Schweizer Bausektor. Er bietet Bauherren und Planern eine klare Richtlinie, wie sie klimaneutrale Gebäude realisieren können. Dies trägt massgeblich dazu bei, die nationalen Klimaziele zu erreichen und eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.
Die Qualitätssicherung von Minergie erstreckt sich über alle Phasen eines Bauprojekts: von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb. Dies gewährleistet, dass die hohen Standards über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes eingehalten werden. Der neue Standard wird voraussichtlich einen positiven Einfluss auf die Baupraxis in der Schweiz haben.





