Die Kantone Aargau, Baselland und Basel-Stadt haben den historischen Römervertrag zum Schutz der antiken Stätte Augusta Raurica erneuert. Die Unterzeichnung fand im Rahmen einer Feier zum 50-jährigen Bestehen des ursprünglichen Abkommens statt. Die revidierte Vereinbarung sichert die Finanzierung und Zusammenarbeit für die Zukunft dieses national bedeutenden Kulturerbes.
Die erneuerte Fassung des Vertrages, die am 1. Januar des kommenden Jahres in Kraft tritt, passt die rechtlichen Rahmenbedingungen an und stärkt die Kooperation zwischen den Partnern. Damit wird die Grundlage für den Erhalt und die Weiterentwicklung der grössten römischen Ausgrabungsstätte der Schweiz für die nächsten Jahrzehnte gelegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantone Aargau, Baselland und Basel-Stadt haben den 50 Jahre alten Römervertrag erneuert.
- Die neue Vereinbarung sichert die langfristige Finanzierung und den Schutz von Augusta Raurica.
- Der Kanton Aargau erhöht seinen finanziellen Beitrag, während Baselland Hauptträger bleibt.
- Ein neuer Leistungsvertrag soll alle vier Jahre für mehr Transparenz sorgen.
Ein Bündnis mit historischer Bedeutung
Vor 50 Jahren war die Zukunft von Augusta Raurica ungewiss. Die Gemeinden Augst und Kaiseraugst planten, auf dem Gelände der antiken Römerstadt neue Siedlungsgebiete zu erschliessen. Es bestand die ernsthafte Gefahr, dass wertvolle historische Überreste für immer unter Beton und Asphalt verschwinden könnten.
Um dieses einzigartige Kulturerbe zu retten, schlossen sich 1975 die Kantone Aargau, Baselland und Basel-Stadt zusammen. Gemeinsam mit der Stiftung Pro Augusta Raurica und der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel unterzeichneten sie den sogenannten Römervertrag. Dieses Abkommen regelte den Schutz, die Erforschung und die öffentliche Zugänglichkeit der Stätte.
Der ursprüngliche Römervertrag von 1975
Der Vertrag galt als wegweisend für die interkantonale Zusammenarbeit im Kulturgüterschutz. Er legte fest, dass der Kanton Baselland die Federführung für den Betrieb und Unterhalt von Augusta Raurica übernimmt. Die Vereinbarung verhinderte erfolgreich die Überbauung des Areals und ermöglichte jahrzehntelange archäologische Forschung.
Die Erneuerung des Vertrages sichert die Zukunft
Am Montagnachmittag wurde das 50-jährige Jubiläum in Kaiseraugst gefeiert. Anwesend war auch Carine Bachmann, die Direktorin des Bundesamts für Kultur. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde der revidierte Römervertrag unterzeichnet, der die erfolgreiche Zusammenarbeit in die Zukunft führt.
Wichtige Anpassungen im neuen Vertrag
Die überarbeitete Vereinbarung enthält mehrere zentrale Neuerungen, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden:
- Finanzierung: Der Kanton Aargau erhöht seinen Beitrag für Konservierungsmassnahmen und Forschungsprojekte. Der Kanton Baselland bleibt mit einem jährlichen Beitrag von gut 7 Millionen Franken der grösste Geldgeber.
- Transparenz: Ein neuer Leistungsvertrag, der alle vier Jahre erneuert wird, soll für mehr Planungssicherheit und eine klarere Übersicht über die eingesetzten Mittel sorgen.
- Zusammenarbeit: Die Kooperation zwischen den drei Kantonen und den beteiligten Stiftungen soll weiter intensiviert werden.
- Rechtliche Anpassungen: Formale und juristische Aspekte des Vertrags wurden an die geltenden gesetzlichen Grundlagen angepasst.
Dani Suter, der Leiter der Römerstadt Augusta Raurica, bezeichnete die Neuunterzeichnung als ein starkes Bekenntnis. «Für mich ist die Unterzeichnung des neuen Vertrags mehr als nur Symbolik. Das Zeichen ist stark, Augusta Raurica auch in Zukunft zu bewahren und weiterzuentwickeln», erklärte er.
Stimmen aus Politik und Kultur
Vertreter der beteiligten Kantone und des Bundes würdigten die Bedeutung des Vertrags. Die Baselbieter Bildungs- und Kulturdirektorin Monica Gschwind (FDP) nannte den ursprünglichen Vertrag ein «Zeichen von Weitsicht und kulturellem Bewusstsein».
«Wir tragen mit grosser Überzeugung Sorge zu diesem aussergewöhnlichen Kulturerbe», betonte Gschwind und bekräftigte die Rolle ihres Kantons als Hauptverantwortlicher für den Schutz und die Zugänglichkeit des Ortes.
Martina Bircher (SVP), Bildungsdirektorin des Kantons Aargau, beschrieb Augusta Raurica treffend als ein «Geschichtsbuch zum Anfassen». Der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer (LDP) erinnerte an die wichtige Rolle des Stadtkantons, der schon früh Ausgrabungen finanziell unterstützte und bis heute einen wesentlichen Beitrag leistet.
Augusta Raurica: Ein Kulturerbe von nationaler Bedeutung
Carina Bachmann, Direktorin des Bundesamts für Kultur, bezeichnete Augusta Raurica als eines der bedeutendsten Freilichtmuseen nördlich der Alpen. Sie lobte den Römervertrag als eine «visionäre Idee», die den Erhalt der Stätte erst ermöglicht habe.
Berühmter Silberschatz in Basel ausgestellt
Die Feierlichkeiten fanden nur wenige Meter vom Fundort des berühmten Silberschatzes von Kaiseraugst statt. Dieser wurde 1962 bei Baggerarbeiten entdeckt und gilt als einer der bedeutendsten Funde der römischen Spätantike.
Der Schatz besteht aus 270 Objekten wie Tellern, Schalen, Löffeln und Münzen mit einem Gesamtgewicht von 58 Kilogramm reinem Silber. Laut Dani Suter fehlen bis heute einzelne Stücke des Schatzes, der 1995 durch weitere Funde ergänzt wurde.
Aktuell ist der Silberschatz im Historischen Museum Basel am Barfüsserplatz zu sehen. Er ist Teil der Sonderausstellung «Schatzfunde», die noch bis zum 2. Februar 2025 läuft und weitere archäologische Schätze aus der Nordwestschweiz, dem Elsass und Südbaden präsentiert.
Die Erneuerung des Römervertrags stellt sicher, dass Augusta Raurica auch für kommende Generationen als lebendiger Ort der Geschichte und Forschung erhalten bleibt und seine einzigartigen Schätze weiterhin zugänglich gemacht werden können.





