Augusta Raurica, eine der bedeutendsten römischen Fundstätten der Schweiz, steht vor einer umfassenden Neuausrichtung. Ein seit 2009 laufendes Zehn-Punkte-Programm soll die historische Stätte für die Zukunft rüsten. Im Zentrum der aktuellen Bemühungen stehen eine neue Ortsplanung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Augst, die Entwicklung eines partizipativen Zukunftsbildes und die langfristige Vision eines neuen Museums, das der umfangreichen Sammlung gerecht wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Zehn-Punkte-Programm bildet seit 2009 die strategische Grundlage für die Weiterentwicklung von Augusta Raurica.
- Aktuelle Schwerpunkte sind die Ortsplanung Augst-Ost und die Erarbeitung eines gemeinsamen Zukunftsbildes mit den Gemeinden Augst und Kaiseraugst.
- Die Realisierung eines neuen, repräsentativen Museums gilt als entscheidende Voraussetzung für eine mögliche Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe.
- Die Zusammenarbeit der Kantone Basel-Stadt, Baselland und Aargau wurde durch den erneuerten Römervertrag gestärkt.
Ein Fahrplan für die römische Vergangenheit
Die Weichen für die Modernisierung von Augusta Raurica wurden bereits 2009 gestellt. Damals verabschiedete der Landrat Baselland ein strategisches Programm, das in zehn Schritten die Grundlagen für eine nachhaltige Zukunft der archäologischen Stätte legen soll. Dieser Plan wird seither konsequent umgesetzt.
„Ich bin sehr dankbar, dass der Landrat damals sagte, das Thema ist wichtig, aber es gilt zuerst ein paar Dinge zu klären“, erklärt Dani Suter, Leiter von Augusta Raurica. Anstatt überstürzt eine UNESCO-Bewerbung anzustreben, habe man sich entschieden, zuerst die notwendigen Hausaufgaben zu erledigen.
Zwei dieser Aufgaben stehen derzeit im Mittelpunkt: die Ortsplanung Augst-Ost und die Entwicklung eines übergeordneten Zukunftsbildes. Beide Projekte zielen darauf ab, die historischen Überreste besser in die moderne Siedlungs- und Landschaftsstruktur zu integrieren und das Verhältnis zu den Anrainergemeinden zu stärken.
Der Römervertrag als Fundament
Die Zusammenarbeit rund um Augusta Raurica basiert auf dem sogenannten Römervertrag. 1975 schlossen sich die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Aargau mit der Stiftung Pro Augusta Raurica und der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zusammen. Der Vertrag, der letztes Jahr erneuert wurde, stellt sicher, dass Schutz, Forschung und Vermittlung der antiken Stadt auf einer stabilen, öffentlichen Grundlage stehen und nicht von privaten Initiativen abhängig sind.
Gemeinsame Vision mit den Anrainergemeinden
Ein zentrales Anliegen der Verantwortlichen ist es, die Entwicklung nicht über die Köpfe der lokalen Bevölkerung hinweg zu planen. Insbesondere das Verhältnis zur Gemeinde Augst, das in der Vergangenheit nicht immer einfach war, soll auf eine neue Basis gestellt werden. „Wir wollen jetzt gemeinsam in die Zukunft gehen“, betont Suter.
Ortsplanung und Museumszone
Die Umsetzung der Ortsplanung Augst-Ost ist ein konkreter Schritt in diese Richtung. Auf Grundlage des kantonalen Richtplans von 2020 arbeitet die Gemeinde Augst an einer Zonenplanrevision. Ziel ist es unter anderem, Parzellen, die sich noch in der Wohnzone befinden, neu zuzuordnen und eine dedizierte Museumszone zu schaffen. Dieser raumplanerische Prozess ist entscheidend, um die archäologische Substanz langfristig zu sichern.
Ein Zukunftsbild für die ganze Region
Parallel dazu wird ein umfassendes Zukunftsbild für den gesamten Raum Augusta Raurica, Augst und Kaiseraugst entwickelt. Dieser Prozess soll stark partizipativ gestaltet werden, um die Bedürfnisse und Ansprüche der Gemeinden und ihrer Einwohner zu berücksichtigen. Es geht um Fragen der Siedlungsentwicklung, aber auch darum, wie Natur-, Kultur- und Lebensraum besser miteinander verknüpft werden können.
„Dabei ist zentral, dass wir jetzt zusammen mit der Gemeinde Augst und in einem zweiten Schritt auch mit der Gemeinde Kaiseraugst eine gute Idee entwickeln, was Augusta Raurica sein soll.“
Erste Impulse für diese Vision lieferte die „Sommerakademie Hochrhein 2025“, bei der junge Raumplanerinnen und Raumplaner frische Ideen entwickelten. Ihre Vorschläge reichten von einer neuen Brücke zwischen Augst und Kaiseraugst bis zu „grünen Adern“, die die verstreuten römischen Zeugnisse zu einem erlebbaren Ganzen verbinden.
Die Vision eines neuen Museums
Der wohl sichtbarste und ambitionierteste Teil des Zukunftsplans ist die Idee eines neuen Museums. Die Diskussion darüber ist nicht neu; erste Überlegungen gab es bereits 1968. Das heutige Museumsgebäude an der Giebenacherstrasse stammt aus dem Jahr 1957 und ist mit nur 140 Quadratmetern Ausstellungsfläche viel zu klein für die immense Sammlung.
Ein Schatz braucht Platz
Der berühmte Silberschatz von Kaiseraugst, eines der bedeutendsten Ensembles römischen Tafelsilbers, wurde erst in den 1960er-Jahren gefunden – also nach dem Bau des heutigen Museums. Allein dieser Fund unterstreicht den dringenden Bedarf an mehr Ausstellungsfläche, um die Schätze von Augusta Raurica angemessen präsentieren zu können.
Dani Suter bezeichnet das neue Museum als „das Dessert oder das i-Tüpfelchen“ des Zehn-Punkte-Programms. Es bildet den zehnten und letzten Punkt des Plans. Obwohl es derzeit noch keinen konkreten Planungsauftrag gibt, wird die Notwendigkeit im Rahmen des Zukunftsbildes erneut geprüft. Eine Grundlagenstudie soll klären, wie ein künftiges Museumskonzept aussehen könnte.
Voraussetzung für das UNESCO-Label
Die Museumsfrage ist untrennbar mit dem Thema UNESCO-Weltkulturerbe verbunden. Obwohl die Erlangung dieses Labels derzeit nicht aktiv verfolgt wird, ist allen Beteiligten klar, dass es ohne einen angemessenen Präsentationsort für die Sammlung kaum realisierbar wäre. „Wenn man dieses Label will, braucht es einen Ort, wo man diese Sammlung repräsentativ zeigen kann“, stellt Suter klar.
Die Entscheidung, ob die Region das Label anstreben will, ist jedoch ein politischer Prozess, der erst nach Abschluss des Zehn-Punkte-Programms folgen würde. Suter ist der Ansicht, dass die Region Basel ein Weltkulturerbe verdient hätte, betont aber, dass dies eine gemeinsame Entscheidung der beteiligten Partner sein müsse.
Einheitliche Sammlung und gestärkte Zusammenarbeit
Ein wichtiger Schritt zur Konsolidierung der Bestände wurde kürzlich vollzogen. Die Basler Regierung beschloss die formelle Übertragung von fast 30.000 Sammlungsobjekten an Augusta Raurica. Dabei handelt es sich grösstenteils um Keramikscherben, die wichtige archäologische Zeugnisse darstellen.
Dieser Verwaltungsakt legalisiert eine seit rund 80 Jahren gelebte Praxis, denn die Objekte wurden bereits in Augusta Raurica aufbewahrt, erforscht und zugänglich gemacht. Die Massnahme stärkt die Rolle der Institution als zentrales Kompetenzzentrum für die römische Geschichte der Region und unterstreicht den Willen zur vertieften interkantonalen Zusammenarbeit, wie er im erneuerten Römervertrag festgehalten ist.





