Augusta Raurica, die bedeutende römische Siedlung in der Schweiz, steht vor einer umfassenden Transformation. Ein Zehn-Punkte-Programm soll die archäologische Stätte fit für die Zukunft machen und dabei auch die Möglichkeit eines UNESCO-Weltkulturerbe-Labels im Auge behalten. Die Entwicklung zielt darauf ab, Augusta Raurica als Kultur- und Naturraum neu zu definieren und stärker mit den umliegenden Gemeinden zu vernetzen.
Wichtige Punkte
- Augusta Raurica setzt ein Zehn-Punkte-Programm um.
- Die Ortsplanung Augst-Ost und ein Zukunftsbild sind zentrale Aufgaben.
- Ein neues Museumskonzept wird als zehnter Punkt des Programms diskutiert.
- Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden Augst und Kaiseraugst ist entscheidend.
- Die Erneuerung des Römervertrags stärkt die regionale Zusammenarbeit.
Ein Fahrplan für die Zukunft der Römerstadt
Seit dem Jahr 2009 arbeitet Augusta Raurica an der Umsetzung eines Zehn-Punkte-Programms. Dieses Programm wurde vom Landrat in Auftrag gegeben und soll die notwendigen Grundlagen für die Weiterentwicklung der antiken Stätte schaffen. Dani Suter, der Leiter von Augusta Raurica, betont die Wichtigkeit dieses Prozesses. Aktuell stehen zwei Hauptaufgaben im Vordergrund: die Umsetzung der Ortsplanung Augst-Ost und die Entwicklung eines umfassenden Zukunftsbildes für die Region.
Wussten Sie schon?
Das Haus an der Giebenacherstrasse, das heute das Museum beherbergt, wurde bereits 1957 gebaut. Der berühmte Silberschatz von Augusta Raurica wurde erst in den 1960er-Jahren entdeckt.
Die Ortsplanung Augst-Ost erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Augst und dem Amt für Raumplanung Baselland. Ein zentrales Ziel ist hierbei, eine klare Vision für Augusta Raurica zu entwickeln. Dies beinhaltet nicht nur raumplanerische Fragen, sondern auch die Bedürfnisse der Gemeinden Augst und Kaiseraugst.
Zusammenarbeit mit den Gemeinden
Die Beziehung zwischen Augusta Raurica und der Gemeinde Augst war historisch nicht immer einfach. Das neue Vorgehen setzt auf eine partizipative Entwicklung. Dani Suter hebt hervor, dass es darum geht, gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Dies schliesst die Einbeziehung der Bevölkerung mit ein.
"Wir wollen jetzt gemeinsam in die Zukunft gehen", sagt Dani Suter.
Ein erster Input für das Zukunftsbild kam von der Sommerakademie Hochrhein 2025. Hier haben drei Teams junger Raumplaner Ideen für die Region entwickelt. Sie zeigten auf, wie Natur-, Kultur- und Siedlungsraum gemeinsam gedacht werden können, um das enorme Potenzial der Gegend zu nutzen. Die Auswertung dieser Ideen fliesst direkt in die weiteren Überlegungen ein.
Das UNESCO-Label: Ein Fernziel?
Die Frage nach dem UNESCO-Weltkulturerbe-Label für Augusta Raurica ist ein wiederkehrendes Thema. Politische Vorstösse gab es bereits im Jahr 2009. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Planungen für eine Bewerbung. Das Zehn-Punkte-Programm legt vielmehr die notwendigen Grundlagen. Erst wenn diese erfüllt sind, muss der Landrat entscheiden, ob das Label angestrebt werden soll. Dani Suter sieht das Label als eine Anerkennung für die reiche Kulturregion Basel.
Hintergrund: Der Römervertrag
Der Römervertrag, der im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feierte und erneuert wurde, ist ein wichtiges Fundament für Augusta Raurica. Er regelt den Schutz, die Erforschung und die Vermittlung der antiken Stadt durch die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Aargau, zusammen mit der Stiftung Pro Augusta Raurica und der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft.
Das Label könnte der Region Nordwestschweiz eine internationale Sichtbarkeit verleihen. Es wäre eine Anerkennung für die umfangreichen Investitionen in die Erforschung und Erhaltung des kulturellen Erbes. Die Diskussion umfasst nicht nur Augusta Raurica selbst, sondern auch die zahlreichen römischen Fundstellen in der gesamten Region und die Frage, ob keltische Hinterlassenschaften ebenfalls dazugehören sollten. Dies ist ein politischer Prozess, der eine Einigung der Region erfordert.
Ein neues Museum für die Schätze
Ein entscheidender Punkt im Zehn-Punkte-Programm ist die Realisierung eines neuen Museums. Schon 1968 gab es erste Ideen für eine Erweiterung des heutigen Museums. Mit nur 140 Quadratmetern Ausstellungsfläche für die gesamte Sammlung von Augusta Raurica stellt sich die Frage, ob dies ausreicht, um die "reichen Schätze und Geschichten" angemessen zu präsentieren.
Der Kanton Baselland hat bereits viel in das Sammlungszentrum investiert. Ein konkreter Planungsauftrag für ein neues Museum liegt derzeit nicht vor. Die Notwendigkeit und die Grösse eines potenziellen Neubaus sollen jedoch im Rahmen des Zukunftsbildes überprüft werden. Ein repräsentativer Ausstellungsort wäre auch wichtig, sollte das UNESCO-Label angestrebt werden.
Sammlungsobjekte übertragen
Die Regierung Basel-Stadt hat kürzlich beschlossen, fast 30'000 Sammlungsobjekte an Augusta Raurica zu übertragen. Der Grossteil davon sind Keramikscherben, die wertvolle archäologische Zeugnisse darstellen. Dies formalisiert eine seit rund achtzig Jahren gelebte Praxis: Die Objekte werden bereits in Augusta Raurica erhalten, erforscht und zugänglich gemacht. Diese Übertragung stärkt die Position von Augusta Raurica als Forschungs- und Vermittlungszentrum.
- 30'000 Sammlungsobjekte wurden von Basel-Stadt an Augusta Raurica übertragen.
- Die Objekte, hauptsächlich Keramikscherben, sind seit 80 Jahren in Augusta Raurica.
- Dies sichert die Forschung und Zugänglichkeit der Funde.
Die Zukunft von Augusta Raurica ist eng mit der regionalen Entwicklung verknüpft. Das Zehn-Punkte-Programm und das Zukunftsbild sind entscheidende Schritte, um das römische Erbe für kommende Generationen zu bewahren und erlebbar zu machen.





