Basel erlebt einen schleichenden Wandel in seinem Nachtleben. Immer mehr Clubs und Bars schliessen ihre Türen oder ändern ihr Konzept. Dies betrifft nicht nur die Ausgehmöglichkeiten, sondern auch die gesamte Kulturlandschaft der Stadt. Die Gründe sind vielfältig und reichen von steigenden Kosten bis zu verändertem Konsumverhalten der Bevölkerung.
Wichtige Erkenntnisse
- Basels Nachtleben verändert sich stark, viele Clubs und Bars schliessen oder wandeln sich.
- Steigende Miet-, Personal- und Stromkosten belasten die Betriebe erheblich.
- Musiker kämpfen mit geringeren Einnahmen aus Streaming und sind auf Live-Auftritte angewiesen.
- Das Publikum ist oft nicht bereit, faire Preise für lokale Live-Acts zu zahlen.
- Das neue Kulturleitbild adressiert die Probleme, bietet aber ohne zusätzliche Finanzierung keine echte Lösung.
Die strukturellen Herausforderungen des Basler Nachtlebens
Die Schliessung bekannter Orte wie des Rouine und die bevorstehende Aufgabe der Friends Bar sind sichtbare Zeichen einer tiefergehenden Entwicklung. Wo früher getanzt wurde, finden heute Lesungen statt. Diese Veränderungen sind kein Zufall. Sie zeigen ein strukturelles Problem, das über einzelne Betriebe hinausgeht.
Die Betriebskosten für Clubs und Bars sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Mieten, Personalkosten und Energiepreise belasten die Budgets massiv. Nachtmanager Roy Bula betont, dass die Clubkultur den Wandel in ihrer DNA trägt. Sie muss sich ständig anpassen. Doch die aktuellen Herausforderungen sind besonders gross.
Faktencheck
- Steigende Kosten: Mieten, Personal und Strom verteuern den Betrieb von Clubs und Bars erheblich.
- Verändertes Ausgehverhalten: Das Publikum erwartet viel, ist aber oft nicht bereit, angemessene Preise zu zahlen.
- Druck auf Live-Clubs: Besonders Orte, die freie Kulturszenen fördern, stehen unter grossem finanziellen Druck.
Live-Clubs unter besonderem Druck
Der Begriff „Clubsterben“ wird von Szenekennern wie Roy Bula als reisserisch bezeichnet. Er entspreche nicht vollständig der Realität. Tatsächlich funktionierten Formate mit starkem Community-Building oft besser. Auch das Clubbarometer 2025 zeigt Fortschritte in Professionalisierung, Programmplanung und Sicherheit. Doch die Live-Clubs sind besonders betroffen. Diese Orte schaffen Räume für eine freie Kulturszene ohne Hochglanzkonzepte.
Die Stadt Basel versucht mit dem Clubfördermodell entgegenzuwirken. Clubs können Beiträge für Programm oder Infrastruktur erhalten. Dies soll jedoch kein Rettungsanker sein, sondern die Qualität und Vielfalt des Kulturprogramms sichern. Das Modell wird derzeit überarbeitet.
«Wenn sich die Branche etwas gewohnt ist, dann ist es die Anpassung an eine Umwelt, die sich stets in Bewegung befindet. Und dies kann auch als Chance gesehen werden.» – Roy Bula, Basler Nachtmanager
Der Kampf der Kulturschaffenden
Nicht nur die Clubs selbst, sondern auch die Künstler leiden unter den aktuellen Bedingungen. Musiker kämpfen seit Jahren ums Überleben. Live-Auftritte sind finanziell wichtiger geworden, da Einnahmen aus Streaming-Diensten gering sind. Doch auch hier gibt es Probleme.
Clubs sollen faire Gagen zahlen und divers programmieren. Gleichzeitig steigen ihre eigenen Kosten. Das Publikum ist oft nur widerwillig bereit, für lokale Acts zu zahlen. Während für internationale Konzerte problemlos hohe Beträge ausgegeben werden, sind 20 Franken für eine lokale Band oft schon zu viel.
Hintergrundinformation
Das veränderte Konsumverhalten der Bevölkerung spielt eine grosse Rolle. Ehemalige Clubbetreiber, wie Hischem Rouine vom Rouine, weisen darauf hin, dass die Konsumenten ihren Teil dazu beitragen. Es fehle an Bewusstsein dafür, wo das Geld ausgegeben wird.
Politische Reaktionen und das Kulturleitbild
Die prekäre Lage ist seit Jahren bekannt. Dennoch bleiben die politischen Antworten oft folgenlos. Das neue Kulturleitbild, das die kulturpolitische Strategie des Regierungsrates festlegt, wurde bis kurz vor Weihnachten 2024 in der Vernehmlassung diskutiert. Es benennt zwar die bedrohliche Lage der freien Kulturszene, liefert aber keine konkreten Handlungsempfehlungen.
Das Leitbild setzt auf Fair Pay, also weniger Veranstaltungen bei besseren Löhnen. Ohne zusätzliche finanzielle Mittel wird dies jedoch kritisiert. «Kulturstadt Jetzt» bemängelt in seiner Vernehmlassungsantwort, dass faire Löhne zu fordern, ohne die Mittel bereitzustellen, die Verantwortung an jene weiterreicht, die selbst am Limit arbeiten. Nachtmanager Bula fordert daher Fördertöpfe für Veranstalter, Clubbetreiber und Musiker, um Fair Pay auf allen Ebenen zu ermöglichen.
Fokus auf etablierte Kultur und fehlende Strategie
Das Leitbild, das die Handschrift von Regierungspräsident Conradin Cramer trägt, fokussiert sich nach Ansicht von Kritikern, darunter die Grünen, auf die etablierte Kultur. Nach dem Nein zur Musikvielfalts-Initiative im letzten Jahr sieht Cramer offenbar keinen Auftrag für mehr Geld oder tiefgreifende Veränderungen. Stattdessen wird «justiert, beruhigt und moderiert».
Selbst die FDP kritisiert, dass die Bedeutung von Festivals für die Jugend- und Alternativkultur im Entwurf zu wenig gewürdigt wird. Festivals beleben Quartiere, schaffen Sichtbarkeit und vernetzen Szenen. Doch im Leitbild erscheinen sie oft nur als einzelne Ereignisse, nicht als wichtige Strukturen.
Wichtige Zahlen
- 20 Franken: Oft als zu viel empfunden für lokale Live-Acts.
- 200 Franken: Problemlos ausgegeben für internationale Grosskonzerte.
Es fehlt eine Strategie, die Antworten auf steigende Kosten, fehlende Infrastruktur und langfristige Absicherung gibt. Projektförderung allein ist zu unsicher und kurzatmig. Dass Festivals wie das Pärkli Jam oder die BScene 2025 pausieren, um sich neu zu orientieren, ist ein deutliches Zeichen dieser strukturellen Vernachlässigung.
Basel wird weiterhin neue Konzepte hervorbringen. Menschen werden Räume öffnen und Risiken eingehen. Doch ohne strukturelle politische Antworten bleibt dies ein Wettlauf gegen die Erschöpfung. Die Frage ist nicht, ob Basel Kultur hat, sondern welche Kultur die Stadt bereit ist zu erhalten, wenn sie nicht institutionell abgesichert ist.





