Johann Peter Hebel, der Basler Dichter, Theologe und Pädagoge, dessen Todestag sich 2026 zum 200. Mal jährt, soll wieder zu den Menschen sprechen. Die Hebelstiftung plant eine ungewöhnliche Installation: Ab dem 15. April wird Hebels Büste auf dem Petersplatz umgedreht, und über Lautsprecher erklingen seine Texte. Dies soll sein Gedankengut einer neuen Generation zugänglich machen.
Wichtige Punkte
- Johann Peter Hebel wird 2026 zum 200. Todestag geehrt.
- Eine Installation auf dem Petersplatz lässt seine Büste sprechen.
- Kurze Texte in verschiedenen Dialekten sollen Hebels Botschaften vermitteln.
- Die Hebelstiftung investiert stark in die Zugänglichkeit seiner Werke.
- Zusätzliche Veranstaltungen wie ein Sammelband und ein Konzert sind geplant.
Ein Aufklärer spricht wieder zu uns
Die Idee, Hebel wieder sprechen zu lassen, ist das Kernstück des Jubiläumsjahres. Sebastian Mattmüller, Präsident der Hebelstiftung seit 2020, ist überzeugt, dass Hebels Botschaften auch heute noch relevant sind. Er traf sich in Basel, schräg gegenüber dem Peterskirchplatz, im Café Hebel, um über die Pläne zu sprechen.
Die Installation sieht vor, dass lange Rohre mit trichterförmigen Lautsprechern kurze Texte aus Hebels Werk wiedergeben. Diese werden in verschiedenen Dialekten zu hören sein. Dafür muss der Kopf der Hebel-Büste gedreht werden, damit die Schalltrichter direkt zu den Passantinnen und Passanten zeigen. Das Konzept stammt von der Kulturvermittlerin Barbara Piatti und dem Gestaltungsbüro Staufenegger + Partner.
Faktencheck: Johann Peter Hebel
- Geboren: 10. Mai 1760 in Basel
- Gestorben: 22. September 1826 in Schwetzingen
- Beruf: Dichter, Theologe, Pädagoge
- Bekannt für: Alemannische Gedichte und Kalendergeschichten
- Berühmtes Werk: Basler Hymne mit der Zeile «Z‘Basel an mim Rhi, jo dört möchti si!»
Hebels Botschaft im 21. Jahrhundert
Mattmüller betont die Bedeutung von Zugänglichkeit: «Unser Anspruch ist Zugänglichkeit.» Hebel selbst war ein Meister der Vermittlung. Im 19. Jahrhundert erreichte er mit seinen kurzen, unterhaltsamen Kalendergeschichten ein breites Publikum. Diese Geschichten waren damals, was heute vielleicht eine 20-Minuten-Zeitung ist: leicht verständlich und weit verbreitet.
Die Inhalte dieser Geschichten sind erstaunlich aktuell. Es geht darum, sich nicht über andere zu stellen und selbstständig zu denken. Mattmüller zieht Parallelen zur heutigen Zeit: «Schauen Sie auf Social Media, da ist es oberflächlich und schnelllebig.» Hebels Lehren könnten uns helfen, genauer hinzuschauen und Vorurteile nicht blind zu übernehmen.
«Wir wollen auch Leute erreichen, die nicht lesen.»
Im Café Hebel liegt eine Ausgabe von Hebels Kalendergeschichten aus dem Jahr 1808. Sie enthält neben praktischen Tipps auch Lebensweisheiten, verpackt in Geschichten. Ein Beispiel: «Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wer den Verstand nicht hat, sie zu nutzen.» Diese zeitlosen Botschaften sollen nun durch die Installation wieder hörbar werden.
Ein Erbe für eine neue Generation
Hebel-Texte finden sich laut Mattmüller kaum noch in Schulen oder Universitäten. Der frisch pensionierte Lehrer und Musiker bedauert dies. Er sieht Hebel als einen wichtigen Vertreter der Aufklärung. Bedeutende Persönlichkeiten wie Goethe und die Gebrüder Grimm lobten seine alemannischen Gedichte und lehrreichen Kurzgeschichten. Kurt Tucholsky empfahl die Lektüre von Hebels Texten sogar als «Reinigungsbad für die Seele».
Hintergrund: Die Hebelstiftung
Die Hebelstiftung setzt sich für die Pflege und Vermittlung des Werks von Johann Peter Hebel ein. Sie organisiert Veranstaltungen, Publikationen und Projekte, um sein Erbe lebendig zu halten und neue Generationen für seine Gedanken zu begeistern. Ihr Ziel ist es, Hebels Bedeutung als Aufklärer und Volkserzieher hervorzuheben.
Um eine neue Generation ausserhalb akademischer Kreise zu erreichen, investiert die Stiftung viel Geld in das Jubiläumsjahr. «Wir geben Geld aus wie noch nie», sagt Mattmüller. Die aufwendige Installation auf dem Peterskirchplatz ist ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Sie soll besonders Menschen ansprechen, die traditionelle Texte nicht lesen.
Weitere Veranstaltungen im Hebeljahr
Neben der sprechenden Büste sind weitere Veranstaltungen im «Hebeljahr» geplant. Die feierliche Einweihung der Installation findet am 15. April statt. Zudem erscheint der Sammelband «Hebel-Wirkungen» mit Beiträgen von Franz Hohler und der Schweizer Buchpreisträgerin Zora del Buono (Nimbus Verlag).
Ein weiteres Highlight ist die Uraufführung des Stücks «Vergänglichkeit» von Hebel. Die Männerstimmen Basel werden dieses Werk in der Peterskirche zu Gehör bringen. Diese vielfältigen Initiativen sollen sicherstellen, dass Johann Peter Hebels Erbe im Jahr seines 200. Todestages in Basel und darüber hinaus eine breite Beachtung findet.
- 15. April: Festliche Einweihung der sprechenden Hebel-Büste.
- Publikation: Sammelband «Hebel-Wirkungen» mit namhaften Autoren.
- Konzert: Uraufführung von Hebels «Vergänglichkeit» durch die Männerstimmen Basel in der Peterskirche.





