Globale Konflikte und Krisen beeinflussen zunehmend das lokale Leben in Basel. Von wirtschaftlichen Auswirkungen bis hin zu kulturellen Programmen sind die Spuren internationaler Ereignisse in der Stadt deutlich sichtbar. Eine neue Veranstaltungsreihe will diesen Zusammenhängen nachgehen und den Dialog fördern.
Wichtige Erkenntnisse
- Internationale Konflikte wirken sich direkt auf Basler Institutionen aus.
- Forschungsschwerpunkte verschieben sich, Mittel für Forschung können sinken.
- Kulturelle Einrichtungen reagieren mit angepassten Programmen und Residenzen.
- Die Veranstaltungsreihe "Echo Basel" fördert den Dialog zwischen Fachwelt und Bevölkerung.
- Basel ist als international vernetzte Grenzregion besonders betroffen.
Internationale Spannungen erreichen Basel
Die Auswirkungen geopolitischer Spannungen und globaler Krisen machen nicht an Landesgrenzen halt. Auch Basel, als internationaler Standort für Pharmaunternehmen und als bedeutendes Kulturzentrum, spürt diese Entwicklungen intensiv. Wirtschaftliche Unsicherheiten und Konflikte weltweit wirken sich bis in die lokale Wirtschaft und Gesellschaft aus.
Peter Maurer, der Präsident des Basel Institute on Governance, betont die globale Vernetzung. Er erklärt, dass grosse Herausforderungen und Lösungsansätze heute kaum noch geografisch isoliert betrachtet werden können. Themen wie wirtschaftliche Entwicklung, Frieden, Sicherheit und Umweltschutz erfordern lokales, nationales und globales Handeln.
Faktencheck
- Basel ist ein wichtiger internationaler Pharmastandort.
- Die Stadt ist als Grenzregion eng mit globalen Entwicklungen verknüpft.
- US-Zölle sind ein Beispiel für direkte wirtschaftliche Auswirkungen globaler Politik.
Auswirkungen auf Forschung und Wissenschaft
Das Schweizerische Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) ist ein Beispiel für eine Institution, die direkt von globalen Krisen betroffen ist. Sonja Merten, Leiterin Society, Gender and Health am Swiss TPH, berichtet, dass sich die Schwerpunkte ihrer Arbeit verschieben. Themen wie Migration und Gesundheit gewinnen an Bedeutung.
Auch die Zerstörung von Infrastrukturen in Konfliktgebieten beeinflusst die Gesundheitsversorgung. Dies wiederum wirkt sich auf die Forschung des Instituts aus. Merten weist zudem darauf hin, dass sich Prioritäten bei Staatsausgaben ändern können, was zu weniger Mitteln für die Forschung führt.
"Als international tätiges Forschungs-, Lehr- und Dienstleistungsinstitut sind wir direkt und indirekt von internationalen Konflikten betroffen."
Sonja Merten, Leiterin Society, Gender and Health im Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut
Kulturelle Institutionen reagieren auf Krisen
Kulturelle Einrichtungen in Basel sehen sich ebenfalls mit globalen Krisen konfrontiert. Sie stellen sich die Frage, wie sie auf politische Umbrüche reagieren und diese in ihre Programme integrieren können. Katrin Eckert, Intendantin vom Literaturhaus Basel, legt grossen Wert darauf, durch Literatur ein differenziertes Verständnis von Konflikten zu vermitteln.
Sie erklärt, dass Autorinnen und Autoren die Innensicht von Gesellschaften aufzeigen und emotionale Verbindungen herstellen können. So werden die Erfahrungen von Menschen in Konfliktgebieten für das Basler Publikum nachvollziehbar. Ein Beispiel hierfür sind die ukrainischen Dichter Artur Dron und Anatolij Dnistrowyj, die über ihre Fronterlebnisse schrieben.
Dialog und Sichtbarkeit im Literaturhaus
Das Literaturhaus Basel fördert den Austausch. Ein Gespräch zwischen dem jüdischen Autor Tomer Dotan-Dreyfus und dem palästinensischen Lyriker Abdalrahman Alqalaq ermöglichte einen echten Dialog jenseits von Polemik. Das Projekt "Weiterschreiben" bietet geflüchteten Autorinnen und Autoren eine Plattform zur Zusammenarbeit und Sichtbarkeit.
Ein weiteres Format ist das Writer in Residence-Programm, das in Krisenzeiten entstand. Es bietet Schriftstellerinnen und Schriftstellern, wie der Exil-Iranerin Andisheh Karami, Ruhe zum Schreiben und Begegnungen mit dem Basler Publikum. Dies ermöglicht den direkten Bericht über ihre Erfahrungen.
"Es war mir schon immer ein Anliegen, über die Literatur etwas zum differenzierten Verständnis der Konflikte beizutragen."
Katrin Eckert, Intendantin Literaturhaus Basel
Bühnenkunst und politische Reflexion
Auch die Kaserne Basel und das Theater Basel reagieren auf die globale Lage. Tobias Brenk, künstlerischer Leiter der Kaserne Basel, berichtet von einem engen Austausch mit globalen Realitäten durch internationale "Artists in Residence". Die Kaserne vergibt gezielt Residenzen an Künstlerinnen und Künstler aus Krisengebieten.
Das Programm der Kaserne zeigt regelmässig Werke internationaler Künstler, die politische Fragestellungen auf die Bühne bringen. Beispiele sind Lia Rodrigues aus Brasilien oder Rabih Mroué aus dem Libanon.
Hintergrund: Lange Planungszeiten
Kulturelle Institutionen wie das Kunstmuseum Basel oder das Theater Basel planen ihr Ausstellungsprogramm und ihre Produktionen oft lange im Voraus. Dies erschwert die direkte Reaktion auf aktuelle internationale Krisen. Dennoch versuchen sie, durch Begleitveranstaltungen oder künstlerische Interpretationen aktuelle Themen aufzugreifen.
Im Theater Basel werden die Produktionen zwar Jahre im Voraus geplant, doch die Inszenierungen spiegeln oft die politische und gesellschaftliche Gegenwart wider. Elena Kuznik, Medienverantwortliche des Theater Basel, erklärt, dass in Antú Romero Nunes' "Hamlet" Soldaten in den Krieg ziehen – Szenen, die sonst oft gestrichen werden.
In Stefan Puchers "Biedermann und die Brandstifter" flimmert eine brennende Welt über die Bildschirme. Auch Opern wie Verdis "Macbeth" oder Kurtágs "Fin de partie" nach Samuel Beckett zeigen zeitlose Motive wie Machtmissbrauch und Krieg, die durch aktuelle Krisen neue Dringlichkeit erhalten.
Das Ballett greift ebenfalls die aktuelle Weltlage auf. In Marco Goeckes "Der Nussknacker" richtet ein Zinnsoldat sein Gewehr direkt auf das Publikum, was die Allgegenwart der Bedrohung verdeutlicht. Das Theater Basel stellt sich diesen Fragen nicht nur künstlerisch, sondern auch im öffentlichen Gespräch, etwa in der Veranstaltung "Dem Faschismus entgegentreten".
"Echo Basel": Eine Plattform für den Dialog
Um diese komplexen Fragen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, lanciert die Schweizerische Friedensstiftung Swisspeace die Veranstaltungsreihe "Echo Basel: Widerhall globaler Konflikte – Basel als Resonanzraum". Isabel Prinzing, Kommunikationsverantwortliche von Swisspeace, erklärt, dass globale Konflikte weit über ihre Ursprungsregionen hinauswirken und auch die Schweizer Gesellschaft prägen.
Die Reihe ist der Auftakt zur zehnten Ausgabe des Basel Peace Forum. Sie zielt darauf ab, einen respektvollen und konstruktiven Austausch zu fördern, der Hintergründe von Konflikten verständlich macht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Die Christoph Merian Stiftung finanziert die Reihe, um Räume für den Dialog zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit zu schaffen.
- Auftaktveranstaltung: Mittwoch, 21. Januar.
- Sprecher: Katrin Eckert (Literaturhaus Basel), Sonja Merten (Swiss TPH) und Laurent Goetschel (Direktor Swisspeace).
Basel ist für solche Veranstaltungen ein idealer Standort, so Prinzing. Als international vernetzte Stadt mit vielen NGOs, global tätigen Unternehmen und Menschen mit eigenen Flucht- und Konflikterfahrungen werden internationale Krisen hier unmittelbar spürbar. Konflikte aus Afghanistan, Syrien, der Ukraine oder dem Horn von Afrika werden in Basel konkret erfahrbar – in Biografien, Nachbarschaften, Schulen, Vereinen und im öffentlichen Diskurs. Dieser Dialog soll nun gemeinsam mit der Basler Bevölkerung geführt werden.





