Zwei historische Schwarz-Weiss-Fotografien, die eine mit Plakaten von Adolf Hitler beklebte Litfasssäule in Basel zeigen, haben eine intensive Debatte im Internet ausgelöst. Die Bilder aus dem Jahr 1932 wurden von der Facebook-Seite «Verschwundenes Basel» veröffentlicht und werfen ein Licht auf die politische Atmosphäre in der Stadt kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland.
Wichtige Fakten
- Fotos aus dem Jahr 1932 dokumentieren Wahlwerbung für Adolf Hitler in der Basler Innenstadt.
- Die Plakate warben für eine Rede Hitlers im Fussballstadion von Freiburg (Deutschland) am 29. Juli 1932.
- Die Veröffentlichung auf der Facebook-Seite «Verschwundenes Basel» führte zu einer Diskussion über die damalige Wahrnehmung der Gefahr.
- Historiker bestätigen, dass deutsche Werbefirmen damals auch in der Schweiz Plakate anbrachten.
Ein unerwarteter Fund im digitalen Archiv
Die Facebook-Seite «Verschwundenes Basel», die sich der Dokumentation der Stadtgeschichte widmet und fast 40'000 Follower hat, publizierte kürzlich zwei Aufnahmen, die heute für viele unvorstellbar sind. Die Bilder zeigen eine Litfasssäule im Herzen von Basel, die mit Wahlplakaten für Adolf Hitler versehen ist. Die Veröffentlichung wurde als «ein übles Stück Basler Strassengeschichte» kommentiert.
Die Fotos dokumentieren, wie nahe die politischen Ereignisse im benachbarten Deutschland auch in der Schweiz spürbar waren. Die Plakate waren keine vereinzelte Erscheinung, sondern Teil einer professionellen Werbekampagne, die von deutschen Firmen grenzüberschreitend durchgeführt wurde, um auch im Ausland für die nationalsozialistische Bewegung zu werben.
Werbung für eine Massenveranstaltung
Die auf den Basler Plakaten beworbene Veranstaltung war eine Wahlkampfrede von Adolf Hitler. Sie fand am 29. Juli 1932 im Mösle-Stadion in Freiburg im Breisgau statt. Laut Aufzeichnungen der Universität Freiburg zog die Rede eine enorme Menschenmenge an.
Die politische Lage im Jahr 1932
Das Jahr 1932 war von grosser politischer Instabilität in der Weimarer Republik geprägt. Hitler und die NSDAP befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Die Veranstaltung in Freiburg war Teil eines intensiven Wahlkampfs vor der Reichstagswahl im November desselben Jahres.
Zahlen und Fakten zur Rede
- Veranstaltungsort: Mösle-Stadion, Freiburg (Deutschland)
- Datum: 29. Juli 1932
- Besucherzahl: Rund 70'000 Menschen
- Wahlergebnis (6. Nov. 1932): Die NSDAP wurde mit 33,1 % stärkste Kraft.
Wenige Monate nach dieser Wahl wurde Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Seine Ernennung erfolgte auf demokratischem Weg, bevor er die Demokratie systematisch abschaffte. Die Plakate in Basel sind somit ein Zeitzeugnis aus der Phase, in der die Nationalsozialisten noch um die Macht kämpften.
Eine Debatte über die Vergangenheit
Die Veröffentlichung der Fotos entfachte eine rege Diskussion unter den Nutzern der Facebook-Seite. Die zentrale Frage, die viele bewegt, lautet: Hätte man damals die drohende Katastrophe vorhersehen können?
Die Meinungen gehen auseinander
Ein Teil der Kommentatoren ist überzeugt, dass die Gefahr bereits 1932 erkennbar war. Ein Nutzer argumentierte: «Die Gescheiten wussten das, besonders die, die das Buch ‹Mein Kampf› richtig gelesen haben.» Diese Ansicht wird durch den Hinweis gestützt, dass Hitlers antisemitische und antidemokratische Ideologie bereits Jahre vor seiner Machtergreifung bekannt war.
Andere argumentieren, dass die volle Tragweite der nationalsozialistischen Ideologie für die breite Masse nicht absehbar gewesen sei. «Das war alles noch sieben Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals wusste noch keiner, was auf sie zukommt», schrieb ein anderer Nutzer. Diese Perspektive betont, dass die späteren Verbrechen des Regimes für viele Zeitgenossen unvorstellbar waren.
«Die Aufnahme erinnert daran, wie nah die politischen Spannungen jener Zeit auch in Basel spürbar waren – wenige Monate vor dem Beginn der NS-Diktatur.» - Kommentar von «Verschwundenes Basel»
Die Rolle der Schweiz
Die Diskussion berührt auch die Rolle der Schweiz und ihrer Bürger in dieser Zeit. Einige Kommentare weisen kritisch darauf hin, dass die nationalsozialistische Bewegung auch in der Schweiz Sympathisanten hatte. «Und viele Schweizer rannten nach Freiburg und rissen den Arm hoch», merkte eine Nutzerin an.
Die Präsenz der Plakate in Basel unterstreicht die geografische und ideologische Nähe zum nationalsozialistischen Deutschland. Sie sind eine Mahnung, dass totalitäre Bewegungen nicht an nationalen Grenzen haltmachen und ihre Propaganda weitreichende Wirkung entfalten kann.
Die historischen Aufnahmen dienen somit nicht nur als Dokumentation eines vergangenen Stadtbildes, sondern auch als Anstoss zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der Zerbrechlichkeit demokratischer Werte.





