Eine aktuelle Studie der Universität Basel zeigt, dass die Offenlegung von Nebeneinkünften und Interessensbindungen bei Politikerinnen und Politikern das Vertrauen der Wählerschaft parteiübergreifend stärkt. Selbst bei hohen Nebeneinkommen bevorzugen Wähler transparente Kandidaten gegenüber jenen, die ihre Finanzen verschweigen.
Wichtige Erkenntnisse
- Transparenz bei Nebeneinkünften erhöht das Wählervertrauen.
- Dieser Effekt gilt unabhängig von der politischen Ausrichtung.
- Wähler bevorzugen transparente Politiker, auch bei hohen Nebeneinkommen.
- Die Schweiz gehört zu den intransparentesten Ländern Europas in diesem Bereich.
- Die Studie widerlegt die Annahme, dass Bürger sich nicht für Transparenz interessieren.
Transparenz schafft Vertrauen
Politikerinnen und Politiker, die ihre Nebeneinkünfte offenlegen, geniessen ein höheres Vertrauen in der Bevölkerung. Dies ist das zentrale Ergebnis einer bahnbrechenden Untersuchung von Forschenden der Universitäten Basel und Genf. Die Studie belegt erstmals empirisch, dass Offenheit in finanziellen Angelegenheiten das Wahlverhalten positiv beeinflusst.
Dr. Oliver Huwyler, Politikwissenschaftler an der Universität Basel, hebt hervor, dass es in der Schweiz eine grosse «Blackbox» gebe, welche Gelder an gewählte Vertreter fliessen. Diese fehlende Klarheit führt oft zu Spekulationen und Misstrauen. Die neue Studie liefert nun handfeste Beweise dafür, dass Transparenz als wichtiges Qualitätsmerkmal wahrgenommen wird.
Wussten Sie schon?
- Seit 1985 sind Schweizer Parlamentarier verpflichtet, Interessensbindungen anzugeben.
- Diese Angaben müssen jedoch keine konkreten Einkünfte umfassen.
- Die Schweiz zählt zu den Ländern in Europa mit den geringsten Transparenzvorschriften für Nebeneinkünfte.
Ergebnisse einer europaweiten Befragung
Für die Studie befragten Oliver Huwyler, Prof. Dr. Stefanie Bailer (Universität Basel) und Prof. Dr. Nathalie Giger (Universität Genf) im Jahr 2021 rund 14'100 Personen aus sieben europäischen Ländern. Zu den Teilnehmerländern gehörten Belgien, Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Polen, Grossbritannien und die Schweiz.
Die Befragten bewerteten fiktive Twitter-Posts von Politikern. Diese Profile unterschieden sich in der Anzahl und Art der Interessensbindungen sowie im Grad der Transparenz über die Nebeneinkünfte. Auch die Höhe der finanziellen Beiträge variierte stark, von 0 Prozent bis zu 150 Prozent des Mandatsgehalts.
«Transparenz hilft allen, aber nicht allen gleich viel», erklärt Oliver Huwyler die Studienergebnisse.
Die Forschungsergebnisse zeigen klar: Transparenz wird von allen Wählern positiv bewertet, unabhängig von ihrer politischen Einstellung. Personen mit höherem Einkommen und solche, die eher links eingestellt sind, legen dabei tendenziell mehr Wert auf Offenheit. Dennoch profitieren alle Politiker von grösserer Transparenz.
Überraschende Erkenntnisse zu hohen Nebeneinkünften
Man könnte annehmen, dass hohe Nebeneinkünfte den Ruf von Politikern schaden. Die Studie zeigt jedoch ein anderes Bild: Die Befragten bevorzugten Parlamentarier, die selbst sehr hohe Nebeneinkommen transparent machten. Dies galt auch im Vergleich zu Kandidaten, die ihre Einkünfte überhaupt nicht offenlegten.
Sogar wenn Nebeneinkünfte das 1,5-fache des eigentlichen Mandatseinkommens erreichten, wurde ein transparenter Umgang damit als besser bewertet als das Verschweigen dieser Informationen. Dies deutet darauf hin, dass Wähler die Offenlegung selbst als Zeichen von Integrität und Vertrauenswürdigkeit interpretieren.
Hintergrund: Interessensbindungen in der Politik
Interessensbindungen sind Verbindungen von Parlamentariern zu Organisationen, die bestimmte Interessen vertreten. Diese können gesamtgesellschaftlicher Natur sein oder spezifische Gruppen betreffen. Politiker übernehmen oft Funktionen in Vorständen oder Beiräten, die bezahlt oder unbezahlt sein können. Diese Bindungen beeinflussen wissenschaftlich nachweisbar, bei welchen Themen Politiker aktiv werden.
Schweiz hinkt bei Transparenz hinterher
Obwohl die Daten aus dem Jahr 2021 stammen, bleiben die Ergebnisse laut Dr. Huwyler hochrelevant, da sich Transparenzregeln nur langsam ändern. Prof. Dr. Stefanie Bailer kritisiert die aktuelle Situation in der Schweiz scharf:
«Die Schweiz gehört zu den intransparentesten Ländern Europas, weil nicht klar ist, wie viele Gelder die Parlamentsmitglieder woher bekommen.»
Die derzeitigen Transparenzvorschriften in der Schweiz weisen viele Schlupflöcher auf und stiften Unsicherheit. Dieser Umstand ist brisant, da das politische Vertrauen in der Bevölkerung nachweislich sinkt. Die Unzufriedenheit mit der Demokratie nimmt zu, was sich auch in einer steigenden Zahl von Gewalttaten an Politikern zeigt.
Wähler wollen Vertrauen
Wenn Interessensbindungen und Einnahmen nicht ersichtlich sind, treffen Wähler Annahmen, die oft negativ ausfallen. Die Studie unterstreicht, dass Wählende darauf vertrauen wollen, dass ihre gewählten Vertreter sich für ihre Interessen und Bedürfnisse einsetzen und nicht primär für die Interessen bestimmter Organisationen.
Oft wird in politischen Debatten das Argument vorgebracht, dass Bürger sich nicht für Transparenz interessieren. Die Basler Studie widerlegt diese Annahme jedoch klar. Sie ist die erste empirische Untersuchung, die den positiven Effekt von Transparenz auf das Wählervertrauen nachweisen kann.
Die Studienergebnisse sollen Politikern einen Anreiz bieten. Prof. Bailer hofft, dass die Resultate Parlamentarier motivieren, selbst transparenter zu sein oder sich für eine verstärkte Offenlegung von Nebeneinkünften einzusetzen. Ein wissenschaftlich fundiertes Argumentarium für mehr Transparenz liegt nun vor.
- Transparenz bei Nebeneinkünften verbessert das Image von Politikern.
- Wähler schätzen Offenheit, unabhängig von der Parteizugehörigkeit.
- Die Höhe der Nebeneinkünfte ist zweitrangig, wenn sie transparent gemacht werden.
- Die Schweiz sollte ihre Transparenzregeln überdenken.





