Das Basler Quartier St. Johann trägt den Namen eines verschwundenen Klosters. Vor über 800 Jahren gründete ein Ritterorden dort eine Kommende. Diese Johanniter-Kommende prägte das Gebiet massgeblich. Heute sind nur noch wenige Spuren sichtbar. Die Geschichte zeigt, wie tief religiöse Institutionen die Stadtentwicklung beeinflussten.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Johanniter-Kommende wurde vor über 800 Jahren gegründet.
- Sie gab dem Basler Quartier St. Johann seinen Namen.
- Der Orden spielte eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Stadt.
- Die Kommende verschwand im Zuge der Reformation.
- Archäologische Funde und historische Dokumente zeugen von ihrer Existenz.
Die Anfänge der Johanniter in Basel
Die Geschichte der Johanniter in Basel begann im 12. Jahrhundert. Der Orden der Johanniter, auch bekannt als Hospitaliter, war ein Ritterorden. Er wurde ursprünglich zur Pflege kranker Pilger im Heiligen Land gegründet. Später entwickelte er sich zu einer militärischen und karitativen Organisation. Seine Mitglieder waren in ganz Europa verbreitet.
In Basel errichteten die Johanniter eine sogenannte Kommende. Eine Kommende war eine Niederlassung des Ordens. Sie diente als Verwaltungszentrum und Wirtschaftsbetrieb. Von hier aus organisierten die Mönche ihre Aktivitäten. Dazu gehörten die Krankenpflege und die Unterstützung Bedürftiger.
Hintergrund: Die Johanniter
Der Johanniterorden entstand im 11. Jahrhundert in Jerusalem. Sein voller Name ist Orden des Heiligen Johannes zu Jerusalem. Er war neben den Templern der bedeutendste Ritterorden des Mittelalters. Die Johanniter hatten weitreichenden Besitz und Einfluss in Europa.
Standort und Bedeutung
Die Basler Kommende lag strategisch günstig. Sie befand sich am Rhein, nahe der damaligen Stadtgrenze. Dieser Standort ermöglichte den Zugang zu wichtigen Handelsrouten. Gleichzeitig war die Kommende ein wichtiger Anlaufpunkt für Reisende und Pilger. Sie bot Schutz und Verpflegung.
Der Orden besass in der Region umfangreiche Ländereien. Diese bewirtschafteten sie selbst. Die Erträge flossen in die karitativen Zwecke des Ordens. Die Kommende war somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Basel.
Entwicklung und Niedergang
Über Jahrhunderte hinweg war die Johanniter-Kommende ein fester Bestandteil Basels. Sie trug massgeblich zur Entwicklung des Quartiers bei. Das Gebiet um die Kommende wuchs stetig. Es bildete sich eine eigene Gemeinde. Der Name St. Johann etablierte sich durch die Präsenz des Ordens.
Die Kommende verfügte über eine eigene Kirche. Sie hatte auch Wirtschaftsgebäude und Unterkünfte. Es war ein autarkes System innerhalb der Stadt. Die Johanniter pflegten enge Beziehungen zur Basler Bürgerschaft und zum Bischof.
Historiker Daniel M. Cassaday beschreibt die Kommende als einen "Ankerpunkt" für die Entwicklung des Quartiers. Ihre Präsenz war über Jahrhunderte prägend.
Interessanter Fakt
Die Johanniter-Kommende besass das Recht, eigene Münzen zu prägen. Dies unterstreicht ihre wirtschaftliche Autonomie und Bedeutung.
Die Reformation und das Ende der Kommende
Der Niedergang der Kommende begann mit der Reformation im 16. Jahrhundert. Basel gehörte zu den frühen Zentren der reformatorischen Bewegung. Die Stadtführung wandte sich vom katholischen Glauben ab. Klöster und kirchliche Institutionen wurden aufgelöst.
Die Johanniter-Kommende wurde im Jahr 1529 aufgehoben. Ihr Besitz ging an die Stadt Basel über. Die Gebäude wurden danach für andere Zwecke genutzt oder abgerissen. Von der einst prächtigen Anlage blieb nur wenig erhalten. Die Erinnerung an den Orden lebte jedoch im Namen des Quartiers weiter.
Archäologische Spuren und heutige Erinnerung
Trotz des Abrisses sind Spuren der Johanniter-Kommende nicht komplett verschwunden. Immer wieder stossen Archäologen bei Bauarbeiten auf Reste der alten Gebäude. Diese Funde geben Einblicke in das Leben und Wirken des Ordens. Sie helfen, die Geschichte des Quartiers besser zu verstehen.
Historische Dokumente und Stadtpläne zeigen den Umfang der Anlage. Sie belegen die zentrale Lage der Kommende im damaligen St. Johann. So wissen wir, dass die Kommende bis ins 20. Jahrhundert noch auf alten Karten verzeichnet war, selbst wenn die Gebäude bereits anderen Nutzungen zugeführt wurden.
- Im Staatsarchiv Basel-Stadt finden sich zahlreiche Dokumente zur Geschichte der Kommende.
- Historische Ansichten, wie eine Fotografie von Lotz-Seidel vor 1911, zeigen die letzten erhaltenen Strukturen.
- Strassennamen und Ortsbezeichnungen in St. Johann erinnern noch heute an die Johanniter.
Das Quartier St. Johann ist heute ein lebendiger Stadtteil. Es hat sich stark verändert. Doch der Name bleibt ein stummer Zeuge seiner mittelalterlichen Vergangenheit. Er erinnert an die Zeit, als ein Ritterorden am Rhein eine bedeutende Rolle spielte.
Die Geschichte der Johanniter-Kommende ist ein Beispiel dafür, wie vergangene Epochen die Gegenwart prägen. Sie zeigt die kontinuierliche Entwicklung einer Stadt. Alte Strukturen verschwinden, doch ihre Namen und Geschichten bleiben Teil des kollektiven Gedächtnisses.





