Ein Junioren-Fussballturnier in Pratteln endete am vergangenen Wochenende mit einem gewalttätigen Angriff auf eine Trainerin. Nach dem Sieg ihres Berner Teams beim «Aquabasilea Cup» wurde die Frau von einer Gruppe von 10 bis 15 Personen angegriffen, die dem Umfeld eines Basler Vereins zugerechnet werden. Der Vorfall ereignete sich nach der Pokalübergabe beim Ausgang des Kultur- und Sportzentrums.
Wichtige Erkenntnisse
- Trainerin eines Berner Junioren-Teams nach Turniersieg angegriffen.
- Angreifer sollen aus dem Umfeld des FC Concordia Basel stammen.
- Der FC Concordia Basel wurde für zwei Jahre vom Turnier ausgeschlossen.
- Dem Angriff gingen bereits während des Turniers Unruhen voraus.
Gewalttat überschattet sportlichen Erfolg
Die C-Junioren eines Berner Fussballklubs reisten mit grossen Ambitionen zum «Aquabasilea Cup» nach Pratteln. Das Hallenturnier, das über vier Wochenenden insgesamt mehr als 200 Teilnehmende anzog, war ein wichtiger Termin im Junioren-Fussballkalender. Doch die Freude über den Turniersieg wurde jäh getrübt.
Unmittelbar nach der Siegerehrung kam es zu dem Übergriff. Die Trainerin des siegreichen Teams wurde beim Verlassen der Halle attackiert. Sie berichtet von frauenfeindlichen Beleidigungen, bevor die Situation eskalierte.
Faktencheck: Der Vorfall
- Ort: Kultur- und Sportzentrum Pratteln, Ausgangsbereich.
- Zeitpunkt: Nach der Pokalübergabe des «Aquabasilea Cup».
- Opfer: Trainerin eines C-Junioren-Teams aus dem Kanton Bern.
- Angreifer: Gruppe von 10 bis 15 Personen, mutmasslich aus dem Umfeld des FC Concordia Basel.
Angriff beim Ausgang der Sportstätte
Die Trainerin schildert den Angriff detailliert. Eine Gruppe von etwa zehn bis fünfzehn Personen, die dem FC Concordia Basel zugeordnet werden, passte sie am Ausgang ab. Zuerst gab es frauenfeindliche Beschimpfungen. Dann wurde die Frau körperlich angegriffen.
«Einer schlug mir seinen Ellbogen in die Schulter, er wollte mir ins Gesicht schlagen», berichtet die Trainerin.
Der Schlag traf ihre Schulter, die bereits durch eine frühere Verletzung angeschlagen war. Die Folgen waren Prellungen und blaue Flecken. Die Trainerin benötigte medizinische Versorgung. Sie konnte die Angreifer durch Schreie um Hilfe in die Flucht schlagen und rief anschliessend die Polizei.
Verzicht auf Strafanzeige unter Bedingungen
Trotz der Schmerzen und Verletzungen möchte die Trainerin den Jugendlichen keine Steine in den Weg legen. Sie erklärte, von einer Strafanzeige abzusehen, sofern sich die Angreifer innerhalb einer Woche bei ihr entschuldigen. Ihr ist es wichtig, die Zukunft der jungen Menschen nicht zu verbauen.
«Ich bin froh, dass meinen Jungs nichts passiert ist», sagt die Trainerin über ihr Team. «Lieber kassiere ich etwas als sie.»
Ein Spielervater bestätigte, dass er die flüchtenden Jugendlichen sah, als der Teambus abfuhr.
Organisator reagiert umgehend
Der FC Pratteln, der das Turnier veranstaltete, zeigte sich schockiert über den Vorfall. Roberto Cottone (53), der OK-Chef des Turniers, bestätigte den Angriff. Er betonte, dass solches Verhalten im Nachwuchssport «nicht zu glauben» sei.
Als direkte Konsequenz wurde der FC Concordia Basel für die kommenden zwei Jahre vom «Aquabasilea Cup» ausgeschlossen. Diese Massnahme soll ein klares Zeichen gegen Gewalt im Jugendfussball setzen.
Hintergrund der Unruhen
Den tätlichen Angriffen gingen bereits während des Turniers Unruhen und Beleidigungen voraus. Veranstalter und Zeugen berichteten von einer negativen Stimmung, die von den Basler Teams ausging. Auslöser war eine mutmassliche Spielmanipulation. Bei einem Spiel zwischen zwei Mannschaften des FC Concordia Basel liess eine Mannschaft die andere «offensichtlich und absichtlich» gewinnen. Die Turnierleitung wertete das Spiel daraufhin als Forfait. Beide Teams des FC Concordia schieden aus, während die Berner eine Runde weiterkamen.
Eskalation der Stimmung
Die Frustration der Basler Spieler und deren Umfeld entlud sich in weiteren Vorfällen. Frustrierte Basler sollen Wasser in Richtung der Berner geworfen und den Veranstalter lautstark beleidigt haben. «Die negative Stimmung erreichte einen ersten Höhepunkt», so OK-Chef Cottone. Nach weiteren Unruhen in der Garderobe und Beleidigungen in Richtung des Berner Fussballklubs ermahnte er die Mannschaft des FC Concordia Basel. Trotz dieser Ermahnung kam es später zum Angriff auf die Trainerin, genau in dem Moment, als sie in ihr Auto steigen wollte.
Roberto Cottone wurde kurz nach dem Vorfall informiert. Er bekräftigte: «Dieses Fehlverhalten hat im Sport keinen Platz.»
FC Concordia Basel dementiert Beteiligung von Spielern
Die Verantwortlichen des FC Concordia Basel äusserten sich zu den Vorwürfen. Sie sind überzeugt, dass keiner ihrer Spieler am Angriff beteiligt war. Der Verein betont, dass die Gesundheit der Trainerin oberste Priorität habe und man seit Sonntag in engem Austausch mit der Trainerin, dem Team, Eltern, Betreuern und Zuschauern stehe, um den Vorfall aufzuarbeiten.
Bisher konnte keine schuldige Person namentlich genannt werden. Der Verein argumentiert, dass in der Halle nichts Schlimmeres passiert sei. «Die Spieler waren emotional, das ist völlig normal in einem Turnier», so der Verein. Da die Teams geschlossen mit dem Bus abgereist seien, sei eine Verwicklung auf dem Parkplatz «nicht möglich» gewesen. Auch Fotos, Aussagen eines Sozialarbeiters und Beobachtungen von Zuschauern hätten keine Concordia-Spieler unter den Angreifern gezeigt. Der FC Concordia bekräftigt, dass Gewalt nicht zur Tradition des Vereins gehöre und man voll hinter den Spielern stehe.
Wiederkehrende Gewalt im Junioren-Fussball
Dieser Fall reiht sich ein in eine Serie von Gewaltvorfällen im Schweizer Junioren-Fussball. Solche Ereignisse treten immer wieder auf und zeigen ein besorgniserregendes Muster. Im November 2024 schlug im Kanton Waadt der Vater eines D-Junioren auf einen Schiedsrichter ein und musste sich dafür vor Gericht verantworten. Im April 2025 gab es nach dem Cup-Halbfinal der A-Junioren in Menziken AG einen handfesten Streit. Und im Mai 2025 kam es nach einem Spiel der C-Junioren im Kanton Aargau erneut zu handgreiflichen Szenen. Diese Vorfälle verdeutlichen, dass Fouls nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben begangen werden.





