Kurz vor Beginn der Basler Fasnacht sehen sich zahlreiche Wagencliquen mit neuen, strengeren Sicherheitsvorschriften konfrontiert. Während die Behörden das Ziel der Unfallprävention betonen, führen die Regeln bei den Betroffenen zu erheblichem finanziellem Aufwand und teils heftiger Kritik. Einige Cliquen mussten ihre aufwendig gestalteten Wagen umbauen oder sogar aufgeben.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die Basler Fasnacht wurden neue, strengere Sicherheitsvorschriften für Umzugswagen eingeführt.
- Für umgebaute Anhänger ist eine teure Betriebssicherheitsbestätigung (Besibe) erforderlich.
- Die Kosten für notwendige technische Anpassungen können sich auf bis zu 7'000 Franken belaufen.
- Kritiker bemängeln, dass einige Regeln, wie die Vollverkleidung, die Sicherheit paradoxerweise verringern könnten.
- Trotz des Unmuts ist die Zahl der angemeldeten Wagen bisher nicht zurückgegangen.
Ein teures Zertifikat für die Tradition
Die Sicherheitsdirektion Baselland hat die Vorschriften für Fasnachtswagen verschärft. Ein Sprecher der Behörde erklärte, dass es keinen spezifischen Auslöser für die neuen Massnahmen gebe. Vielmehr diene die Anpassung der generellen Erhöhung der Sicherheit und der Vermeidung schwerer Unfälle bei den Umzügen.
Im Zentrum der neuen Regelungen steht die sogenannte Betriebssicherheitsbestätigung, kurz Besibe. Diese müssen Cliquen nun für Anhänger einholen, die stark umgebaut wurden oder über keine reguläre Strassenzulassung verfügen. Ohne dieses Zertifikat ist eine Teilnahme am Cortège nicht mehr möglich.
Hintergrund: Die Wagencliquen
Wagencliquen sind ein zentraler Bestandteil der Basler Fasnacht. Diese Gruppen investieren oft hunderte Stunden und viel Herzblut in den Bau und die Gestaltung ihrer Umzugswagen, auf denen sie aktuelle Themen satirisch aufgreifen. Die Wagen sind das Ergebnis monatelanger, ehrenamtlicher Arbeit.
Für viele Vereine bedeutet die Besibe eine erhebliche finanzielle Belastung. Um die Bestätigung zu erhalten, müssen die Fahrzeuge technischen Prüfungen standhalten, die oft kostspielige Nachrüstungen erfordern.
Wenn die Sicherheit zur finanziellen Zerreissprobe wird
Die Auswirkungen der neuen Vorschriften werden am Beispiel von Tobias Lüdi deutlich. Er ist Kassier und Gründungsmitglied einer Wagenclique, die von den Kosten direkt betroffen war. Ihr langjähriger Anhänger hätte nur dann eine Bewilligung erhalten, wenn Bremsen und Pneus komplett ersetzt worden wären.
„Das hätte uns 6'000 bis 7'000 Franken gekostet. Das hätten wir finanziell nicht verkraftet.“
– Tobias Lüdi, Kassier einer Wagenclique
Die Konsequenz für Lüdis Clique war schmerzhaft. Sie mussten ihren grossen, über Jahre gestalteten Wagen aufgeben und auf einen kleineren Anhänger ausweichen. „Es ist extrem schade, weil wir sehr viel Zeit und Aufwand in unseren Fasnachtswagen gesteckt haben“, so Lüdi. Er äussert zwar Verständnis für den Sicherheitsaspekt, befürchtet aber, dass die strengen Vorschriften auch „vieles kaputtmachen“.
Kosten im Detail
Die finanziellen Hürden für eine Teilnahme können beträchtlich sein:
- Technische Prüfung und Gutachten: Mehrere hundert bis über tausend Franken.
- Notwendige Umbauten: Erneuerung von Bremsen, Reifen oder Fahrwerk kann mehrere tausend Franken kosten.
- Gesamtkosten: In Einzelfällen summieren sich die Ausgaben auf bis zu 7'000 Franken.
Kritik an der neuen Verkleidungspflicht
Nicht nur die Kosten sorgen für Unmut. Auch andere Vorschriften stossen auf Widerstand. Peter Aerni, Gemeindepräsident von Lausen, kritisiert insbesondere die neue Regel, dass alle Wagen vollständig verkleidet sein müssen. In einem Schreiben äusserte er zwar grundsätzliches Verständnis für gestiegene technische Anforderungen an Traktoren und Wagen, doch bei manchen Massnahmen sieht er die Verhältnismässigkeit nicht mehr gewahrt.
Ein paradoxer Sicherheitseffekt?
Aerni argumentiert, dass die lückenlose Verschalung der Wagen die Sicherheit paradoxerweise sogar gefährden könnte. „Ich sehe nicht mehr, was sich ausserhalb und insbesondere im unteren Bereich der Verschalung abspielt“, hält er fest. Das Manövrieren an engen Stellen des Cortège werde dadurch erheblich erschwert.
Seiner Ansicht nach führt diese Vorschrift dazu, dass Wagen und Zugfahrzeuge verkleinert werden müssen, was die Stabilität beeinträchtigen kann. Er bezeichnet die Massnahmen in diesem Punkt als „total verfehlt und nicht verhältnismässig“.
Trotz allem: Die Fasnacht findet statt
Trotz der finanziellen Belastungen und der Kritik an einzelnen Vorschriften scheint die Teilnahmebereitschaft der Cliquen ungebrochen. Eine Umfrage bei den Organisatoren in verschiedenen Orten zeigt, dass die Zahl der Anmeldungen für die Umzüge stabil geblieben ist. Es gibt keinen merklichen Einbruch.
Dies deutet darauf hin, dass die meisten Cliquen die Herausforderungen annehmen und Wege finden, die neuen Auflagen zu erfüllen – auch wenn es in vielen Fällen mit einem tiefen Griff in die Vereinskasse und zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Die Liebe zur Tradition und zum Brauchtum scheint stärker zu sein als der Ärger über die Bürokratie.





