Die Basler Herbstmesse verzichtet dieses Jahr auf Boxautomaten. Die Messeleitung begründet den Schritt mit "vereinzelt aggressivem Verhalten", das diese Attraktionen in der Vergangenheit ausgelöst hätten. Damit endet eine jahrzehntelange Tradition, die besonders bei jungen Männern beliebt war.
Wichtige Punkte
- Boxautomaten sind von der Basler Herbstmesse entfernt.
- Grund ist "vereinzelt aggressives Verhalten" im Umfeld der Automaten.
- Ein ähnlicher Vorfall vor zwei Jahren führte zu einer schweren Verletzung.
- Stattdessen gibt es nun den Klassiker "Hau den Lukas".
- Experten sehen in Boxautomaten einen Magneten für "toxischen Machismus".
Das Ende einer Tradition
Seit Jahrzehnten waren die Boxautomaten ein fester Bestandteil der Basler Herbstmesse. Sie boten Besuchern die Möglichkeit, ihre Schlagkraft zu messen. Für zwei Franken konnten drei Schläge ausgeführt werden. Der höchste erzielte Wert wurde oft mit Gejohle und Kichern der Umstehenden quittiert.
Dieses Jahr suchten Besucher vergeblich nach den beliebten Kästen. Die Fachstelle Messen und Märkte des Basler Präsidialdepartements bestätigte auf Anfrage die Entfernung. Dominik Lachenmeier, Mediensprecher der zuständigen Behörde, erklärte, die Boxkästen hätten "vereinzelt aggressives Verhalten provoziert". Diese Einschätzung basiert auf "allgemeinen Beobachtungen" der Messeleitung.
Faktencheck: Boxautomaten
- Kosten pro Spiel: Früher 2 Franken für 3 Schläge.
- Ziel: Höchstmögliche Schlagkraft messen.
- Beliebtheit: Besonders bei jungen Männern.
- Beobachtung: Provokation von aggressivem Verhalten.
Hintergrund der Entscheidung
Obwohl die Messeleitung betont, dass die Entscheidung auf allgemeinen Beobachtungen beruht, gab es in der Vergangenheit einen schwerwiegenden Vorfall. Vor zwei Jahren ereignete sich in der Nähe eines Boxautomaten in der Messehalle eine brutale Schlägerei. Ein 17-Jähriger wurde dabei lebensbedrohlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein, und sechs Jugendliche wurden festgenommen, nachdem Videos des Vorfalls ausgewertet wurden.
Mediensprecher Lachenmeier stellte klar, dass dieser spezifische Vorfall nicht der direkte Auslöser für das jetzige Verbot war. Die Kantonspolizei Basel-Stadt bestätigte, dass ihr keine erhöhten Interventionen im Zusammenhang mit Boxautomaten bekannt waren. Die Polizei hatte das Fehlen der Automaten dieses Jahr nicht einmal bemerkt. Dies deutet darauf hin, dass die Automaten keinen spürbaren Einfluss auf die offizielle Kriminalstatistik hatten.
Was ist "aggressives Verhalten"?
Aggressives Verhalten im Umfeld der Boxautomaten muss nicht immer zu polizeilichen Interventionen führen. Imponiergehabe und Rudelbildung können von Besuchern als störend empfunden werden, auch wenn sie keine strafbare Handlung darstellen. Dies kann das allgemeine Sicherheitsempfinden beeinträchtigen.
Expertenmeinung: "Toxischer Machismus"
Angelo Gallina, Boxtrainer und Präsident des Boxclubs Basel, äusserte sich zur Entfernung der Automaten. Er betonte, dass diese Geräte "nichts mit Boxen zu tun" haben. Gallina bezeichnete die Boxautomaten als Magneten für "toxischen Machismus". Er kann den Entscheid der Messeleitung nachvollziehen und ist nicht traurig über das Verschwinden der Kästen.
"Mit Boxen hat das nichts zu tun", sagte Angelo Gallina. "Diese Automaten sind Magnete für toxischen Machismus."
Diese Einschätzung unterstreicht die Bedenken der Messeleitung. Das Eliminieren solcher Attraktionen kann dazu beitragen, eine entspanntere Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Besucher wohler fühlen.
Die Alternative: "Hau den Lukas"
Als Ersatz für die Boxautomaten kehrt der Klassiker "Hau den Lukas" nach längerer Abwesenheit auf die Herbstmesse zurück. Hier können Besucher für zehn Franken zehn Schläge ausführen. Das Ziel ist es, mit einem Vorschlaghammer einen Metallkörper auf einer Schiene bis zu einer hoch hängenden Glocke zu befördern. Die grösste Bahn ist etwa sieben Meter hoch.
Im Gegensatz zu den Boxautomaten gibt es bei "Hau den Lukas" keinen High Score im herkömmlichen Sinne. Dafür erhalten erfolgreiche Teilnehmer ein "Bhaltis", oft ein Plüschtier. Standchefin Marylin, die aus einer Schaustellerfamilie in siebter Generation stammt, erklärt: "Die meisten schaffen das nur in drei von zehn Fällen. Hauptsache ist die Technik, und danach kommt die Kraft."
"Hau den Lukas" im Detail
- Kosten pro Spiel: 10 Franken für 10 Schläge.
- Ausrüstung: Vorschlaghammer.
- Ziel: Glocke auf 7 Meter Höhe treffen.
- Belohnung: "Bhaltis" (z.B. Plüschtier) für Erfolg.
- Erfolgsfaktor: Technik vor reiner Kraft.
Blick in die Zukunft
Die Kantonspolizei Basel-Stadt wird erst nach Ende der Herbstmesse eine Bilanz über gewalttätige Auseinandersetzungen ziehen. Bislang gab es jedoch keine gravierenden Vorfälle, die einen Zeugenaufruf erfordert hätten. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Massnahme der Messeleitung bereits Früchte trägt.
Der Wechsel von Boxautomaten zu "Hau den Lukas" verändert das Freizeitangebot der Herbstmesse. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Neuerung langfristig auf das Besucherverhalten und die Atmosphäre der Veranstaltung auswirkt. Die Messeleitung setzt auf eine familienfreundlichere und weniger aggressive Umgebung für alle Gäste.
Die Entscheidung zeigt, wie Veranstalter auf die Dynamik öffentlicher Räume reagieren. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, das Spass und Unterhaltung bietet, ohne potenziell unerwünschtes Verhalten zu fördern. Der Fokus liegt nun auf Geschicklichkeit und Technik, statt auf roher Gewalt, was ein anderes Publikum ansprechen könnte.
Die Bedeutung für die Messe
Veranstaltungen wie die Basler Herbstmesse sind wichtige gesellschaftliche Treffpunkte. Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Besucher stehen dabei an erster Stelle. Anpassungen im Angebot, wie das Entfernen von Boxautomaten, spiegeln den Wunsch wider, eine positive und einladende Umgebung für alle Altersgruppen zu gewährleisten.





