Das Kollektiv des Kleinbasler Lokals Hirscheneck stellt die Zukunft seiner traditionellen Silvesterparty infrage. Nach massiven Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Übergriffen auf das Personal in der letzten Neujahrsnacht ziehen die Betreiber Konsequenzen. In einer emotionalen Stellungnahme wird die zunehmende Respektlosigkeit vieler Gäste beklagt.
Ausschreitungen am Jahreswechsel
Die Silvesternacht im und um das Hirscheneck, oft als «Hirschi» bekannt, eskalierte. Berichten zufolge wurden Böller in die Menschenmenge vor dem Lokal geworfen und auf der Strasse ein Feuer entzündet. Diese Vorfälle markieren einen neuen Höhepunkt einer besorgniserregenden Entwicklung.
Rund sechs Wochen nach den Ereignissen hat sich das Hirschi-Kollektiv nun mit einem langen Beitrag auf Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. Darin schildern die Betreiber eine Nacht, die von Aggression und Respektlosigkeit geprägt war.
Die wichtigsten Punkte
- Das Personal des Hirscheneck wurde in der Silvesternacht verbal und physisch angegriffen.
- Es kam zu erheblichen Sachbeschädigungen am Gebäude und in der Nachbarschaft.
- Die Veranstalter beklagen eine generelle respektlose Grundhaltung vieler Gäste.
- Die Zukunft der traditionsreichen und eintrittsfreien Silvesterparty ist nun ungewiss.
Personal im Fokus der Aggression
Besonders alarmierend sind die Schilderungen über den Umgang mit dem Serviceteam. Die ehrenamtlich arbeitenden Helfer sahen sich einer Welle von Anfeindungen ausgesetzt. Das Kollektiv beschreibt die Situation in deutlichen Worten.
«Wir wurden angemotzt, angeschrien, belästigt und nicht ernst genommen. Teils haben Servicemenschen auch physische Übergriffe erlebt.»
Diese Aussage verdeutlicht das Ausmass der Probleme. Laut dem Statement wurden kommunizierte Grenzen und Anweisungen des Personals systematisch ignoriert oder mit heftiger Gegenwehr beantwortet. Es handle sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um eine «spürbare Grundhaltung vieler Gäste».
Die Enttäuschung bei den Organisatoren ist gross. «Wir sind genervt und enttäuscht über diese Art, das neue Jahr zu begrüssen, und all der unnötig zusätzlichen Arbeit, die uns damit gemacht wurde», heisst es in der Stellungnahme weiter.
Ehrenamtliches Engagement als Grundlage
Die Silvesterparty im Hirscheneck war jahrelang ein Highlight im Basler Veranstaltungskalender. Sie wurde durch unzählige Stunden unbezahlter Arbeit des Kollektivs ermöglicht. Dies erlaubte es, den Gästen freien Eintritt, zwei Dancefloors und mehrere Bars anzubieten. Genau dieses Engagement sehen die Betreiber nun durch das Verhalten einiger Gäste nicht mehr gewürdigt.
Wiederholte Probleme und gescheiterte Massnahmen
Die jüngsten Vorfälle sind kein neues Phänomen. Bereits in der Silvesternacht 2024 gab es ernsthafte Sicherheitsprobleme, als mehreren Gästen K.O.-Tropfen in ihre Getränke gemischt wurden. Als Reaktion darauf hatte das Kollektiv für die diesjährige Feier ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet.
Das neue Sicherheitskonzept umfasste:
- Eine Begrenzung der Personenzahl in den Innenräumen
- Zusätzliche Aussentoiletten zur Entlastung
- Professionelle Türsteher am Eingang
- Ein spezielles Awareness-Team zur Prävention und Hilfe
Trotz dieser umfangreichen Bemühungen konnte die Eskalation nicht verhindert werden. Das Kollektiv stellt fest, dass die Massnahmen nicht den gewünschten Erfolg brachten. Die Veröffentlichung des Statements sei nun ein Versuch, ein Umdenken anzustossen.
Problematische Entwicklung: Schon 2015 wurde der traditionelle «Tuntenball» im Hirscheneck pausiert, weil die Veranstalter einen Verlust des familiären Charakters und zunehmend homophobe Äusserungen beklagten. Dies zeigt, dass Probleme mit dem Gästeverhalten schon länger bestehen.
Ein Appell für die Zukunft
Ob es im Jahr 2026 wieder eine Silvesterparty im Hirscheneck geben wird, ist derzeit offen. Die Betreiber machen deutlich, dass eine Fortführung nur unter anderen Umständen denkbar ist. Sie appellieren an das Verantwortungsbewusstsein und die Solidarität ihrer Gäste.
Die Kernbotschaft des Kollektivs ist ein Wunsch nach gegenseitigem Respekt. «Diese Arbeit zu würdigen, sich mit Respekt zu begegnen und sich gegenseitig aktiv zu unterstützen, ist das Mindeste, was es braucht, damit wir motiviert bleiben, uns auch weiterhin die Mühe zu machen», schliesst das Statement.
Die Hoffnung bleibt, dass der Dialog zu einer positiven Veränderung führt. «Eigentlich bereitet es uns viel Freude, gemeinsam Feste zu feiern. Wir hoffen, das in Zukunft wieder mehr zu spüren.» Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht und die traditionsreiche Party eine Zukunft hat.





