Anwohner im Basler Quartier Kleinhüningen zeigen sich zunehmend besorgt über die Sicherheitslage rund um die Asylunterkunft am Schäferweg. Ein kürzlicher Vorfall, bei dem ein Anwohner nach dem Aufbrechen eines Autos angegriffen wurde, hat die Spannungen verstärkt und zu einem dringenden Dialog zwischen Bewohnern, Politik und Polizei geführt. Viele fordern nun eine Verlegung der Unterkunft.
Wichtige Erkenntnisse
- Anwohner in Kleinhüningen berichten von erhöhter Unsicherheit und Kriminalität.
- Ein gewaltsamer Übergriff nach einem Autoaufbruch am Schäferweg hat die Situation eskaliert.
- Viele kleinere Vorfälle werden laut Anwohnern nicht mehr gemeldet, was zu einer hohen Dunkelziffer führt.
- Die Unterkunft am Schäferweg beherbergt ausschliesslich erwachsene Männer aus Bundesasylzentren.
- Politik und Polizei suchen gemeinsam mit den Bewohnern nach Lösungen, lehnen eine sofortige Verlegung der Unterkunft jedoch ab.
Steigende Besorgnis bei Anwohnern
Die Zivilschutzanlage Werkhof, seit 2011 eine Unterkunft für Asylsuchende, befindet sich mitten in einem Wohngebiet in Kleinhüningen. Hier leben ausschliesslich erwachsene Männer. Was als temporäre Lösung begann, ist für die Anwohner zu einem Dauerproblem geworden. Sie berichten von einer sich stetig verschlechternden Situation.
Amir, ein Anwohner des Schäferwegs, beschreibt die Lage als katastrophal. Er erklärt, dass seine Familie sich nicht mehr sicher fühle, das Haus zu verlassen. Solche Aussagen spiegeln die wachsende Angst im Quartier wider.
Faktencheck: Unterkunft Schäferweg
- Eröffnung: 2011
- Standort: Areal der Industriellen Werke Basel (IWB), Schäferweg, Kleinhüningen
- Typ: Unterirdische Zivilschutzanlage
- Belegung: Ausschliesslich erwachsene Männer
- Hintergrund: Entlastung des Bundesasylzentrums an der Freiburgerstrasse
Gewaltsamer Vorfall erhöht Druck
Anfang Januar erreichte die Unsicherheit einen Höhepunkt. Ein Anwohner ertappte mehrere Männer beim Aufbrechen seines Autos. Als er sie zur Rede stellte, griffen sie ihn nach Augenzeugenberichten mit einer Eisenstange an. Der Mann musste ins Spital eingeliefert werden.
Amir wurde von der Ehefrau des Opfers alarmiert und kam hinzu, nachdem die Täter geflohen waren. Die Polizei konnte die Verdächtigen später festnehmen. Dieser Vorfall hat das Fass zum Überlaufen gebracht und die Forderung nach sofortigem Handeln verstärkt.
«Es reicht, wir müssen aufstehen», sagt Amir. Er hat daraufhin eine Krisensitzung im Quartiertreffpunkt Kleinhüningen einberufen.
Dunkelziffer und mangelndes Vertrauen
Rund 40 bis 50 Anwohner nahmen an der Krisensitzung teil. Sie diskutierten mit Vertretern des Community Policing und SP-Grossrat Mahir Kabakci über ihre Sorgen. Die Anwohner empfinden die Unsicherheit als real, auch wenn sie sich in den offiziellen Kriminalstatistiken kaum widerspiegelt.
Laut einer Anwohnerin namens Sarah wurden in den letzten sechs Monaten lediglich vier relevante Vorfälle statistisch erfasst. Sie betont, dass viele kleinere Vorfälle bewusst nicht mehr gemeldet werden. Die Bewohner glauben, dass die Polizei unterbesetzt ist und nicht immer zeitnah reagieren kann. Diese Einschätzung der hohen Dunkelziffer überraschte selbst die anwesenden Polizeivertreter.
Einigkeit herrschte an der Sitzung darüber, dass künftig auch kleinere Vorfälle konsequent gemeldet werden müssen, um ein realistischeres Lagebild zu erhalten. Der Frust über gestohlene Fahrräder, aufgebrochene Keller, Pöbeleien und nächtlichen Lärm sitzt tief.
Polizei und Politik reagieren
Toprak Yerguz, Kommunikationsleiter des Justiz- und Sicherheitsdepartements, widerspricht dem Eindruck mangelnder Polizeipräsenz. Er betont, dass die Kantonspolizei bei Gefährdungen von Leib und Leben immer innerhalb kürzester Zeit vor Ort sei. Das Problem liege nicht am Personal, sondern an der hohen Anzahl und der Zusammensetzung der Bewohner in den Bundesasylzentren.
SP-Grossrat Mahir Kabakci bezeichnete das Treffen als «einen notwendigen Austausch auf Augenhöhe». Er plädiert für einen klaren, aber respektvollen Dialog. Er möchte die Ursachen der Probleme analysieren, bevor er parlamentarische Vorstösse unternimmt.
Hintergrund: Asylsystem und Maghreb-Staaten
Mehrere Quellen bestätigen, dass viele der als problematisch wahrgenommenen Männer aus dem Maghreb stammen. Ihre Schutzquote in der Schweiz ist sehr gering; die meisten müssen das Land wieder verlassen.
Bund, Kantone und Gemeinden haben erkannt, dass das Asylsystem bei starker Belastung an seine Grenzen stösst. Die Asylstrategie 2027 soll das System weiterentwickeln, um die Strukturen weniger durch nicht schutzbedürftige Personen zu belasten.
Kurzfristige Massnahmen und langfristige Forderungen
Seit der Krisensitzung wurde die Polizeipräsenz rund um den Schäferweg erhöht. Yerguz berichtet, dass sich die Situation dadurch etwas beruhigt habe. Er warnt jedoch, dass Patrouillen allein das Problem langfristig nicht lösen können, da dafür die Ressourcen fehlen.
Die Forderung vieler Anwohner bleibt klar: Die Unterkunft soll aus dem Wohnquartier verlegt werden. Dies ist jedoch kurzfristig nicht realistisch. Zudem garantiert eine Verlegung keine vollständige Abhilfe, da Basel im Dreiländereck liegt und viele Vorfälle nicht direkt der Anlage zuzuordnen sind.
Dialog und Anpassungen im Betrieb
Der Kanton Basel-Stadt möchte gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) mögliche Anpassungen im Betrieb der Unterkunft besprechen. Dazu gehören flexiblere Zutrittszeiten zur Zivilschutzanlage, um nächtliches Herumlungern zu reduzieren.
Das SEM, das die Anlagen betreibt, teilt mit, dass Spätheimkehrer ab 22 Uhr bereits heute in separaten Räumlichkeiten untergebracht werden. Niemand müsse draussen bleiben.
Die Anwohner befürchten, dass Untätigkeit zu noch grösseren Problemen führen könnte. Sarah warnt: «Bürger müssen sich selber anfangen zu schützen.» Sie fordert klares staatliches Handeln in Kleinhüningen.
Yerguz weist den Vorwurf zurück, Kleinbasel werde von den Behörden weniger beachtet. Er räumt ein, dass dieses Gefühl historisch gewachsen sei, betont aber die Präsenz der Polizei, insbesondere da viele Hotspots auf dieser Rheinseite liegen.





