Sechs Schweizer Grenzkantone – Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Genf, Tessin, Waadt und Wallis – haben gemeinsam eine Resolution an den Bundesrat verabschiedet. Sie fordern darin schnelle und zielgerichtete Investitionen von 24 Milliarden Franken in den Ausbau des Schweizer Bahnnetzes. Die Regierungen betonen die Dringlichkeit, um dem steigenden Pendler- und Güterverkehr gerecht zu werden und internationale Verbindungen zu verbessern.
Wichtige Punkte
- Sechs Grenzkantone fordern 24 Milliarden Franken für Bahnausbau.
- Überlastetes Netz und steigender Verkehr sind Hauptprobleme.
- Fokus liegt auf Stärkung der Nord-Süd-Achse und Erweiterung von Lötschberg/Simplon.
- Die Resolution fordert einen bedarfsgerechten Ausbau ohne Verzögerung.
Das Problem: Überlastung und steigende Nachfrage
Das Schweizer Bahnnetz, insbesondere in den Grenzregionen, steht unter erheblichem Druck. Zehntausende Pendler nutzen täglich die Züge, und der Güterverkehr nimmt stetig zu. Dies führt zu einer spürbaren Überlastung, besonders in den Hauptachsen, an wichtigen Knotenpunkten und während der Spitzenzeiten.
Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt sind stark vom grenzüberschreitenden Verkehr betroffen. Auch Genf, das Tessin, die Waadt und das Wallis sehen sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Ohne rasche Gegenmassnahmen würde sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen, warnen die Kantonsregierungen.
Faktencheck
- 24 Milliarden Franken: Benötigte Investitionssumme für den Bahnausbau.
- 6 Kantone: Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Genf, Tessin, Waadt, Wallis.
- Zehntausende Pendler: Tägliche Nutzer des überlasteten Netzes in den Grenzregionen.
Die Forderungen der Kantone
Die gemeinsame Resolution, die im Rahmen des 3. Nationalen Bahnkongresses in Basel übergeben wurde, beinhaltet drei zentrale Forderungen an den Bund. Die Kantone wünschen sich ein Bahnnetz, das der wachsenden Nachfrage gerecht wird. Dies umfasst eine attraktive Anbindung der Ballungsräume sowie gute internationale Verbindungen.
Die Regierungsvertreter, darunter Isaac Reber (BL), Esther Keller (BS), Pierre Maudet (GE), Norman Gobbi (TI), Nuria Gorrite (VD) und Franz Ruppen (VS), betonen die Notwendigkeit eines bedarfsgerechten Ausbaus von Angebot und Infrastruktur. Dieser Ausbau müsse ohne Aufschub realisiert werden.
«Unsere gemeinsame Forderung ist ein Bahnnetz, das der steigenden Nachfrage gerecht wird. Die Ballungsräume müssen attraktiv bedient und gute internationale Verbindungen ermöglichen.»
Auszug aus der Resolution der Grenzkantone
Stärkung der Nord-Süd-Achse im Tessin
Für den Kanton Tessin steht die Stärkung der Nord-Süd-Achse im Vordergrund. Diese Achse verbindet die wichtigsten Schweizer Wirtschafts- und Ballungszentren mit der Metropolregion Mailand. Sie ist zudem der wichtigste Korridor für den alpenquerenden Schienengüterverkehr.
Derzeit beeinträchtigen niedrige Betriebsgeschwindigkeiten und Engpässe die Effizienz des AlpTransit. Eine Kapazitätssteigerung auf der Achse nach Locarno und eine Beschleunigung der Verbindung Tessin–Mailand sind entscheidend. Nur so können Personen- und Güterverkehr stabil wachsen und die nationalen Verlagerungs- und Klimaziele erreicht werden.
Hintergrund: AlpTransit
Der AlpTransit ist ein Jahrhundertprojekt, das die Reisezeiten durch die Alpen erheblich verkürzt und die Kapazität für den Schienengüterverkehr erhöht hat. Doch auch nach seiner Fertigstellung sind weitere Massnahmen nötig, um das volle Potenzial auszuschöpfen und die Anbindung an die Nachbarländer zu optimieren.
Ausbau der Achse Lausanne-Genf und Lötschberg/Simplon im Wallis
Der Kanton Wallis fordert den Ausbau der Hauptachse Lausanne–Genf sowie der Lötschberg/Simplon-Achse. Die Erreichbarkeit des Wallis hängt neben dem bereits voll ausgebauten Lötschberg-Basistunnel stark von der Leistungsfähigkeit dieser Verbindungen ab.
Bestehende Engpässe auf diesen Strecken beeinträchtigen neue Erschliessungen, den Tourismus und die Attraktivität des Standorts Wallis. Ein gezielter Ausbau ist hier essenziell, um die Region besser anzubinden und ihr Entwicklungspotenzial voll auszuschöpfen.
Regionale Bedeutung der Initiative
Die Initiative der sechs Kantone zeigt, wie wichtig die regionale Perspektive für die nationale Verkehrspolitik ist. Die grenznahen Regionen sind oft die ersten, die die Auswirkungen einer überlasteten Infrastruktur spüren, da sie als Drehscheiben für internationalen Verkehr und Pendlerströme fungieren.
Andrea Tschopp, Mediensprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, bestätigte, dass die Resolution auf Beschlüssen der jeweiligen Kantonsregierungen basiert. Eine Befragung der kantonalen Parlamente sei hierfür nicht erfolgt.
Warum sind Grenzkantone besonders betroffen?
- Hoher Pendlerverkehr: Viele Arbeitnehmer überqueren täglich die Grenze.
- Internationaler Güterverkehr: Wichtige Transitrouten für Waren.
- Anbindung an Metropolregionen: Direkte Verbindungen zu grossen Städten im Ausland.
- Tourismus: Gute Erreichbarkeit ist entscheidend für Besucher aus Nachbarländern.
Blick in die Zukunft
Die Forderung nach 24 Milliarden Franken für den Bahnausbau ist ein klares Signal an den Bund. Die Kantone hoffen auf eine schnelle Umsetzung, um die Mobilität der Bevölkerung und den Gütertransport langfristig zu sichern. Ein effizientes und leistungsfähiges Bahnnetz ist nicht nur für die Wirtschaft von Bedeutung, sondern auch für die Erreichung der Klimaziele der Schweiz.
Die Diskussion um den Bahnausbau wird in den kommenden Monaten sicherlich weitergehen. Die Entschlossenheit der sechs Grenzkantone unterstreicht die Dringlichkeit des Themas und die Notwendigkeit, jetzt zu handeln, um Engpässen in der Zukunft vorzubeugen.





