Eine innovative Seilbahnverbindung könnte das Birstal und das Oristal direkt miteinander verbinden und die Reisezeit zwischen Aesch und Liestal erheblich verkürzen. Ein Postulat fordert nun eine detaillierte Prüfung dieser sogenannten «Vision Jurasteg» als Alternative zu bestehenden Strassen- und Schienenprojekten.
Wichtige Punkte
- FDP-Landrat Balz Stückelberger fordert die Prüfung einer Seilbahn zwischen Aesch und Liestal.
- Die geplante Strecke ist etwa 10 Kilometer lang und soll die Reisezeit halbieren.
- Eine 3S-Gondelbahn für 30-35 Personen wird als bevorzugte Technologie genannt.
- Die geschätzten Kosten liegen zwischen 340 und 415 Millionen Franken.
- Die Seilbahn soll eine kostengünstigere und landschaftsschonendere Alternative zu Strassentunneln darstellen.
Direkte Verbindung für Pendler und Touristen
Der FDP-Landrat Balz Stückelberger hat kurz vor dem Ende seiner Amtszeit ein Postulat eingereicht. Er fordert darin den Regierungsrat auf, eine Seilbahnlinie zwischen Aesch und Liestal eingehend zu untersuchen. Diese «Vision Jurasteg» soll eine direkte Verkehrsverbindung zwischen den bevölkerungsreichen Tälern schaffen.
Aktuell müssen Pendler, die vom Birstal nach Liestal reisen möchten, oft einen Umweg über Basel nehmen. Dies belastet die Verkehrswege zusätzlich. Die Seilbahn soll hier Abhilfe schaffen und die Region effizienter verbinden.
Faktencheck
- Reisezeit: Geplant sind 22 bis 24 Minuten von Aesch nach Liestal, inklusive Zwischenhalt.
- Kapazität: Die Seilbahn könnte 4200 bis 4500 Personen pro Stunde und Richtung befördern.
- Streckenlänge: Die vorgeschlagene Route misst rund 10 Kilometer.
Technologie und Streckenführung
Die Idee stammt vom Münchensteiner Architekten Rolf Stalder. Sie sieht eine rund 10 Kilometer lange ÖV-Seilbahn vor. Die Strecke soll vom Bahnhof Aesch über den Gempenturm/Schartenfluh und den Raum Sichtern/Oristal bis zum Bahnhof Liestal führen. Diese Route wurde gewählt, um grosse Wohngebiete zu umgehen und die Landschaft zu schonen.
Für das Projekt favorisiert wird eine «3S-Gondelbahn». Diese Technologie nutzt drei Seile, was eine hohe Windstabilität gewährleistet. Die Kabinen sind für 30 bis 35 Personen ausgelegt und eignen sich für Pendler, Touristen und den Transport von Fahrrädern. Die Geschwindigkeit von etwa 8 Metern pro Sekunde ermöglicht eine zügige Fahrt.
«Die Seilbahn soll die heutigen Hürden der Topografie und sensiblen Landschaftsräume umgehen und eine effiziente Alternative bieten.»
Vorteile der Seilbahn gegenüber anderen Lösungen
Eine herkömmliche Strassen- oder Schienenverbindung wäre in dieser Region aufgrund der Topografie und der sensiblen Landschaftsräume technisch aufwendig. Sie wäre auch landschaftlich problematisch und politisch schwer umsetzbar. Die Seilbahn bietet hier eine Lösung, die diese Herausforderungen minimiert.
Die Talstation in Aesch würde nahe am Bahnhof liegen, was eine direkte Anbindung an den öffentlichen Verkehr ermöglicht. Auf Liestaler Seite verläuft die Trasse hauptsächlich über das Industriegebiet Oristal und nur kurz über die Oristalstrasse. Dies reduziert die Auswirkungen auf Wohngebiete.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Kosten für eine solche Seilbahn variieren je nach Ausführung. Eine einfachere Einseilumlaufbahn würde geschätzte 190 bis 240 Millionen Franken kosten. Die von Stückelberger bevorzugte, hochwertigere 3S-Lösung liegt bei 340 bis 415 Millionen Franken.
Diese Zahlen erscheinen hoch, jedoch sind sie deutlich geringer als die Kosten für einen möglichen neuen Autobahntunnel. Ein solcher Tunnel zwischen Aesch und Liestal würde laut Schätzungen zwischen 2 und 3 Milliarden Franken oder mehr kosten. Die Wirtschaftskammer Baselland fordert eine solche Strassenverbindung seit einiger Zeit.
Hintergrund der Initiative
Das Postulat von Balz Stückelberger knüpft an einen früheren parlamentarischen Auftrag des GLP-Landrats Manuel Ballmer an. Ballmer hatte gefordert, Seilbahnen generell als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr im Baselbiet zu prüfen. Stückelberger konkretisiert diese Idee nun mit einem spezifischen Korridor und einer detaillierten Vision.
Er selbst tritt Ende Februar von seiner Landratstätigkeit zurück, nachdem er 2011 ins Parlament kam. Die Amtszeitbeschränkung auf 16 Jahre hätte eine erneute Kandidatur im Jahr 2027 verhindert.
Nächste Schritte und Prüfung
Mit seinem Postulat bittet Landrat Stückelberger den Regierungsrat, den Korridor Aesch–Gempen–Liestal intensiv zu untersuchen. Dabei sollen die Chancen und Risiken genau analysiert werden. Ebenso wichtig sind die verkehrliche Wirkung, die Investitions- und Betriebskosten sowie ein möglicher Zeithorizont für die Umsetzung.
Der Regierungsrat soll zudem darlegen, unter welchen Bedingungen er bereit wäre, die «Vision Jurasteg» in eine Vorstudie oder in laufende Planungen zu integrieren. Dieses «Abschiedsgeschenk» von Stückelberger soll eine vertiefte Prüfung der Seilbahn-Option anstossen und die Diskussion über zukunftsfähige Verkehrslösungen im Baselbiet vorantreiben.
- Abklärung der verkehrlichen Wirkung
- Analyse von Investitions- und Betriebskosten
- Definition eines möglichen Zeithorizonts
- Integration in bestehende Planungen prüfen





