Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat eine entscheidende Weiche für den geplanten Spitalneubau gestellt. Nach umfassender Prüfung rückt das Areal «Salina Raurica Ost» in Pratteln als bevorzugte Option für eine Einstandortlösung in den Fokus. Der bisher ebenfalls diskutierte Standort «Bredella Ost» beim Bahnhof Pratteln wurde hingegen aus der engeren Wahl gestrichen.
Wichtige Erkenntnisse
- «Salina Raurica Ost» ist der bevorzugte Standort für einen Spitalneubau.
- Der Standort «Bredella Ost» scheidet aus planerischen Gründen aus.
- Ein ambitionierter Zeitplan strebt die Inbetriebnahme bis 2036 an.
- Politische Parteien zeigen unterschiedliche Meinungen zur Standortfrage.
- Der definitive Entscheid fällt voraussichtlich Ende März 2026.
Standortevaluation: Warum «Salina Raurica Ost» überzeugt
Die Entscheidung des Regierungsrats basiert auf einer detaillierten Machbarkeitsstudie. Diese wurde im November 2024 in Auftrag gegeben und untersuchte die Eignung beider Prattler Areale. Obwohl sich die Standorte betrieblich kaum unterschieden, zeigte «Bredella Ost» erhebliche Nachteile in der planerischen Umsetzung.
Die Hauptgründe für das Ausscheiden von «Bredella Ost» waren Unsicherheiten beim Landerwerb und bestehenden Mietverhältnissen. Zudem stellte die Integration in die städtebauliche Entwicklung von Pratteln eine Herausforderung dar. Auch die zusätzliche Verkehrsbelastung für ein bereits stark frequentiertes Strassennetz sprach gegen diesen Standort.
«Salina Raurica Ost» punktete in diesen Bereichen besser. Das Areal liegt in der Nähe von Augst und bietet aus planerischer Sicht mehr Spielraum. Dennoch sind auch hier einige Herausforderungen zu bewältigen, um den ambitionierten Zeitplan einzuhalten.
Faktencheck: Die Standorte im Vergleich
- Salina Raurica Ost: Freistehendes Areal, gute planerische Integration, Herausforderungen bei ÖV-Anbindung und Lärmschutz.
- Bredella Ost: Nähe zum Bahnhof, aber unsicherer Landerwerb, schwierige städtebauliche Integration, hohe zusätzliche Verkehrsbelastung.
Zeitlicher Rahmen und notwendige Massnahmen
Der Regierungsrat strebt eine Inbetriebnahme des neuen Spitals bis zum Jahr 2036 an. Die Machbarkeitsstudie zeigt jedoch auf, dass dieser Zeitplan sehr ambitioniert ist. Eine Umsetzung innerhalb von zehn Jahren wäre nur bei einem optimalen Projektablauf realistisch.
Dafür wären mehrere Massnahmen erforderlich. Dazu gehören Parallelplanungen, eine frühzeitige Sicherung zusätzlicher Flächen sowie Verbesserungen bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Auch Massnahmen zum Lärmschutz sind unerlässlich, um das Projekt erfolgreich umzusetzen.
Die Kantonsregierung muss diese Aspekte genau prüfen. Nur mit einer klaren Strategie und ausreichenden Ressourcen kann der Zeitplan eingehalten werden. Die Planung eines Grossprojekts dieser Art erfordert präzise Koordination und Weitsicht.
Politische Reaktionen: Einigkeit ist noch fern
Die Entscheidung des Regierungsrats hat umgehend politische Reaktionen ausgelöst. Die Meinungen über den besten Spitalstandort gehen weit auseinander. Dies zeigt, wie wichtig und emotional das Thema für die Region ist.
Die GLP spricht sich klar für eine Einstandortlösung aus, entweder in Pratteln oder in Liestal. Sie fordert die Aufgabe des Bruderholzspitals. Aus Sicht der Grünliberalen können Fachkräftemangel, steigende Qualitätsanforderungen und hohe Kosten langfristig nicht mit mehreren stationären Standorten bewältigt werden. Sie betonen auch die Notwendigkeit, ambulante Angebote im ganzen Kanton auszubauen.
"Eine Lösung auf der 'grünen Wiese' ist nur dann tragfähig, wenn gleichzeitig ambulante Angebote, insbesondere für das Oberbaselbiet, sowie eine Perspektive für den Standort Liestal mitgeplant werden."
Stephan Ackermann, Grünen-Fraktionspräsident
Die Grünen fordern zudem eine klimaverträgliche und verkehrsarme Spitalinfrastruktur mit guter ÖV-Anbindung. Sie warnen davor, dass regionale Symbolpolitik die Standortfrage nicht beeinflussen sollte.
Hintergrund: Die Herausforderung der Gesundheitsversorgung
Die Frage nach dem optimalen Standort für das Kantonsspital Baselland (KSBL) beschäftigt den Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan (EVP) bereits seit einiger Zeit. Es geht um die zukünftige Behandlung kranker und verletzter Baselbieterinnen und Baselbieter. Die Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung im gesamten Kanton.
Die Sicht der SP und die offenen Fragen der FDP und SVP
Die SP-Basis vertritt eine andere Haltung. Bei einem Parteitag im Oktober sprachen sich die Mitglieder klar für den Erhalt der beiden bestehenden KSBL-Standorte Liestal und Bruderholz aus. Einen Spitalneubau in Pratteln lehnten sie ab.
Zwar sei die Zweistandortlösung nicht ideal, jedoch unter den aktuellen ökonomischen und versorgungstechnischen Rahmenbedingungen die beste verfügbare Option. Die SP fordert gleichzeitig einen gezielten Ausbau ambulanter Gesundheitszentren, um die stationäre Versorgung zu entlasten.
Die FDP und die SVP haben sich bisher noch nicht zur Standortfrage positioniert. Sie halten ihre Optionen offen. Dies zeigt, dass die Diskussion über den Spitalstandort noch lange nicht abgeschlossen ist und weitere Debatten zu erwarten sind.
Nächste Schritte und die Volksabstimmung
Der definitive Standortentscheid der Regierung soll bis Ende März 2026 vorliegen. Anschliessend wird er dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt. Im Rennen bleiben nun der Standort «Salina Raurica Ost» in Pratteln und die Beibehaltung der bestehenden KSBL-Standorte in Liestal und auf dem Bruderholz.
Es ist absehbar, dass der Entscheid des Regierungsrats nicht nur im Landrat, sondern voraussichtlich auch an der Urne für hitzige Diskussionen sorgen wird. Die Bevölkerung wird das letzte Wort haben, wenn es um die Zukunft der Spitalversorgung im Baselbiet geht. Dies unterstreicht die demokratische Bedeutung dieses Projekts.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Es bleibt abzuwarten, welche Argumente sich durchsetzen und wie die Bevölkerung letztlich über dieses wichtige Infrastrukturprojekt abstimmen wird. Die Gesundheitsversorgung ist ein zentrales Anliegen für alle Bürgerinnen und Bürger.





