Die Basler Medienlandschaft hat sich seit 1831 stetig verändert. Ein neues Buch des Historikers David Tréfás beleuchtet diese Entwicklung und zeigt, wie Krisen die Berichterstattung prägten und welche Rolle neue Technologien spielten. Von den Anfängen der Basler Zeitung bis zur heutigen digitalen Vielfalt, die Geschichte der lokalen Presse ist eng mit den gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen verbunden.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Basler Presse entstand 1831 durch die Kantonstrennung.
- Katastrophen wie der Brand von Schweizerhalle veränderten die Informationsbedürfnisse.
- Finanzierung lokaler Zeitungen war oft durch Querfinanzierung gesichert.
- Neue Medienformate wie Bajour sprechen spezifische Zielgruppen an.
- Lokaljournalismus und Community Building könnten die Zukunft prägen.
Die Geburtsstunde der Basler Presse
Die Existenz einer eigenständigen Basler Presse ist direkt auf die Kantonstrennung zurückzuführen. Im Januar 1831 erschien der erste Bericht in der damals so genannten Baseler Zeitung. Dieser Artikel fasste die bürgerkriegsähnlichen Zustände der vorangegangenen Wochen zusammen. Die Baseler Zeitung war dabei nicht nur für die Stadtbevölkerung gedacht, sondern sollte als Stimme Basels für die gesamte Eidgenossenschaft dienen.
Gleichzeitig entwickelte sich auch im Baselbieter Teil des Kantons eine eigene Zeitungslandschaft. Diese Blätter begannen, gezielt gegen die Stadt Basel oder für die Interessen des Baselbiets zu schreiben. Es entstand eine dynamische und oft kontroverse Berichterstattung, die die politischen Spannungen der Zeit widerspiegelte. Die Presselandschaft des Baselbiets entwickelte sich fortan weitgehend unabhängig von der Stadt.
Interessanter Fakt
Im 19. Jahrhundert hatten Basler Redakteure einen Standortvorteil: Sie konnten Zeitungen aus Paris von ankommenden Zügen der Elsässerbahn erhalten und so als Erste in der Schweiz über internationale Ereignisse berichten.
Krisen als Katalysatoren des Wandels
Die Geschichte zeigt, dass Krisen die Anforderungen an die Medien grundlegend verändern können. Ein Beispiel hierfür ist der Brand einer Chemiefabrik in Norditalien im Jahr 1976. Damals reichten den Basler Bürgern Printmedien als Informationsquelle aus, da sie nicht unmittelbar betroffen waren.
Zehn Jahre später, beim verheerenden Brand von Schweizerhalle im Jahr 1986, war die Situation eine andere. Die Bevölkerung wollte laufend und unmittelbar informiert sein. Radio Basilisk erfüllte diese Rolle perfekt, indem es direkt vom Unglücksort berichtete. Dieses Medium setzte sich in der Krise durch und etablierte sich als wichtige Informationsquelle.
Auch die Corona-Pandemie zeigte einen Medienwandel. Hier konnten soziale Medien die Informationsbedürfnisse der Menschen besser abdecken als das Radio. Sie ermöglichten den Aufbau von Kommunikationsnetzwerken, die den Betroffenen direkte Hilfe und Austausch boten.
"Der Anspruch an die Medien ändert sich je nach Situation. Was in einer Krise funktioniert, muss in der nächsten nicht mehr die beste Lösung sein."
Informationsflut und neue Technologien
Die Einführung des Telegrafendienstes in den 1850er-Jahren führte zu einer enormen Informationsflut. Diese neue Technologie war jedoch teuer. Nicht alle Zeitungen konnten sich den Zugang zu diesen schnellen Nachrichten leisten. Zuvor füllten sich viele Zeitungen mit Berichten, die aus anderen Zeitungen stammten.
Mit dem Telegrafen erhielten die Redaktionen viel mehr und schneller Informationen. Doch auch hier gab es Grenzen: Das Papier war teuer, was den Umfang der gedruckten Ausgaben begrenzte. Diese frühen Herausforderungen spiegeln die heutigen Diskussionen über die Finanzierung von Journalismus wider. Das Zeitungmachen war im finanziellen Sinn oft ein schwieriges Geschäft.
Hintergrund zur Finanzierung
Historische Recherchen zeigen, dass sich das Zeitungmachen finanziell selten von selbst trug. Viele Zeitungen waren auf Querfinanzierung angewiesen, sei es durch Mäzene, Kirchen oder andere Organisationen. Oft war auch Selbstausbeutung, besonders bei Arbeiterblättern, eine gängige Praxis, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Vielfalt und Zukunft des Basler Journalismus
Die Basler Medienlandschaft ist heute vielfältiger denn je. Neben der traditionsreichen Basler Zeitung, deren Mantelteil inzwischen aus Zürich kommt, haben sich neue Formate etabliert. Die bz Basel ist ein weiteres wichtiges Printmedium. Online-Portale wie Bajour und Prime News sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.
Bajour, zum Beispiel, richtet sich an ein jüngeres, urbanes Publikum mit spezifischen Themen und Umfragen. Prime News ist eher wirtschaftsnah positioniert. Diese neuen Angebote ergänzen die bestehende Medienlandschaft. Man kann sich heute umfassend informieren, ohne ausschliesslich die Basler Zeitung zu lesen.
Die Medienvielfalt in Basel hat sich seit der Fusion der National-Zeitung und der Basler Nachrichten zur Basler Zeitung im Jahr 1977 deutlich vergrössert. Radio, Fernsehen, Print- und Onlinemedien berichten lokal und finden nebeneinander ihren Platz. Die Nachfrage nach Informationen bleibt hoch, die Frage der Bezahlung ist jedoch weiterhin offen.
Zukunft des Lokaljournalismus
Experten sehen die Zukunft des Journalismus, besonders im lokalen Bereich, stark im Community Building. Plattformen, die nahe bei den Menschen sind, wie Quartierzeitungen, gewinnen an Bedeutung. Es ist denkbar, dass es zukünftig vermehrt gedruckte Lokalzeitungen geben wird, die sich auf die direkte Umgebung konzentrieren.
Lokaljournalismus ist sowohl für Journalisten als auch für die Leserschaft interessant. Er ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit Themen, die den Alltag der Menschen direkt betreffen. Neue, oft idealistische Geschäftsmodelle, insbesondere aus dem Kulturjournalismus, entstehen und zeigen neue Wege auf, wie Information finanziert und verbreitet werden kann.
- Community Building: Stärkt die Bindung zwischen Medium und Leserschaft.
- Quartierzeitungen: Direkte Nähe zu den Menschen und ihren Anliegen.
- Neue Geschäftsmodelle: Innovative Ansätze zur Finanzierung des Journalismus.
Die Universitätsbibliothek Basel widmet sich dem Thema mit der Ausstellung "Auf der Suche nach der Wahrheit". Diese bietet Gelegenheit, sich mit dem Journalismus und seiner Bedeutung auseinanderzusetzen. Eine Begleitausstellung, "Medienplatz Basel", beleuchtet die Rolle von Katastrophen bei der Entwicklung der Basler Medien. Sie zeigt, wie Medien sich an veränderte Bedürfnisse anpassen mussten und weiterhin müssen.





