Die Universität Basel hat auf die Bedenken ihrer Studierenden reagiert, die während einer nationalen Schweigeminute eine Prüfung schreiben müssen. Nach einer internen Absprache wird die Prüfungszeit am Freitag um eine Minute verlängert. Dies soll den rund 250 betroffenen Medizinstudierenden ermöglichen, der Opfer eines Unglücks in Crans-Montana zu gedenken.
Wichtige Punkte
- Die Schweiz gedenkt am Freitag den Opfern von Crans-Montana mit einer nationalen Schweigeminute um 14 Uhr.
- Rund 250 Medizinstudierende der Universität Basel hätten zur selben Zeit eine Semesterprüfung.
- Die Universität verlängert die Prüfungszeit um eine Minute, um die Teilnahme an der Schweigeminute zu ermöglichen.
- Studierende äussern dennoch Bedenken bezüglich der Konzentration nach der Gedenkminute.
Nationale Trauer und universitäre Anpassung
Der Bundesrat hat für Freitag, den 9. Januar, einen nationalen Trauertag angeordnet. Um 14 Uhr werden schweizweit die Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten. Gleichzeitig ist eine Schweigeminute vorgesehen. Bundesrat Guy Parmelin bat explizit alle Bildungseinrichtungen der Kantone, diese Gedenkminute einzuhalten.
In Basel standen jedoch rund 250 Medizinstudierende vor einem Dilemma. Ihre Semesterprüfung war genau für diesen Zeitpunkt angesetzt. Eine Teilnahme an der nationalen Schweigeminute wäre unter diesen Umständen nur schwer möglich gewesen. Dies führte zu Unmut unter den Betroffenen.
Faktencheck
- Datum der Schweigeminute: Freitag, 9. Januar
- Uhrzeit: 14:00 Uhr
- Dauer des Glockengeläuts: 5 Minuten
- Anzahl betroffener Studierender an der Uni Basel: ca. 250 (Medizinstudierende)
Die Reaktion der Universität Basel
Die Universitätsleitung hat auf die studentischen Beschwerden reagiert. Am Mittwochnachmittag erhielten alle Studierenden eine E-Mail mit der Information über eine Anpassung. Die Universität teilte mit, dass sie in Absprache mit der Rektorin und dem Rechtsdienst eine Lösung gefunden habe.
Alle Dozierenden, die am Freitagnachmittag um 14 Uhr eine Prüfung ansetzen, wurden aufgefordert, die Prüfungszeit um eine Minute zu verlängern. Dies soll gewährleisten, dass auch die Studierenden, die zu diesem Zeitpunkt eine Prüfung ablegen, die Möglichkeit erhalten, den Opfern zu gedenken.
"In Absprache mit der Rektorin und dem Rechtsdienst haben wir all jene Dozierenden, welche am Freitagnachmittag um 14 Uhr eine Prüfung durchführen, aufgefordert, die Prüfungszeit um eine Minute zu verlängern. So haben auch die Studierenden, die dann eine Prüfung ablegen, die Möglichkeit, in dieser Zeit der Opfer zu gedenken."
Geteilte Meinungen unter Studierenden
Für eine 21-jährige Medizinstudentin, die anonym bleiben möchte, ist die Lösung der Universität nur teilweise zufriedenstellend. Sie erklärt, dass ihre Prüfung eigentlich um 14 Uhr beginnen sollte und nun wohl eine Minute später startet.
Die Studentin hätte sich eine Verschiebung der Prüfung um zehn Minuten gewünscht. Ihr geht es um den Respekt vor den Opfern. Sie äussert Bedenken, dass es schwierig sein wird, nach einer so emotionalen Gedenkminute direkt in den Prüfungsmodus zu wechseln. Die Trauer über das Unglück sei tiefgreifend und nehme die Studierenden mit.
Hintergrund der Trauer
Der nationale Trauertag wurde aufgrund eines tragischen Unglücks in Crans-Montana ausgerufen. Solche Ereignisse lösen in der Bevölkerung grosse Anteilnahme aus und führen oft zu einer starken emotionalen Belastung, insbesondere bei jungen Menschen.
Emotionale Belastung und Prüfungsdruck
Die Studentin beschreibt die Situation als herausfordernd. Ein Prüfungssaal sei nicht der richtige Ort, um Emotionen wie Weinen freien Lauf zu lassen. Sie befürchtet, dass die Konzentration nach der Schweigeminute beeinträchtigt sein könnte. Der Wechsel von tiefer Trauer zu anspruchsvollen Prüfungsfragen stellt eine grosse psychische Belastung dar.
Diese Bedenken zeigen, dass solche Anpassungen zwar den formalen Anforderungen gerecht werden, die psychologischen Auswirkungen auf die Prüflinge jedoch komplex sind. Die Universität Basel versucht, einen Kompromiss zu finden, der sowohl dem Gedenken als auch dem Prüfungsbetrieb Rechnung trägt.
Unterstützungsangebote für Studierende
In Zeiten nationaler Trauer und persönlicher Belastung ist es wichtig, dass Betroffene Unterstützung finden. Die Universität Basel bietet verschiedene Beratungsstellen an, die Studierenden in schwierigen Situationen helfen können. Diese reichen von psychologischer Beratung bis hin zu seelsorgerischen Angeboten.
Es ist entscheidend, dass Studierende, die sich durch die Situation überfordert fühlen, diese Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Die Balance zwischen akademischen Anforderungen und emotionalem Wohlbefinden bleibt eine zentrale Herausforderung für Bildungseinrichtungen.
- Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
- Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
- Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
- Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
- Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
- Verein Familientrauerbegleitung.ch
- Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
- Selbsthilfegruppen
- Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
- Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen





