Der Kanton Basel-Stadt evaluiert derzeit die Einführung eines Pilotprojekts zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, funktionierende oder leicht defekte Alltagsgegenstände wie Lampen, Skateboards oder Kaffeemaschinen vor der Entsorgung zu bewahren und stattdessen zu reparieren oder wiederzuverwenden. Die Regierung prüft dafür eine Zusammenarbeit mit dem Berner Start-up Pretty Good, das bereits positive Erfahrungen in der Wiederaufbereitung gespendeter Artikel gesammelt hat.
Wichtige Erkenntnisse
- Basel-Stadt plant ein Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft.
- Das Berner Start-up Pretty Good könnte als Partner fungieren.
- Drei Viertel der gespendeten Gegenstände in Bern wurden wiederaufbereitet.
- Fünf von sechs aufbereiteten Artikeln konnten verkauft werden.
- Das Projekt soll lokale Reparatur- und Gebrauchtwarengeschäfte stärken.
Das Berner Modell als Vorbild
Das Start-up Pretty Good hat in Bern in den letzten drei Jahren ein erfolgreiches Modell etabliert. Haushalte können dort ungenutzte, aber noch brauchbare Gegenstände bei verschiedenen Entsorgungsstellen abgeben. Pretty Good übernimmt dann die Inventarisierung, Aufbereitung und bei Bedarf auch die Reparatur dieser Artikel.
Der Verkauf erfolgt über verschiedene Kanäle, darunter Online-Plattformen, Brockenhäuser und sogar etablierte Warenhäuser. Dieses Konzept hat sich bewährt und zieht nun das Interesse des Kantons Basel-Stadt auf sich, der ähnliche Initiativen in der Region implementieren möchte, um die Nachhaltigkeit zu fördern und Abfall zu reduzieren.
Erfolgszahlen aus Bern
- 75% der gespendeten Gegenstände wurden wiederaufbereitet.
- 83% (fünf von sechs) der aufbereiteten Artikel fanden einen neuen Besitzer.
- Besonders gut verkäuflich sind einfach zu reparierende Artikel wie Plattenspieler.
Stärkung der lokalen Wirtschaft
Die Basler Regierung betont die Bedeutung, lokale Gebrauchtwaren- und Reparaturbetriebe in das Projekt einzubeziehen. Ziel ist es, ein starkes Netzwerk aus Handwerkern und Verkaufsstellen aufzubauen. Dies würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch die regionale Wirtschaft stärken und neue Arbeitsplätze schaffen.
Jonas Beer, einer der Geschäftsführer von Pretty Good, hebt hervor, dass solche Projekte nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch wirtschaftliches Potenzial besitzen. Das Berner Start-up beschäftigt bereits drei Vollzeit- und sechs Teilzeitmitarbeitende. Es bietet zudem eigene Reparaturservices an, was das Dienstleistungsangebot erweitert.
«Plattenspieler sind ein gutes Beispiel. Sie lassen sich einfach reparieren und verkaufen», erklärt Jonas Beer, Geschäftsführer von Pretty Good. «Das zeigt, wie viel Potenzial in der Wiederverwendung steckt.»
Basels Weg zur Kreislaufwirtschaft
Der Kanton Basel-Stadt verfolgt bereits eine klare Strategie zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Die geplante Initiative mit Pretty Good fügt sich nahtlos in die kantonale Abfall- und Ressourcenplanung ein. Die Regierung sieht Basel als Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit und möchte eine Modellrolle in der ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft einnehmen.
Bereits heute unterstützt der Kanton Reparaturanlässe, bei denen Freiwillige mit Fachkenntnissen kaputte Gegenstände instand setzen. Diese Veranstaltungen sind populär und zeigen das Bedürfnis der Bevölkerung, Gegenstände länger zu nutzen und Abfall zu vermeiden. Das neue Pilotprojekt würde diese Bemühungen auf eine breitere Basis stellen und professionalisieren.
Weitere Initiativen in Basel
- Der Verein Basel Circular, gegründet vom Kanton und der Eckenstein-Geigy-Stiftung, investiert 8 Millionen Franken in die Verlängerung von Produktlebenszyklen.
- Ab 2025 werden in Basel keine kostenlosen Sperrgutvignetten mehr ausgegeben, um die Abfallmenge zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.
- Sowohl Basel-Stadt als auch Baselland setzen seit 2021 verstärkt auf Recycling-Baustoffe im Strassenbau.
Herausforderungen und Finanzierung
Das Berner Projekt hat gezeigt, dass die Einnahmen aus dem Verkauf der aufbereiteten Gegenstände nur einen Teil der Gesamtkosten decken. Deshalb ist die Suche nach weiteren Geldgebern entscheidend für den Erfolg eines ähnlichen Projekts in Basel. Die Regierung ist sich dieser Herausforderung bewusst und prüft entsprechende Finanzierungsmodelle.
Die langfristige Vision ist es, ein selbsttragendes System zu schaffen, das sowohl ökologische als auch soziale Vorteile bietet. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner wie Pretty Good könnte dabei helfen, anfängliche Hürden zu überwinden und ein robustes Modell für Basel zu entwickeln. Dies erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und die Einbindung verschiedener Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Die Bemühungen Basels, sich als führender Nachhaltigkeitsstandort zu positionieren, werden durch solche Projekte weiter gestärkt. Es geht darum, nicht nur Abfall zu reduzieren, sondern auch ein Bewusstsein für den Wert von Gegenständen zu schaffen und die Kultur des Reparierens und Wiederverwendens zu festigen. Die Prüfung des Pilotprojekts ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.





